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Politik
Dienstag, 20. Februar 2018 5

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Wo Menschen unfreiwillig „fasten“

Die Fastenzeit erinnert den Autor an die Menschen eines Slums in Ruanda. Er ruft dazu auf, jetzt an die Ärmsten zu denken.
Von Karel Dekempe, Fidesco-Geschäftsführer

Karel Dekempe (M.) ist Internationaler Koordinator und Geschäftsführer von der katholischen Hilfsorganisation Fidesco e.V.

Laut Wikipedia ist Fasten „die völlige oder teilweise Enthaltung von Speisen, Getränken und Genussmitteln über einen bestimmten Zeitraum hinweg.“ Andere Definitionen sprechen vom „freiwilligen Verzicht auf feste Nahrung.“

Trotzdem muss ich beim Wort „Fasten“ immer an die Menschen eines Slums neben unserem Fidesco-Straßenkinderzentrum in Kigali, Ruanda denken. Die Menschen dort hungern unfreiwillig. Sie sind meistens so arm, dass sie nur einmal am Tag oder sogar nur jeden zweiten Tag Geld für eine Mahlzeit haben. Ihre einfachen Lehmhäuschen, vier Wände und ein Wellblechdach, wurden illegal errichtet und die Leute können jederzeit verjagt werden. Viele Ruander, die Arbeit haben, wissen nicht um das Elend in den Slums. Die Slumbewohner schämen sich für ihre Situation und sie sehen es nicht gerne, wenn Besucher von außerhalb kommen. Aber manche vertrauen sich doch den Mitarbeitern des Zentrums an.

Ende Oktober erfuhr Albert, einer der leitenden Mitarbeiter, dass Stephanie und Emmanuel, ein sehr armes, altes Paar, seit 40 Jahre den Wunsch haben zu heiraten. Für ein bescheidenes Fest fehlte aber immer das Geld, deshalb haben sie den Schritt nie gemacht. Im vergangenen September hatten deutsche Besucher Albert eine Geldsumme für die Bewohner des Slums überlassen. Am 28. Oktober konnte das Paar in der Kapelle des Zentrums Hochzeit halten. Wäre es nicht besser gewesen, für dieses Geld 20 oder mehr Familien eine Mahlzeit zu schenken? Ich denke nein. Die Erfüllung des Hochzeitswunsches hat ganz viel mit Menschenwürde zu tun – das hat Albert klar erkannt.

Ist es nicht entwürdigend, wenn man so arm ist, dass man nicht einmal ein wichtiges Ereignis mit einem kleinen Fest feiern kann? Und ist es nicht entwürdigend, wenn man sich für seine Behausung schämen muss, oder für den Mangel an Essen und die unfreiwillige Arbeitslosigkeit.

Aber was hat das nun mit Fasten zu tun? Ein paar Vorschläge: Probieren Sie doch einmal aus, wie es ist, wenn Sie nur einmal am Tag essen. Überlegen sie auch mal bewusst, wofür Sie ihr Geld ausgeben. Hat es immer mit Menschenwürde zu tun? Und feiern Sie Ostern! Vielleicht laden sie dazu ein Paar Leute ein, die sonst nicht feiern könnten.

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