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Politik
Samstag, 21. Oktober 2017 19° 3

Digitales

Wenn Roboter im Internet Hass säen

Immer mehr Social Bots tummeln sich in sozialen Netzwerken – und beeinflussen Stimmungen. Die sechs wichtigsten Fragen dazu.

Eine Software, die in sozialen Netzwerken aktiv ist und sich wie ein Mensch verhält: Das sind Social Bots. Mittlerweile sind sie zu einer echten Bedrohung geworden. Foto: dpa

Vom Geschäft mit Trends: Was sind Social Bots?

Soziale Netzwerke werden für die Meinungsbildung von Menschen immer bedeutsamer. Und die Deutungshoheit über Meinungen bei Facebook, Twitter, Instagram und Co. ist längst zu einem Geschäft geworden. Zunehmend werden nichtmenschliche Akteure, Social Bots – also eine Software, die in den Netzwerken aktiv ist und sich wie ein Mensch einschaltet – dafür eingesetzt, Argumente zu streuen, die Meinungen anderer zu verunglimpfen und die politische Diskussion, aber auch das Kaufverhalten von Konsumenten, zu beeinflussen.

Wie können diese Bots Meinungen beeinflussen?

Sowohl im US-Wahlkampf, als Donald Trump Bots Meinungen machen ließ, als auch im Ukraine-Konflikt, in der Brexit-Debatte oder in der hitzigen Auseinandersetzung um Flüchtlinge in Deutschland nahmen und nehmen soziale Roboter aktiv teil. Sie betreiben eigene Profile mit Bild – meist von jungen hübschen Menschen –, versuchen, sich mit echten Personen zu befreunden – und, das ist der Kern des Problems, Stimmung zu machen, Themen zu setzen. Sie argumentieren und streiten dabei für die Interessen ihrer Auftraggeber. Sie desinformieren und manipulieren in deren Sinne. Wirkung erzielen sie bereits durch die schieren Zahlen, die Mehrheiten vorgaukeln. Angeblich befinden sich unter den 13 Millionen Nutzern, die Donald Trump auf Twitter folgen, mehrere Millionen Bots. Dabei soll die Beeinflussungs-Software noch nicht einmal übermäßig teuer sein. Im Internet soll Software, mit der 10 000 Twitter-Accounts gesteuert werden können, bereits für 500 Dollar zu haben sein.

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Kommentar

Meinung per Mausclick

Wladimir Putin und seine Cyber-Krieger haben wahrscheinlich gejubelt, als der umstrittene Milliardär und Haudrauf Donald Trump Präsident der USA wurde....

Sind die Bürger den Hetzern rettungslos ausgeliefert?

Natürlich nicht. Das Enttarnen von digitalen Meinungsmaschinen sowie das Unterscheiden zwischen Wahrheit, Halbwahrheit und Lüge sind allerdings nicht einfach. Es setzt eine kritische Auseinandersetzung mit den verbreiteten „Fakten“ und Argumenten voraus. Die alten Lateiner pflegten immer zu hinterfragen: Wem nützt es? Das kann auch in der weiten Welt der digitalen Kommunikation ein guter Kompass sein. Wünschenswert wäre allerdings auch die Unterstützung von den sozialen Netzwerken selbst, die etwa mit Tools Fake-Accounts selbstständig erkennen und entfernen. Die im Bundestag vertretenen Parteien haben angekündigt, im Wahlkampf 2017 keine Bots einzusetzen.

Brauchen wir neue Regeln für das Internet?

Darüber gehen die Meinungen auseinander. Das SPD-geführte Bundesjustizministerium sieht derzeit keinen Anlass, mit schärferen Strafgesetzen gegen Desinformation vorzugehen. Schon jetzt könnten Fälschungen und Desinformationen im Netz strafrechtlich relevant sein. Die Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses, Renate Künast (Bündnis90/Die Grünen), etwa geht gegen ein Zitat vor, dass ihr im Zusammenhang mit dem Mord an einer jungen Studentin in Freiburg „untergeschoben“ wurde. Der Unions-Innenexperte Stephan Mayer (CSU) sprach sich dagegen für eine neue Strafvorschrift aus, mit der Desinformationskampagnen geahndet werden sollten. Bereits vor einige Zeit hatte Justizminister Heiko Maas (SPD) Facebook und Co. aufgefordert, gegen Hass-Botschaften in den Netzwerken stärker vorzugehen.

Hacker mit Staatsauftrag? Wladimir Putin soll sich so in den US-Wahlkampf eingemischt haben – zugunsten von Donald Trump. Foto: dpa

Welche Ziele werden von Cyber-Angreifern verfolgt?

Die Angriffe von Hackern im Internet, manche sprechen bereits vom Cyber-Krieg, erfolgen auf verschiedenen Ebenen. Erstens geht es um die sogenannte „kritische Infrastruktur“, also etwa die Energie- oder Wasserversorgung, Telekommunikationsnetze oder auch die Kommunikation von staatlichen Stellen bis hinauf zur Bundesregierung. Zweitens stehen Geheimdienste im Fokus. Und drittens: Politische Meinungen sollen beeinflusst werden. Das Land soll an neuralgischen Punkten getroffen werden können. Die jüngste Attacke auf die Telekom hat gezeigt, dass solche Angriffe durchaus Wirkung zeigen können. Das Bundesinnenministerium plant, eine Einheit von IT-Spezialisten aufzustellen, die bei Cyber-Angriffen auf die Infrastruktur mit Gegenattacken antworten kann. Bei einer Cyber-Attacke auf das Netz des Bundestages im Mai 2015 haben die Angreifer offenbar auch brisante Dokumente aus dem NSA-Untersuchungsausschuss „erbeutet“.

Was haben Putin und Hacker gemeinsam?

Nach Erkenntnissen des US-Geheimdienstes CIA haben sich russische Hacker – möglicherweise im Auftrag des Kremlchefs Wladimir Putin – in den Wahlkampf um das Präsidentenamt der USA eingemischt. Und zwar zugunsten des als Russland-freundlicher geltenden Kandidatens Donald Trump. So wurden etwa Dokumente, die die Demokratin Hillary Clinton belasten sollten, an die Öffentlichkeit lanciert. Wirkliche oder gefälschte Informationen, die bei Cyber-Attacken abfließen, könnten auch im Bundestagswahlkampf Politiker und Parteien diskreditieren, Stimmung machen und Trends beeinflussen, befürchten Beobachter. Die AfD-Politikerin Alice Weidel hält Werkzeuge der sozialen Medien für ein wichtiges Instrument, um Positionen ihrer Partei unter Wählern zu verbreiten. Wenig später gab es dazu allerdings ein halbherziges Dementi zu dieser Aussage, wie der Bayerische Rundfunk meldete. (rzw)

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