mz_logo

Bayern-Nachrichten
Samstag, 20. Januar 2018 10

Parteien

Grünen-Trio im Urwahl-Test

Auf ihrer Tour durch Bayern machten Schulze, Hartmann und Gehring in Regensburg Station. Das Briefwahlverfahren läuft.
Von Christine Schröpf, MZ

Gesucht: Zwei für Bayern. Im Wettbewerb: Drei für Bayern – Ludwig Hartmann, Katharina Schulze und Thomas Gehring (v.l.) Foto: altrofoto.de

Regensburg.Bayerischer Löwe und das Landeswappen spielen auch beim Urwahlforum der Grünen eine tragende Rolle – natürlich ein wenig anders als traditionell: Die Symbole des Freistaats prangen in Knallpink auf einer riesigen grünen Leinwand. Davor haben sich am Samstag in Regensburg die drei potenziellen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl postiert. Für die Grünen-Politiker Katharina Schulze, Ludwig Hartmann und Thomas Gehring ist es Station 6 ihrer Vorstellungstour durch die Regierungsbezirke.

Kommentar

Machtkampf a la Grüne

So geht die Kür von Spitzenkandidaten also auch: friedlich und ohne angespitzte Ellbogen. Das grüne Trio mit seinen unterschiedlichen Temperamenten hält...

Am Vormittag hatten sie sich noch in Niederbayern dem Frage-und-Antwort-Spiel der Basis gestellt. Am Nachmittag ist Stimmensammeln in der Oberpfalz angesagt. Vom Votum der bayernweit 9300 Mitglieder hängt ab, welches gemischtes Doppel den Frontfiguren der konkurrierenden Parteien Paroli bieten soll. Tina Winklmann, Kreisvorsitzende der Schwandorfer Grünen, fragt in Regensburg erst einmal die Oberpfalz-Expertise des Trios ab, das seine Wurzeln in Oberbayern und in Schwaben hat.

Frage-und-Antwort-Spiel am Samstag in Regensburg – moderiert vom Bundestagsabgeordneten Stefan Schmidt. Foto: altrofoto.de

Die Kandidaten liefern: Gehring weiß zu berichten, dass Regensburger und die Oberpfalz nicht gleichzusetzen sind. „Es sind zwei Welten, die ihre eigene Bedeutung haben und ihren eigenen Stolz.“ Schulze führt ihren Fraktionskollegen, den Regensburger Abgeordneten Jürgen Mistol, als Referenz an, von dem sie viel über die Region gelernt habe. Hartmann punktet mit Detailwissen, das er als treibende Kraft beim Volksbegehren gegen Flächenfraß gesammelt hat. In der Nordoberpfalz, genauer gesagt in Neustadt an der Waldnaab, werde in der Kategorie Flächenversiegelung pro Einwohner ein Negativrekord erreicht. Im Landesschnitt seien es 330 Quadratmeter pro Kopf, dort rund 871. Das habe damit zu tun, dass die Bevölkerungszahlen dort sinken, sagt Hartmann, aber auch mit großflächigen Gewerbeansiedlungen.

Schwarz-Grün als Option

Die Fragenpalette ist ansonsten bunt gemischt. Inhaltlich tut sich zwischen den Kandidaten nicht wirklich ein Dissens auf. Für eine Koalition mit der CSU nach der Landtagswahl sind alle drei offen – aber nur, wenn sich einem gemeinsamen Regierungsprogramm ein starker grüner Stempel aufdrücken ließe. Es würde sich um eine reine Arbeitsbeziehung handeln, allein auf Pragmatismus gegründet. Gefühle und Sympathie hätten dabei keinen Stellenwert, sagt Gehring. „Es hat ja nichts mit Ehe oder Sex zu tun.“ Schulze schießt bei der Gelegenheit einen Pfeil in Richtung FDP, die im Bund Jamaika platzen ließ. Parteichef Christian Lindner tituliert sie deshalb als „Slim-Fit-Poster-Boy“, der feige vor der Verantwortung davon gelaufen sei.

„Ich will einmal erleben, dass die Mehrheit für unsere Anträgen und Gesetzentwürfe stimmt.“

Thomas Gehring

Die rund 50 Zuhörer haken am Samstag auch in Sachen Verkehrspolitik nach. Hartmann, Schulze und Gehring setzen auf einen starken ÖPNV in der Stadt und im ländlichen Raum, sie machen sich zudem für einen Ausbau des Radwegenetzes stark. Schulze regt an, bei Planungen Kreativität zu entfalten. Warum nicht einige Radstrecken zum Schutz vor der Witterung überdachen, „dort, wo es Sinn macht“, sagt sie. Bei der Energiewende will sie die „unselige 10-H-Regelung“ kippen, die beim Bau von Windrädern einen großen Abstand zur Wohnbebauung diktiert. In der Bildungspolitik plädiert das Trio für Chancengerechtigkeit. Einen Hebel sieht man in längerem gemeinsamen Lernen an den Schulen. Der Übertritt ins Gymnasium soll nicht schon nach dem vierten Schuljahr erfolgen.

„Alle drei sind gut. Ein Super-Team. Die Entscheidung wird schwer.“

Christine Garibasch aus Neumarkt

Die bayerischen Grünen betreten mit der Urwahl Neuland. Spitzenduos wurden bisher so nur 2012 und 2016 im Bund, aber noch nicht auf Landesebene bestimmt. In der Oberpfalz sind die 583 Mitglieder aufgerufen, ihr Votum abzugeben. In Niederbayern zählt die Partei 562 Mitglieder. Die Wahlunterlagen sind bereits verschickt, am 2. Februar ist Einsendeschluss, voraussichtlich am 6.  Februar soll das Auszählverfahren abgeschlossen sein. Die bayerische Grünen-Vorsitzende Sigi Hagl hofft auf eine Beteiligung von mindestens 50 Prozent der Mitglieder. „Gerne auch über 60 Prozent“, sagt sie.

Schulze ist quasi gesetzt

Katharina Schulze, Grünen-Fraktionschefin im Landtag, bekannt durch ihren Kampf gegen eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen, ist als einzige weibliche Kandidatin quasi gesetzt. Der eigentliche Wettbewerb vollzieht sich zwischen Co-Fraktionschef Hartmann und dem Parlamentarischen Geschäftsführer Gehring. Der eine Oberbayer, der andere Schwabe. Der eine 39, der andere 59 Jahre alt. Der eine versiert in Energiepolitik, der andere in Bildungspolitik. Wen würde Schulze als Partner bevorzugen? Die 32-Jährige legt sich nicht fest. „Beide Männer sind ganz tolle Grünen-Politiker. Die Basis entscheidet.“ Die Basis tut sich allerdings ähnlich hart. „Alle drei sind gut. Ein Super-Team. Die Entscheidung wird schwer“, sagt Christine Garibasch aus Neumarkt.

Im aktuellen Bayerntrend des BR zur Landtagswahl liegen die Grünen nur noch zwei Prozent hinter der SPD:

Die Grünen sind als Themenpartei groß geworden. Spitzen-Duos bekommen dennoch wachsende Bedeutung, sagt der Regensburger Stadtvorsitzende Stefan Christoph. „Themen brauchen immer glaubwürdige Köpfe.“ Der Oberpfälzer Bezirkschef und Bundestagsabgeordnete Stefan Schmidt freut sich im Landtagswahlkampf schon auf die Auseinandersetzung der Grünen mit CSU-Spitzenkandidat Markus Söder. „Er hat sich bei vielen Dingen klar positioniert. Das bietet mehr Angriffsfläche.“

Im Landtagswahlkampf nehmen die Grünen die CSU und die SPD ins Visier. Bei der Winterklausur in Bayreuth wurden Weichen gestellt. Details dazu lesen Sie hier!

Die Winterklausur der CSU-Bundestagsabgeordneten hatten die Grünen kürzlich mit einer Protestaktion begleitet. Anlass war die Einladung der CSU an den umstrittenen ungarischen Regierungschef Viktor Orban. Details dazu lesen Sie hier!

Weitere Nachrichten aus der bayerischen Landespolitik lesen Sie hier!

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht