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Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Schule

Rechtsradikalismus an der Wurzel packen

Ausstellung und Projekttag sollen Schüler am DGK demokratische Werte näher bringen. Zum Auftakt gab es einen Festakt.
von Benjamin Neumaier

  • Eine junge Frau hält ein Protestplakat gegen gegen eine NPD-Kundgebungin die Kamera. Gegen Rechtsradikalismus wendet sich auch die Ausstellung „Rechtsradikalismus in Bayern“, die derzeit im Donau-Gymnasium gezeigt wird. Foto: dpa
  • Zahlreiche Ehrengäste und Schüler waren bei der Ausstellungseröffnung in der Aula des DGK. Foto: Neumaier
  • Die Ausstellung steht bis 6. April nicht nur den Schülern, sondern auch der Öffentlichkeit zur Verfügung – nach Anmeldung im Sekretariat des DGK. Foto: Neumaier
  • Dr. Clemens Prokop (Mitte), Schulleiter Dr. Josef Schmid und MdL Johanna Werner-Muggendorfer schweiften nach dem Festakt durch die Ausstellung und unterhielten sich lebhaft über das Thema Rechtsradikalismus. Foto: Neumaier

Kelheim. „Fast acht Milliarden Menschen, doch die Menschlichkeit fehlt; von hier oben macht das Alles plötzlich gar nichts mehr aus, von hier sieht man keine Grenzen und die Farbe der Haut“ – dieser Ausschnitt aus Andreas Bouranis „Astronaut“ – gesungen durch die Klasse 7c – traf ziemlich genau den Sinn des Events in der Aula des Donau-Gymnasiums. Zum Auftakt des Projekttages „Demokratie stärken – Rechtsradikalismus bekämpfen“ wurde die Wanderausstellung „Rechtsradikalismus in Bayern“ mit zahlreichen Ehrengästen eröffnet.

Rassismus gibt es überall

Die machten dann auch recht schnell klar, was sie „von den Rattenfängern am rechten Rand“ halten. MdL Johanna Werner-Muggendorfer mahnte, „dass man Rassismus ernst nehmen müsse, denn den gibt es auch bei uns. Diese Ausstellung ist sehr wichtig, wichtiger noch ist aber noch das, was am Projekttag folgt, nämlich darüber zu reden, sich zu informieren. Richtig reagieren muss dann aber jeder selbst.“

Dr. Clemens Prokop, Direktor des Amtsgerichts Regensburg, Präsident des deutschen Leichtathletikverbandes und Pate des Projekts „Schule ohne Rassismus“, führte den Sport als Beispiel an: „Dort geht es um Leistung, es zählt nur der Sportler – keine Hautfarbe, Herkunft oder Religion. Das sollten wir uns zum Beispiel nehmen. Wer Respekt und die Achtung seiner Würde für sich einfordert, muss das auch allen anderen zugestehen.“

Franz Aunkofer, der als 2. Bürgermeister die Kreisstadt vertrat, verglich die Gesellschaft mit einem Vogel, „der nicht fliegen kann, wenn ein Flügel stärker ist als der ander das führt immer zum Absturz. Ob es uns passt oder nicht, es gibt in unserer Gesellschaft verschiedene Strömungen – die müssen wir in den Anfängen bekämpfen, die Menschen aufklären und zu Courage ermuntern: Das sind die Mittel der Demokratie.“

Dr. Clemens Prokop kehrte als Redner an seine Schule zurück. Foto: Neumaier

Das sollen die Schüler am Projekttag vermittelt bekommen, erklärt Christoph Heide, der das Projekt betreut. Dazu gibt es mehrere Bausteine. Einer davon ist die feierlich eröffnete Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung. Auf 15 Schaubildern werden rechtsextremistische Parteien und Jugendorganisationen in Bayern, ihre Aktivitäten, Symbolik und Propaganda gezeigt. „Dazu bekommen die Schüler einen Fragebogen, den sie abarbeiten müssen“, sagt Heide.

Zudem zeigen die Zehntklässler Leif-Ole Bollmann und Franziska Meier ihren Mitschülern einen Film über Rechtsradikalismus und diskutieren mit Ihnen darüber. Die beiden sind zwei der zehn Teilnehmer des Sozialkunde-Wahlfachs „Soziales Engagement“.

Leif-Ole Bollmann und Franziska Meier stellten ihr Projekt vor. Foto: Neumaier

Dass es am Donau-Gymnasium Rechtsradikale gebe, können die beiden nicht berichten, sagen aber einstimmig: „Es gibt schon mal Späße in diese Richtung, aber richtig ernst klingt das nie. Wobei hinter regelmäßigen Späßen auch Ernst verbirgt.“

Auch Vorfälle am DGK

Von Vorfällen weiß aber Christoph Heide zu berichten: „Wir sind zwar hier nicht in der Großstadt, aber es gibt immer wieder mal Zwischenfälle. Neben Diskussionen um pro oder kontra Erdogan mit türkischstämmigen Schülern, um die Antifa, Pegida oder auch Hakenkreuz-Schmierereien wurde einmal ein tunesischer Schüler als ,Kameltreiber‘ beschimpft, antwortete gleich mit ,Nazi‘. Da ergab eins das andere, das Ende war ein grobe Schlägerei.“

Auch damit so etwas nicht mehr vorkommt wurde der dritte Baustein ins Projekt eingebaut. Manuel Bauer, ein Aussteiger aus der rechten Szene und Mitglied bei Exit-Deutschland, schildert in einem knapp zweistündigen Vortrag zu seinem Leben. Als 19-Jähriger gründete er einen rechtsextremen Schlägertrupp, die Wehrsportgruppe Racheakt, sprengte die Hochzeit eines türkischen Paares und erpresste einen schwulen Geschäftsmann. Er kam ins Gefängnis, wurde dort von seinen „Kameraden„ zusammengeschlagen. Dann stieg er aus der Neonazi-Szene aus. Besonders diesen Vortrag „nicht von einem Lehrer, sondern aus dem Leben“ hält Heide „für besonders wichtig, weil er veranschaulicht, wozu Rechtsradikalismus führen kann.“

Ziel des Projekttages sei es, „junge Menschen für demokratische Werte und deren Gefährdung zu sensibilisieren“, sagt Heide und Schulleiter Dr. Josef Schmid stimmt ein: „Das ist unsere stete Aufgabe. Es geht um jahrhundertelang gereift christlich-abendländische Werte wie Fairness, Toleranz, Respekt oder Courage, auf denen unsere Gesellschaft steht. Wir wollen ein Zeichen setzen – gegen Gewalt und Diskriminierung. Jeden einzelnen Tag.“

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Ausstellung läuft bis 6. April

  • Die Ausstellung:

    Die Ausstellung „Rechtsradikalismus in Bayern. Demokratie stärken – Rechtsradikalismus bekämpfen“ informiert über Strukturen, Strategien und Wertvorstellungen des Rechtsradikalismus in Bayern. Ein Schwerpunkt wird auf die Jugendszene in Bayern gelegt. Die Ausstellung ist bis zum 6. April am Donau-Gymnasium zu besichtigen.

  • Themen:

    Das Wissen um einschlägige Symbole, Codes und Moden, verschiedene Bereiche der intellektuellen Szene, der Internet- und der Frauenszene und die regionale Vernetzung werden dargestellt. Außerdem werden verschiedene Formen, Projekte und Initiativen vorgestellt, die sich für die Abwehr des Rechtsextremismus engagieren.

  • Ziel:

    Die Ausstellung „Rechtsradikalismus in Bayern. Demokratie stärken – Rechtsradikalismus bekämpfen“ des Bayern-Forums der Friedrich-Ebert-Stiftung will informieren und aufklären, aber auch zum demokratischen Engagement und zur Auseinandersetzung vor Ort motivieren. Gerade Jugendliche sind ein bevorzugtes Ziel der Rechtsextremen.

  • Schulprofil:

    Das Kelheimer Donau-Gymnasium ist seit 19. Juni 2012 mit dem Prädikat „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ausgezeichnet – das muss durch Aktionen „verdient werden“. Ein aktuelles Projekt ist etwa die Integration von Flüchtlingskindern an Grundschulen, um das sich acht Achtklässler kümmern.

  • Termin:

    Die Ausstellung „Rechtsradikalismus in Bayern. Demokratie stärken – Rechtsradikalismus bekämpfen“ ist in der Aula des DGK bis zum 6. April für Schulklassen aller Schulen aus dem Landkreis und auch die Öffentlichkeit zu besichtigen. Es ist nur eine Terminabsprache mit dem Sekretariat nötig: Tel. (0 94 41) 29 74 0 (nb)

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