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Montag, 25. September 2017 20° 3

Umwelt

Es steht viel auf dem Spiel

Die Zerstörung der Tropenwälder ist eine ernste Gefahr für das weltweite Klima und muss ein Ende haben.
Von Susanne Winter

Susanne Winter ist Programmleiterin für den Waldbereich beim WWF Deutschland.

Als Brasiliens Präsident Temer vor wenigen Wochen ankündigte, das Schutzgebiet Renca für den Bergbau freizugeben, schlug diese Nachricht bei Umweltschützern ein wie eine Bombe. Nicht, dass man von Michel Temer positive Nachrichten erwartet hätte – der Regierungschef des größten südamerikanischen Landes machte nie ein Geheimnis aus seiner Abneigung für den Schutz des Regenwaldes. Doch mit einem solchen Coup hatte niemand gerechnet. Renca ist ein Naturparadies, das sich über 46 000 Quadratkilometer erstreckt und damit größer ist als Dänemark. Doch nun könnte das Gebiet der Gier nach Gold und Kupfer zum Opfer fallen.

Renca ist ein besonders bedrückendes, aber eben auch ein typisches Beispiel, wie wir weltweit mit den letzten unberührten Naturlandschaften umgehen. Jede Minute werden weltweit 20 Fußballfelder Wald zerstört, der Großteil davon in den Tropen. 1989 hat der WWF aus diesem Grund den „Tag der Tropenwälder“ ausgerufen, der mit dem Geburtstag des großen Naturforschers Alexander von Humboldt am 14. September zusammenfällt. Nirgends tummeln sich so viele Tier- und Pflanzenarten wie in den Tropen. Allein im Amazonas-Regenwald ist jede zehnte Art unseres Planeten zuhause. Unzählige Arten verlieren wir jedes Jahr, ohne dass wir je von ihrer Existenz erfahren hätten. Wenn wir die immense Abholzung nicht bald aufhalten wird der Großteil der Tropenwälder schon in wenigen Jahrzehnten verschwunden sein.

Dabei geht es beim Schutz der tropischen Regen- und Trockenwälder nicht allein um die Bewahrung einer biologischen Schatzkammer. Wälder versorgen uns mit sauberem Wasser, schützen uns vor Erosion und Fluten und stabilisieren unser Klima. Zwischen 15 und 20 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen gehen auf die Zerstörung der Wälder zurück – mehr als auf den gesamten Verkehrssektor inklusive aller Autos, Lastwagen, Flugzeuge und Schiffe. Die Tropen kann man sich als riesige CO2-Speicher vorstellen. Besonders eindrucksvoll zeigt das Beispiel Indonesien ihre Bedeutung: Während der großen Waldbrände in 2015 wurden hier in nur drei Monaten so viele Treibhausgase in die Luft geblasen, wie Deutschland in zwei Jahren ausstößt.

Meist erfolgt die Waldzerstörung in zwei Schritten: Zunächst werden die wertvollen Stämme seltener Holzarten eingeschlagen, dann wird die restliche Vegetation gerodet und verbrannt, um die Flächen freizumachen für Plantagen aus Ölpalmen oder Soja und schnellwachsenden Baumarten für die Papier- und Zellstoffindustrie. Palmöl findet sich in nahezu jedem zweiten unserer Supermarktprodukte, mit Soja aus Südamerika füttern wir unsere Schweine und unseren Holz- und Papierbedarf können wir nicht im Ansatz aus unseren eigenen Wäldern decken.

Um die Spirale der Zerstörung zu stoppen, müssen die Länder mit großen Waldbeständen aus Sicht des WWF für ihren Schutz entschädigt werden. Waldschutz kann so eine attraktive Alternative zur kurzfristigen Ausbeutung werden. Dabei geht es nicht um Almosen, sondern um eine Honorierung lebenswichtiger Dienstleistungen, die intakte Wälder für die gesamte Menschheit liefern. Tropenwaldschutz ist letztlich Menschenschutz. Setzen wir sie aufs Spiel, verlieren wir mehr als ein paar Prozente Wirtschaftswachstum.

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