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Politik
Samstag, 1. August 2015 30° 3

Kirche

Bischöfe billigen „Pille danach“

Die katholischen Bischöfe erlauben im Falle einer Vergewaltigung den Einsatz von bestimmten Formen der „Pille danach“. In katholischen Krankenhäusern erhielten vergewaltigte Frauen „selbstverständlich menschliche, medizinische, psychologische und seelsorgliche Hilfe“, erklärten die Bischöfe am Donnerstag zum Abschluss ihrer Frühjahrsvollversammlung. Dazu könne auch die Verabreichung einer „Pille danach“ gehören, „insofern sie eine verhütende und nicht eine abtreibende Wirkung hat“. Verboten blieben Methoden und Präparate, „die den Tod eines Embryos bewirken“.

Damit schlossen sich die Bischöfe weitgehend der Linie des Kölner Kardinals Joachim Meisner an, präzisierten aber Stellungnahmen des Kölner Erzbistums, in denen zunächst die Tötungsabsicht bei der Einnahme der „Pille danach“ zum moralischen Ausschlusskriterium gemacht worden war. Zugleich kündigten die Bischöfe an, die „weiteren Zusammenhänge der Fragestellung - auch im Kontakt mit den in Rom Zuständigen - vertieft zu ergründen und notwendige Differenzierungen vorzunehmen“. Das Thema war erst kurzfristig auf die Tagesordnung des Treffens gesetzt worden.

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer wird sich zu dem Beschluss nicht äußern. Nach Auskunft der Pressestelle des Bistums obliegt dies allein Bischof Zollitsch, dem Vorsitzendem der Bischofskonferenz

Keine Nachfolge für Pfeiffer

Noch kein Ergebnis gab es bei der Frage, wer anstelle des Kriminologen Christian Pfeiffer die kirchliche Missbrauchsstudie fortführen soll. Bis April wolle man aber einen neuen Partner finden, hieß es. Anfang Januar hatte die Bischofskonferenz sich von Pfeiffer getrennt und dies mit einem zerrütteten Vertrauensverhältnis begründet. Um einen neuerlichen Eklat zu vermeiden und die weitere Aufarbeitung voranzubringen, soll nun ein Beraterkreis eingerichtet werden.

Kritik übte Zollitsch an den schleppenden Verhandlungen für die Einrichtung eines staatlichen Entschädigungsfonds für Missbrauchsopfer. Nach wie vor ist die Finanzierung des Fonds nicht gesichert. An den Kosten in Höhe von 100 Millionen Euro sollten sich Bund und Länder zu gleichen Teilen beteiligen.

Mit Blick auf die Rolle der Frauen in der Kirche verpflichteten sich die Bischöfe, den Anteil von Frauen in Leitungspositionen weiter zu erhöhen. Die Entwicklungen in diesem Bereich sollen in fünf Jahren kontrolliert werden. In diesem Zusammenhang denken die Bischöfe auch über eine spezielle Weihe von Frauen nach. „Wir wollen prüfen, welche neuen Dienste und Ämter außerhalb des Weiheamtes entwickelt werden können“, heißt es dazu in der Erklärung. Zuvor hatte Kurienkardinal Walter Kasper als Gastreferent die Entwicklung eines Diakonats ins Spiel gebracht, das allerdings nicht auf einer Stufe der Weihe von männlichen Diakonen und Priestern steht.

„Wie ein roter Faden durchzog die Frage nach der Zukunft der Kirche unsere Beratungen, die diesmal von einem besonderen Ernst geprägt waren“, sagte Zollitsch. Eine wichtige Rolle habe auch der Rücktritt des Papstes gespielt. Der Konferenz-Vorsitzende kündigte an, am Mittwoch mit sechs weiteren deutschen Bischöfen zur letzten Audienz von Benedikt XVI. zu reisen. Am darauffolgenden Tag ist ein großer Dankgottesdienst in Berlin geplant.

Glück begrüßt Beschlüsse zur Rolle der Frau in der Kirche

Der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, begrüßte die Beschlüsse der Bischöfe zur Rolle der Frau als „wichtigen Schritt“ für den innerkirchlichen Dialogprozess. Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zeigte sich zufrieden, dass die Bischöfe im Falle einer Vergewaltigung den Einsatz von bestimmten Formen „Pille danach“ gutheißen. Kritik kam von der Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“. Sie könne „auch bei diesem Bischofstreffen noch keine wirklich neuen Schritte erkennen, die geeignet erscheinen, aus der tiefen Kirchenleitungskrise herauszuführen“. (kna/ig)

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