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Bayern-Nachrichten
Mittwoch, 21. Februar 2018 5

Parteien

Aschermittwoch: Das planen die Parteien

Bei ihren Redeschlachten greifen Politiker eher zum Holzhammer als zum Florett. Das Publikum liebt dieses Ritual.
Von Christine Schröpf, MZ

Die CSU liefert sich jedes Jahr mit der SPD einen Wettstreit um den größten politischen Stammtisch. Foto: dpa/Archiv

Seehofer teilt sich mit Söder das Rampenlicht

Finanzminister Markus Söder (CSU, r.) marschiert dieses Jahr Seite an Seite mit Horst Seehofer ein. Foto: dpa

Bei der CSU wird sich zeigen, wie groß der Gleichklang zwischen Horst Seehofer und Markus Söder ist. Zuletzt hatten sie sorgsam darauf geachtet, sich räumlich wenig ins Gehege zu kommen. Am Aschermittwoch marschieren der noch amtierende Ministerpräsident und sein designierter Nachfolger nun Seite an Seite zum Defiliermarsch in die Dreiländer-Halle ein und müssen sich als Hauptredner die Bühne teilen. Wer bekommt den meisten Applaus? Wer setzt die treffendsten Seitenhiebe auf die politische Konkurrenz? All das wird an diesem Tag sorgsam verglichen werden. Söder kann dabei vom Reiz des Neuen profitieren, Seehofer wiederum davon, dass er als GroKo-Verhandler viel für die CSU herausgeholt hat.

Die CSU reklamiert jedes Jahr die Hoheit über den größten politischen Stammtisch für sich. Hausherr ist der niederbayerische CSU-Chef und CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, der vom Reiz des Aschermittwochs schwärmt: „Ganz Deutschland schaut auf unser Reden-Feuerwerk. Daher pilgern so viele Politikbegeisterte jedes Jahr nach Passau.“ Die Stimmung in der Dreiländerhalle mit „gefühlt 10 000 Besuchern“ werde wieder großartig sein.

Scholz und Kohnen werben für GroKo

Bald Bundesfinanzminister? Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz Foto: dpa

Einen bundespolitische Hochkaräter bietet die bayerische SPD im Festzelt in Vilshofen: Olaf Scholz, noch 1. Bürgermeister in Hamburg, beim Zustandekommen einer neuen großen Koalition in Berlin aber vielleicht schon im März Bundesfinanzminister. Sofern die SPD-Basis dem Koalitionsvertrag zustimmt. Die Stimmung an der Basis ist gespalten. Scholz wird die Chance nutzen, um für die GroKo zu werben. Die bayerische SPD-Chefin und Bundesvize Natascha Kohnen – zweite Hauptrednerin an diesem Tag – wird das Gleiche tun. Sie war in Berlin Teil des Verhandlungsteams und sprach in einer ersten Reaktion von positiver Resonanz. „Ich spüre, viele haben von uns nicht so viel erwartet, wie wir jetzt erreicht haben.“ Sie glaubt auch an gute Effekte im Landtagswahlkampf. Die CSU müsse sich nun bei SPD-Forderungen zu Wohnen und Familie bewegen.

Aiwanger zielt auf Nerven der CSU

Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger triezt gerne die CSU. Foto: dpa

Für Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger zählt der politische Aschermittwoch zu den Königsdiziplinen. „Er ist urwüchsig. Es geht darum, die Dinge unfrisiert zur Sprache zu bringen“, sagt er. Das Ziel: Beim Publikum den Nerv zu treffen. 2018 versucht Aiwanger das mit ungebremster Rebellion gegen die Straßenausbaubeiträge („Strabs“), obwohl der politische Gegner CSU in dieser Frage längst die weiße Fahne gehisst hat und die Gebühren für Hauseigentümer selbst abschaffen will. Doch Aiwanger traut dem Frieden nicht, solange nichts offiziell besiegelt ist. Er hat deshalb die nach seinen Angaben rund 160 Chefs der bayerischen Bürgerinitiativen gegen die „Strabs“ eingeladen. „Mindestens einen werde ich auf die Bühne bitten“, sagt er. Aiwanger rechnet beim Aschermittwoch mit vollem Haus. Rund 1000 Besucher passen in die Stadthalle Deggendorf. Auch Partei-Promi Alexander Hold wird da sein. Der TV-Richter tritt für die Freien Wähler bei der Landtagswahl an.

Grüne locken mit Shooting-Star

Neue Frontfigur der Grünen: Robert Habeck Foto: dpa

Premiere für den neuen Shooting-Star der Grünen: Der frisch gewählte Bundesvorsitzende Robert Habeck ist Hauptredner beim Politischen Aschermittwoch im Landshuter Bernlochner-Saal. Flankiert wird er bei seinem Auftritt von dem soeben per Urwahl nomierten bayerischen Spitzenduo für die Landtagswahl: Katharina Schulze und Ludwig Hartmann. Die Formation soll acht Monate vor dem Wahltermin für zusätzlichen Aufwind sorgen. Dabei stehen die bayerischen Grünen ohnehin gut da. In aktuellen Umfragen liegt die Partei bei 14 Prozent und damit 5,4 Prozent über dem Landtagswahlergebnis von 2013.

Landesvorsitzender Eike Hallitzky rechnet mit einem voll besetzten Saal. Die Grünen zeichneten sich dadurch aus, auch am Aschermittwoch auf blindes Draufhauen zu verzichten, sagt er. „Wer politische Inhalte will, der kommt zu uns. Wir wollen uns nicht an den massiven Fehlern von Söder und Dobrindt abarbeiten – oder an der Nicht-Politik der GroKo.“

Linke attackieren Groß-Koalitionäre

Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linken im Bundestag, kann der GroKo nichts abgewinnen. Foto: dpa

Bayern ist für die Linke traditionell ein eher schwieriges Pflaster. In der jüngsten Umfrage zur Landtagswahl im Herbst liegt die Partei bei nur drei Prozent. Am Aschermittwoch zeigt die Partei in Passau Flagge – und zwar im buchstäblichen Sinn: Die Anhänger werden auf das Schiff „Stadt Linz“ gebeten, das an der Fritz-Schäffer-Promenade ankert. Einer der Hauptredner ist an diesem Tag der Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Dietmar Bartsch. Er wird flankiert von Janine Wissler, stellvertretende Bundesvorsitzende und Fraktionschefin der Linken im Hessischen Landtag.

Pfeile werden vor allem die potenziellen Berliner Großkoalitionäre auf sich ziehen.

Bartsch hat schon im Vorfeld bekundet, wie wenig er von dem Bündnis hält. Union und SPD verbinde nur der „kleinste gemeinsame Nenner“. Es fehle ein Plan für eine gerechte Besteuerung und Umverteilung.

FDP bietet Fortsetzung der Lindner-Show

FDP-Bundeschef Christian Lindner hat erreicht, was er beim letzten Politischen Aschermittwoch erhoffte. Foto: dpa

Schon beim Aschermittwoch 2017 hatte sich die bayerische FDP ihren Bundeschef Christian Lindner als Hauptredner geholt. Ein Ziel von damals hat er erfüllt: Lindner hat im vergangenen Jahr seine Partei mit 10,7 Prozent zurück in den Bundestag gebracht – und danach beinahe in ein Jamaika-Bündnis mit Union und Grünen geführt, bevor er die Notbremse zog. Sein neuer Auftritt in Dingolfing verlangt nun einen gewissen politischen Spagat. Er muss erklären, warum das Nein zu Jamaika auch im Rückblick richtig war, obwohl er die aktuelle Weichenstellung für eine GroKo für miserabel hält.

Der politische Aschermittwoch ist wichtiger Termin im Landtagswahlkampf der bayerischen Liberalen. In einer neuen Umfrage liegt die Partei bei fünf Prozent. Zur Spitzenkandidatur läuft gerade ein Urwahlverfahren mit acht Bewerbern, darunter der frühere Landeschef Albert Duin.

AfD holt sich wieder Gast aus Österreich

AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen wird von einem Gast aus Österreich flankiert. Foto: dpa

Sonst ist die AfD auf Konfrontation zu Ritualen der von ihr oft geschmähten „Altparteien“. Für den Aschermittwoch gilt das nicht. Hauptredner in Osterhofen ist neben Bundessprecher Jörg Meuthen erneut ein Gast aus Österreich: der FPÖ-Generalsekretär und Europaabgeordnete Harald Vilimsky. Im Vorjahr war FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache da gewesen, der inzwischen Vizekanzler ist. Die AfD erwartet 800 Besucher. Die bayerische AfD-Vizevorsitzende Katrin Ebner-Steiner gab in einer Pressemitteilung vorab die Tonlage vor. „Unser Hauptgegner ist neben der Merkel-hörigen CSU die bröckelnde bayerische SPD.“

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