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Politik
Sonntag, 21. Januar 2018 10

Soziales

Vor 200 Jahren wurde Kolping geboren

Er organisierte das Proletariat, kämpfte gegen Ausbeutung, aber mit Karl Marx wollte er nichts zu tun haben – der Sozialreformer Adolph Kolping.

  • Der Priester und Sozialreformer Adolph Kolping Foto: dpa
  • Die Darsteller des Musicals „Kolpings Traum“ in Fulda nehmen den Schlussapplaus entgegen. Foto: Michael Werthmüller/Spotlight/dpa

Köln.Er machte Karl Marx die Proletarier abspenstig: Adolph Kolping sorgte im 19. Jahrhundert für ein Revival der katholischen Kirche, indem er sich der „sozialen Frage“ annahm. Vor 200 Jahren, am 8. Dezember 1813, wurde er in Kerpen geboren. Gewirkt hat er vor allem in Köln, wo er auch begraben liegt.

Kirche, Klüngel, Karneval – das sind die drei Ks, mit denen Köln immer wieder in Verbindung gebracht wird. Weniger bekannt ist, dass die Domstadt Mitte des 19. Jahrhunderts für ein ganz anderes K stand: den Kommunismus.

Von Köln aus agitierte Karl Marx, er traf dort auch zum ersten Mal Friedrich Engels. Der SPD-Mitbegründer August Bebel bezeichnete Köln sogar als „Geburtsstätte des Sozialismus“. Warum ausgerechnet Köln? Die Stadt war besonders früh industrialisiert, und es galten dort liberalere Gesetze als im Rest von Preußen.

In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen

Anders als die Großbürgersöhne Marx und Engels kommt Kolping selbst aus ärmsten Verhältnissen: Sein Vater ist Schäfer. Mit 13 Jahren beginnt er eine Lehre als Schuhmacher, schuftet zehn Jahre in diesem Handwerk. Die Monotonie des Arbeitslebens quält ihn. Die anderen Gesellen können wenigstens abends den Alltag vergessen, wenn sie sich im Wirtshaus besaufen. Aber das stößt Kolping ab. So ist er isoliert und sieht keinen Ausweg „aus diesem Labyrinth“.

Doch dann nimmt er nach der Arbeit Privatunterricht und holt mit 28 Jahren das Abitur nach – damals höchst ungewöhnlich. Anschließend studiert er Theologie und Philosophie, lässt sich zum Priester weihen und lernt als Kaplan in Elberfeld - heute Wuppertal – die Not der Fabrikarbeiter kennen. Ebenso wie Marx gelangt er zu der Überzeugung, dass es nichts Wichtigeres gibt als die „soziale Frage“. Aber anders als dieser setzt er nicht auf den Umsturz der gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern auf eine Mischung aus praktischer Hilfe und religiöser Weiterbildung.

Kirche auf sich selbst fixiert

„Das Christentum ist nicht nur für die Kirche und für die Betkammern, sondern für das ganze Leben!“, verkündet er. Diese Lehre der Öffnung ist neu – denn die Kirche ist um 1850 stark auf sich selbst fixiert. Sie hat sozusagen nur noch Messen im Programm – damit aber kann die wachsende Zahl von „Proletariern“ nichts anfangen.

Kolping ändert das. Er bietet Gesellen auf Wanderschaft ein Dach über dem Kopf. Er initiiert Bildungsprogramme für Arbeiter und Handwerker. Er erfindet gleichsam den Verbandskatholizismus: Von der Wiege bis zur Bahre soll der Mensch in katholische Gemeinschaften eingebunden sein. Da Kolping für seine Ideen – ebenso wie Marx – mit einer eigenen Zeitung wirbt, wird sein Konzept bald in ganz Deutschland und in vielen anderen Ländern bekannt und kopiert. Als er 1865 mit 51 Jahren stirbt, gibt es im In- und Ausland bereits mehr als 400 Gesellenvereine, aus denen später das Kolpingwerk hervorgeht.

Bundespräsident Joachim Gauck verglich Kolping im vergangenen Februar bei einer Feierstunde in Köln mit einem anderen berühmten Kerpener – Rennfahrer Michael Schumacher. „Wo der eine der Meister darin ist, auf einer vorgegebenen Strecke der Schnellste zu sein, dabei aber immer im Kreis fährt, ging es dem anderen gerade darum, Menschen zu helfen, aus dem vorgegebenen Kreis auszubrechen – ruhig auch langsam“, sagte er. Bis heute könne Kolping „aus Bequemlichkeiten aufrütteln und neue Orientierung geben“. (dpa)

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