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Asyl in Kelheim
Mittwoch, 13. Dezember 2017 3

Asyl

Zu Gast in der Gemeinschaftsunterkunft

In den zwei staatlichen Einrichtungen in Kelheim können insgesamt 320 Menschen leben – bisher ist ein Teil der Plätze belegt.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

  • Die Frau aus dem Senegal ist mit ihren beiden Kindern in der Gemeinschaftsunterkunft im ehemaligen „Alten Kloster“ untergebracht. Foto: eb
  • In Affecking ging die Gemeinschaftsunterkunft am 7. Juli 2016 in Betrieb. Von den 156 Plätzen sind 79 belegt. Mieter der Gebäude ist auch hier der Freistaat Bayern. Vertragslaufzeit: zwölf Jahre. Archivfoto: hu

Kelheim.Den Hinweis auf das einstige Hotel „Altes Kloster“ sehen Passanten, die auf dem Weg am Michelsberg Richtung Befreiungshalle an dem Gebäuden vorbeikommen – allerdings ist dort kein gastronomischer Betrieb mehr, sondern eine staatliche Gemeinschaftsunterkunft für Menschen, die in Deutschland Asyl suchen. Laut Regierung von Niederbayern gibt es aktuell im Landkreis Kelheim fünf Gemeinschaftsunterkünfte. In Kelheim/Saal bestehen neben der im früheren „Alten Kloster“ eine in Affecking in Gebäuden des Hafen-Zweckverbands und eine in Häusern nahe eines Einkaufsmarktes in Saal. Insgesamt gibt es in den drei Objekten 421 Plätze, davon 320 in Kelheim. Es ist aber bislang nur ein Teil belegt. Die beiden anderen Unterkünfte sind in Abensberg und Riedenburg. Für 2017 sind laut Pressestelle der Regierung von Niederbayern keine weitere Unterkunft im Landkreis mehr geplant.

In Saal gehören zur Gemeinschaftsunterkunft mit einer Kapazität von 101 Plätzen acht Gebäude. Der Mietvertrag läuft zehn Jahre.Laut Regierung „wird die Einrichtung voraussichtlich im März 2017 in Betrieb genommen. Foto: eb

„In Übereinstimmung mit den Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung erhöhen wir den Anteil der staatlichen Gemeinschaftsunterkünfte, bauen dezentrale Unterbringung ab und entlasten so die Kommunen. Alle staatlichen Einrichtungen haben längerfristige Flächenmietverträge“, so die Regierung. Ihrer Angabe nach sind in den fünf Gemeinschaftsunterkünften mit Stand vom 22. Februar 363 Personen untergebracht gewesen. Nach Auskunft von Landratsamts-Pressesprecher Heinz Müller „betreibt das Landratsamt derzeit noch 70 dezentrale Unterkünfte im Landkreis Kelheim“, in denen „aktuell noch 932 Personen untergebracht sind“. Müller: „Wir haben bisher 2016 und 2017 36 dezentrale Unterkünfte auflösen können.“

Zehn E-Herde in der Küche

m Ex-Hotel „Altes Kloster“ in Kelheim ist seit 1. Februar die staatliche Gemeinschaftsunterkunft in Betrieb. Insgesamt gibt es derzeit 164 Plätze. Dort waren mit Stand 22. Februar 29 Menschen untergebracht. Foto: eb

Die Regierung erlaubte der Reporterin unseres Medienhauses, die staatliche Gemeinschaftsunterkunft im ehemalige „Alten Kloster“ zu besichtigen. In dem umgebauten Objekt gibt es unter anderem den früheren Saal nicht mehr, dort sind Räume entstanden. Der Gastraum-Bereich ist jetzt ein Gemeinschaftsraum, in dem beispielsweise die hölzernen Bänke an den Wänden noch vorhanden sind, es sind weiße Tische und blaue Stühle aufgestellt. In einem angrenzenden Raum befinden sich einige Kinderwagen. Im Erdgeschoss hat der Heimleiter sein Büro. In dem großen Küchenraum sind zehn Elektroherde, damit die Bewohner Essen zubereiten können. In den Zimmern stehen graue Bettgestelle. Ein Tisch und Stühle, abhängig davon, wie viele Schlafplätze es in einem Zimmer gibt. Ebenso verhält es sich mit den Anzahl der Spinde. Für die Bewohner der Zimmer im Erdgeschoss gibt es Gemeinschaftsduschen und -WC. In der ersten Etage z. B. sind Ein-, Zwei-Bett- und Drei-Bett-Zimmer mit Dusche, WC und Waschbecken. In der Anlage sind auch Vier-Bett-Zimmer vorhanden. In einem großen Raum stehen mehrere Waschmaschine, in denen die Bewohner die Wäsche waschen können. Die Anlage machte insgesamt einen gepflegten Eindruck.

Man richtet sich nach Leitlinien

Auf die Frage, wie viele Quadratmeter jedem Bewohner im früheren „Alten Kloster“ zur Verfügung stehen, teilt die Regierung mit: „Die Gemeinschaftsunterkunft wurde gemäß den Leitlinien des Bayerischen Sozialministeriums errichtet. Das Bayerische Sozialministerium hat diese Leitlinien bis auf weiteres außer Kraft gesetzt. Die Regierung von Niederbayern richtet sich bei der Erschließung neuer Gemeinschaftsunterkünfte aber nach wie vor nach den Leitlinien. Die durchschnittliche Wohn-/Schlafraumfläche in staatlichen Gemeinschaftsunterkünften beträgt sieben Quadratmeter. Hierbei handelt es sich um eine rechnerische Größe pro Unterkunft. Dazu kommen noch Gemeinschaftsflächen.“ Die Heimleitung sei „Ansprechpartner vor Ort“. Auf die Frage wie viele Personen in einem Raum untergebracht werden lautet die Antwort: „Das variiert von Fall zu Fall. Teils ist eine Belegung aller Betten aufgrund der persönlichen Situation der Bewohner nicht möglich (beispielsweise eine dreiköpfige Familie, die ein Vier-Bett-Zimmer nutzt, oder eine Einzelbelegung mit einer erkrankten Person).“ In den vier Sozialräumen in dem Objekt am Fuße des Kelheimer Michelsbergs „finden auch Schulungsmaßnahmen statt“.

Einen Integrationsplan für Kelheim ist laut Bürgermeister Horst Hartmann geplant, im April im Stadtrat vorzustellen und darüber abzustimmen. Im Februar habe das Abschlussplenum im Rathaus mit allen Beteiligten von Kindergärten, Schulen, Helferkreisen und Fraktionen stattgefunden. Seit dem Vorjahr habe es mehrere Arbeitsgruppen gegeben. Die Beiträge „werden zusammengefasst und vorbereitet für die Präsentation“. Den letzten Entwurf erhielten nochmals alle Beteiligten zur Durchsicht. Es sei ein Leitfaden. Es sei kein starrer Plan, gegebenenfalls müsse auch immer wieder fortgeschrieben werden.

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