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Samstag, 25. November 2017 13° 3

Beruf

Erfolg mit Imageproblemen

Das Bild der dualen Ausbildung muss verbessert werden. Es gilt, Schüler, Eltern und Lehrer von deren Chancen zu überzeugen.
Von Ralf Kohl, Bereichsleiter Berufsbildung der IHK Regensburg für Oberpfalz/ Kelheim

Ralf Kohl, Bereichsleiter Berufsbildung der IHK Regensburg für Oberpfalz/ Kelheim

Über 4000 junge Menschen beginnen am 1. September eine duale Ausbildung in der Oberpfalz und im Landkreis Kelheim. Der Ausbildungsmarkt in der Region präsentiert sich im Vergleich zum Vorjahr stabil. Bei den Neueintragungen verzeichnen wir lediglich ein leichtes Minus von 1,5 Prozent. Auf den ersten Blick mag die Situation positiv erscheinen, jedoch gibt es weiterhin mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Etwa 450 Stellen bleiben zum Ausbildungsstart 2017 bei den IHK-Mitgliedsunternehmen offen – vor allem in den Bereichen Lager/ Logistik, Dienstleistungen, Handel, Hotel und Gastronomie.

Des einen Freud, des anderen Leid: Ausbildungssuchende haben momentan reichlich Auswahlmöglichkeiten, was den Wunschberuf angeht. Vertragsabschlüsse sind jederzeit möglich. Die Übernahmequoten von Ausbildung in Beschäftigung haben sich in den letzten Jahren stark verbessert und liegen inzwischen bei rund 70 Prozent. Für Unternehmen wird es hingegen immer schwieriger, ausreichend Nachwuchskräfte zu finden. Und das, obwohl die Ausbildungsqualität und -bereitschaft der Betriebe ungebrochen hoch ist. Was sind also die Gründe für diese Entwicklung?

Der demografische Wandel spielt eine große Rolle. Prognosen zufolge verliert die Oberpfalz bis 2025 knapp 100000 Arbeitskräfte, das sind 15,3Prozent der Erwerbstätigen. Das Bayerische Statistische Landesamt ermittelte speziell bei den 16- bis 19-Jährigen bis zum Jahr 2029 eine Abnahme von knapp 30 Prozent in der Region. In dieser Altersgruppe entscheiden sich viele – zumindest heute – für ein Studium. Der Weg über eine Universität oder Hochschule gilt nach wie vor als sicheres Karrieresprungbrett, auch wenn die Berufsbildung diesem in nichts nachsteht. Hat die duale Ausbildung also ein Imageproblem? Braucht es mehr Marketing in eigener Sache?

Es gilt, die richtigen Wege zu finden, um Schüler, Eltern und Lehrer von den Chancen einer Ausbildung zu begeistern. Welche Rolle eine zielgerichtete Ansprache spielt, zeigt das Ergebnis einer aktuellen Studie des Wirtschaftsministeriums. Untersucht wurde der Einfluss der 2015 gestarteten Kampagne „Elternstolz“, die die bayerischen IHKs, Handwerkskammern sowie das Wirtschaftsministerium ins Leben riefen. Die Kampagne richtet sich vor allem an Eltern, die als Berater ihrer Kinder die Möglichkeiten einer Ausbildung aufzeigen sollen. Mit beachtlichem Erfolg: 64 Prozent der Befragten bevorzugten eine Ausbildung, nachdem „Elternstolz“ sie über die Vorteile aufgeklärt hatte.

Der Abwärtstrend beim Abschluss neuer Ausbildungsverträge konnte zuletzt durch ein Zusammenspiel verschiedenster Angebote und Kampagnen bayernweit gestoppt, mancherorts sogar leicht umgekehrt werden. Ein wichtiges Signal, auch für die Unternehmen in der Region. Denn berufliche Aus- und Weiterbildung ist eine echte Alternative zum Studium. Ein Weiterbildungsabschluss, z.B. als Fachwirt, ist einem Bachelorstudium gegenüber gleichwertig – was die Einstufung beider Abschlüsse auf Niveau 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens ebenso verdeutlicht. Diese Gleichwertigkeit zu vermitteln und die Wertschätzung der dualen Ausbildung durch eine effektive Kommunikation weiter zu steigern, wird eine der größten Herausforderungen in den nächsten Jahren.

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