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Montag, 3. August 2015 25° 4

Erinnerung

Weltweit wird der Holocaustopfer gedacht

Marcel Reich-Ranicki sprach im Bundestag und in Weiden erinnerten Schüler der Region an die Befreiung von Auschwitz.

Der Holocaust-Überlebende Marcel Reich-Ranicki sprach am Freitag im Bundestag.

Berlin/Flossenbürg.Eindringlich und erschütternd hat der Literaturkritiker und Holocaust-Überlebende Marcel Reich-Ranicki im Bundestag von der Deportation der Juden aus dem Warschauer Ghetto berichtet. Zum 67. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz erzählte der Überlebende am Freitag, wie die SS im Juli 1942 die „Umsiedlung“ anordnete. Am 27. Januar wird weltweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Am selben Tag nahm der Neonazi-Untersuchungsausschuss des Bundestages in Berlin seine Arbeit auf. Er soll mögliche Pannen der Sicherheitsbehörden bei den jüngsten Neonazi-Morden aufklären.

Reich-Ranicki wirkte gesundheitlich angeschlagen. Bundespräsident Christian Wulff und der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Andreas Voßkuhle, stützten den 91-Jährigen auf dem Weg zum und vom Rednerpult. Nach der Rede herrschte im Bundestag minutenlange Stille, unterbrochen durch verhaltenen Beifall.

Weltweite Erinnerung

In mehreren Bundesländern sowie bei den UN in New York wurde ebenfalls der Millionen Holocaustopfer des Nazi-Regimes gedacht. Seit 1996 erinnert auch der Bundestag jährlich an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz.

Ausgerechnet an diesem Tag nahm der Neonazi-Untersuchungsausschuss des Bundestag seine Arbeit auf. Am Vortag hatte auch der Thüringer Landtag einen Untersuchungsausschuss beschlossen. Geklärt werden soll, warum die Zwickauer Neonazi-Gruppe jahrelang rauben und morden konnte, ohne von Sicherheitsbehörden entdeckt zu werden. Auf ihr Konto sollen unter anderem Morde an neun türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern sowie an einer Polizistin gehen.

Die Linken-Abgeordnete und Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau sagte, sie hätte sich nicht träumen lassen, sich am Gedenktag Auschwitz einmal mit Neonazimorden befassen zu müssen. Ähnlich äußerten sich Grünen-Spitzenpolitiker. Grünen-Chefin Claudia Roth sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Konstituierung des Neonazi-Untersuchungsausschusses am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz unterstreiche die Wichtigkeit seines Auftrags.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hatte zuvor bei der Gedenkfeier im Parlament Bürger gewürdigt, die sich gegen Rechtsextremismus und Neonazi-Umtriebe engagieren. Mit Blick auf die im vergangenen Herbst aufgedeckte Neonazi-Mordserie sagte Lammert, diese Gewalt und dieser Hass seien nicht zu akzeptieren. Auch der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider beklagte, dass neonazistisches Gedankengut in der Gesellschaft verbreitet sei.

Schüler gestalten Gedenken

Wie man die Erinnerung an die Opfer des Nazi-Terrors lebendig hält, demonstrierten beim Holocaust-Gedenktag des Bayerischen Landtags in Weiden Schüler aus der Oberpfalz. Gymnasiasten aus Neutraubling (Lkr. Regensburg) führten Interviews mit ehemaligen Häftlingen eines vergessenen KZ-Außenlagers in den USA, Weidener Schülerinnen gestalteten ein Werkverzeichnis eines Künstlers, der das KZ Flossenbürg überlebte. Regensburger Hauptschüler beeindruckten mit Nachrufen für im KZ ermordete Kinder.

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