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Montag, 25. September 2017 20° 3

Technik

Der Treibstoff sind Daten

Das Internet wird das Auto immer mehr verändern. Der Schutz der Verbraucher darf dabei nicht auf der Strecke bleiben.
Von Thomas Schreiner, Leiter Marketing & PR beim ARCD Auto- und Reiseclub Deutschland

Thomas Schreiner, Leiter Marketing & PR beim ARCD Auto- und Reiseclub Deutschland

Datenbasierte Mehrwertdienste für die mobile Gesellschaft spielen im Auto eine immer stärkere Rolle. Sie sollen, so das Versprechen, das Leben der Menschen besser machen. Dafür sammeln und verwerten die Anbieter große Mengen an persönlichen Daten, die viele von uns als Verkehrsteilnehmer erzeugen. Schon heute stellen moderne Fahrzeuge viele Informationen bereit, von der Position über Temperatur und Wegstrecke, Längs- und Querbeschleunigung bis hin zu Lenk- und Bremsmanövern. Hinzu kommen Daten aus Kamera- und Radarsystemen.

Das Nützliche an der Vernetzung der gesammelten Daten: Sie können der Verkehrssicherheit dienen. So ermöglichen Radschlupfwerte etwa Rückschlüsse auf den Fahrbahnzustand. Regen- und Temperatursensoren lassen Aussagen über Witterungsverhältnisse zu. Und Kameras haben das Umfeld des Fahrzeugs im Blick. Über zentrale Rechensysteme könnten diese Informationen in Echtzeit an andere vernetzte Fahrzeuge weitergegeben werden, um vor Gefahren zu warnen, Unfallrisiken zu verringern oder Verkehrsströme zu lenken.

Verkehrssicherheit ist jedoch nicht die einzige Spielwiese der Datensammler. Es geht auch um handfeste wirtschaftliche Interessen. So wie ein Smartphone nicht mehr ohne Zusatzdienste, sogenannte Apps, denkbar ist, wird es auch beim Service rund ums Auto sein. Fahrzeug-, Kunden- und Nutzerdaten sind die Quellen, die datenbasierte Geschäftsmodelle speisen. Datenvermeidung und Datensparsamkeit gelten im Automobilbau offenbar nicht als Grundprinzipien.

Deshalb wissen Autos inzwischen weitaus mehr über ihre Nutzer, als denen größtenteils bewusst ist. Es werden Informationen gesammelt, die Rückschlüsse auf den persönlichen Fahrstil oder den physischen und psychischen Zustand der Fahrzeuginsassen ermöglichen. Zu ermitteln, wie viele verschiedene Fahrer ein Auto lenken, ist mittlerweile eine leichte Übung. Andererseits ist einzugestehen, dass ohne Elektronik, Sensoren und Computersteuerung inzwischen kein Auto mehr funktioniert.

Fakt ist: Der Datenverkehr rund um das Auto beschränkt sich schon heute nicht mehr nur auf das technisch Notwendige. Und künftig wird er noch weiter zunehmen. Deshalb lauten die entscheidenden Fragen: Wer greift auf diese Daten zu? Wer verarbeitet diese Daten auf welche Weise? Und wer regelt dies am Ende im Sinne eines funktionierenden Verbraucherschutzes?

Antworten auf diese Fragen kann nur ein transparenter Wettbewerb mit offenen Schnittstellen für alle Marktteilnehmer geben. Der Verbraucher muss die unabhängige Wahl zwischen mehreren Anbietern und Angeboten haben und bequem zwischen ihnen wechseln können. Das schließt die bewusst gewählte Ausgestaltung der eigenen Privatsphäre mit ein, um frei zu entscheiden, welche Dienste genutzt und welche Informationen preisgegeben werden. Gibt der Nutzer seine Daten oder einen Teil davon bewusst nicht heraus, dürfen ihm dadurch keine offensichtlichen Nachteile entstehen. Und natürlich bedarf es eines Gesetzgebers, der es mit der Regulierung von Datenschutzfragen im Straßenverkehr tatsächlich ernst meint.

Ein aktueller gesellschaftlicher Trend stimmt in puncto Verbraucherrechte jedoch nachdenklich: Es ist der bereitwillige Tausch von Komfort gegen Datenschutz.

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