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Politik
Donnerstag, 14. Dezember 2017 7

Umwelt

Waldschutz ist eine globale Aufgabe

Wer den Regenwald schützen will, muss auch die heimische Natur bewahren. Denn die deutsche Umweltbilanz ist verheerend.
Von Matthias Rittgerott

Mathias Rittgerott ist Campaigner von Rettet den Regenwald e.V und Redakteur dessen Internetseite www.regenwald.org.

Berlin.Mitte Oktober waren das Morgenlicht in Hamburg ungewöhnlich; gelblich, rötlich, mystisch. Die Sonne ging hinter einem Schleier auf, der anders war als Morgennebel. Die Stimmung erinnerte an den Film Melancholia des Regisseurs Lars von Trier. Ein Weltuntergangs-Epos, in dem die Erde mit einem vagabundierenden Planet kollidiert.

Die Erklärung für das Wetter-Phänomen war weniger apokalyptisch, doch auch sie ist mit Zerstörung verknüpft: In der Atmosphäre waren Russpartikel von Waldbränden in Portugal und Spanien bis nach Norddeutschland geweht worden. Die Brände dort waren auch deshalb so verheerend, weil natürliche Wälder durch Eukalyptusplantagen ersetzt worden waren – die sind leicht entzündlich und brennen besonders erbarmungslos heißt. Der Mensch hat die Gewalt der Feuer mitverursacht.

Die Tatsache, dass Hunderte Kilometer entfernte Feuer sogar in Hamburg den Himmel trübten, erinnert daran, wie 2015 durch Feuer in Indonesien riesige Gebiete - auch in den Nachbarländern – eingeräuchert wurden. Viele Brände, bei denen insbesondere Torfwälder in Flammen aufgingen, waren gelegt worden – augenscheinlich um Platz für Palmöl-Plantagen zu schaffen. Palmöl, das einen globalen Boom erlebt, der auch durch unseren Konsum angefacht wird.

Die Katastrophen in Indonesien und auf der iberischen Halbinsel zeigen, wie nah uns Naturzerstörung betrifft, die wir weit weg wähnen. Man kann Umweltschutz deshalb nicht in „deren Problem“ und „unser Bier“ teilen. Umweltschutz hat häufig eine globale Komponente.

Das bedeutet aber auch, dass sich Umweltschutz-Organisationen wie Rettet den Regenwald in ihrer Arbeit nicht auf die Tropenwälder beschränken sollten (abgesehen davon, dass es auch außertropische Regenwälder gibt). Wie könnten wir uns für den Dschungel Borneos einsetzen und zugleich die Rodung heimischer Wälder akzeptieren? Wie könnten wir Palmöl-Plantagen als grüne Wüsten brandmarken und zugleich die industrielle Landwirtschaft hierzulande hinnehmen?

Viele ökologische Schäden in den Regenwäldern werden für unseren Konsum angerichtet: Billiges Palmöl wird von der Industrie für Lebensmittel, Kosmetika und Biosprit verbraucht. Endlose Soja-Felder vernichten Brasiliens Cerrado für Tierfutter, weil viele Europäer gern täglich Fleisch essen. Für unser Verlangen nach Schokolade werden in der Elfenbeinküste Schutzgebiete geplündert.

Doch in Deutschlands Umweltbilanz ist gleichfalls verheerend: Wegen des Runs auf Biomasse zur Energieversorgung wachsen vielerorts riesige Mais-Monokulturen. Um maximale Ernten zu erzielten, wird der Todmacher Glyphosat versprüht. Die Artenvielfalt auf Äckern und Wiesen bricht dramatisch ein. In Städten wie Hamburg werden Grünflächen geopfert und Bäume gefällt, um noch mehr Häuser zu bauen. Weil wir uns offenbar nicht mit weniger Wohnfläche bescheiden wollen.

Wem die Regenwälder der Tropen am Herzen liegen, der muss auch die Natur im eigenen Vorgarten bewahren. Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit..

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