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Bundestagswahl 2017
Montag, 22. Januar 2018 5

Wahl

Nicole Bauer unterwegs nach Berlin

Zwei Kandidaten kommen in den Bundestag – die Gefühlslage von Florian Oßner und seiner FDP-Kollegin ist unterschiedlich.
Von Benjamin Neumaier

  • Nicole Bauer zieht über die Bayernliste für die FDP in den Bundestag ein. Fotos: Bauer/Oßner
  • Florian Oßner Foto: Hutzler

Kelheim.Am frühen Montagmorgen hatte Nicole Bauer Gewissheit: Sie ist Mitglied des Bundestags, hat es über die Bayern-Liste der FDP ins deutsche Parlament geschafft. „Es ist ein Traum, der wahr wird“, sagte die 30-Jährige Vilsbiburgerin, für die mit dieser Benachrichtigung ein Wettlauf gegen die Zeit begann. „Ich habe am frühen Morgen die Nachricht bekommen, dass ich es geschafft habe, hatte aber gar nicht richtig Zeit, mich zu freuen, weil ich dann eigentlich um 11 Uhr in Berlin sein sollte. Das war aber nicht möglich. Ich habe mich dennoch gleich ins Auto gesetzt und bin losgefahren.“ Um kurz vor 13 Uhr kam sie schließlich vor dem Kanzleramt an, „gerade rechtzeitig für die konstituierende Sitzung“, sagte sie. Es ist ein riesiger Stress, aber ich bin immer noch komplett voller Freude, dass ich das erleben darf. Ich darf Deutschland mitgestalten – es kommen große Dinge auf mich zu.“

Ernüchterung im Gepäck

Ähnlich groß dürfte vor vier Jahren die Freude bei Florian Oßner gewesen sein, der damals mit gut 58 Prozent der Erststimmen im Gepäck seine Reise Richtung Berlin antrat. Diesmal war einiges an Ernüchterung sein Reisebegleiter. Knappe 20 Prozent verlor Oßner im Landkreis Landshut, knappe 15 Prozent der Stimmen büßte er im Landkreis Kelheim ein. Nur sieben von 45 anderen Kandidaten holten weniger als Oßners 39,6 Prozent. „Klar bin ich niedergeschlagen. Vor allem, weil ich nicht nur im Wahlkampf, sondern auch sonst sehr präsent in der Region war. Ich dachte, ich wäre nah dran an den Menschen, ich habe es aber wohl nicht so rübergebracht.“ Er sehe das Wahlergebnis als „Botschaft der Wähler, die uns mehr als einen Denkzettel verpassen wollten. Das müssen wir ernst nehmen – einfach so weitermachen, das geht nicht“.

Der Kelheimer Landrat und CSU-Bezirksvorsitzende Martin Neumeyer geht in seiner Analyse sogar noch einen Schritt weiter. „Realitätsferne“ bescheinigt er der Politik und, „dass man sich in weiten Teilen verweigert, den Menschen zuzuhören. Es reicht nicht, mit Floskeln anzukündigen, die Bürger und ihre Sorgen ernst zu nehmen, man muss es auch tun.“ Es sei ein Unding, „einerseits die Kanzlerin und ihre Politik in Frage zu stellen und dann Frau Merkel wieder zu umgarnen. Das merkt der Wähler.“ Dabei liegt Neumeyer „nicht nur die Zukunft meiner Partei am Herzen, sondern auch das Erstarken der AfD.

Problem der Kommunalpolitik

Das sieht er auch als künftiges Problem der Kommunalpolitik. „Sie werden versuchen, sich eine Basis zu schaffen, auch kommunal mehr zu agieren“, sagt Neumeyer und spricht damit Neustadts Bürgermeister Thomas Reimer aus der Seele: „Bisher haben sie sich im Landkreis Kelheim zurückgehalten, aber das wird wohl kommen. Die Wahlergebnisse werden sie ermuntern.“ In der Tat erreichte AfD-Kandidat Günter Straßberger oftmals weit mehr Stimmen als etwa Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger, Petra Seifert von den Grünen oder SPD-Kandidatin Anja König. In Elsendorf etwa ist die AfD sowohl in Erst- als auch Zweitstimme knapp doppelt so stark wie die Sozialdemokraten, holt in Aiglsbach 18,9 Prozent und in Reimers Neustadt 17,4 Prozent der Zweitstimmen. Nur in fünf der 24 Kommunen war die SPD stärker, als die AfD, die insgesamt mit 14,3 Prozent zweitstärkste Kraft im Landkreis Kelheim ist. Die SPD lag mit 13,1 Prozent im Landkreis sogar noch weit unter dem Bundesergebnis.

Für Reimer „teils beängstigend, erklären kann ich es aber nicht. Es ist aber auch unsere Aufgabe als Kommunalpolitiker, das wieder zu ändern“. Auch Martin Neumeyer bezieht Stellung: „Ich habe dieses Ergebnis befürchtet, das man nicht beschwichtigen kann. Es ist nun nicht damit getan, viele AfD-Wähler nur als Protestwähler zu sehen, nein, jede Stimme, die bei einer Wahl abgegeben wird, ist eine Stimme, die zählt. Die Frage muss vielmehr sein, warum ist diese Stimme nicht wo anders gelandet. Es ist für alle Parteien bitter nötig selbstkritisch zu analysieren, jeden Stein umzudrehen, um herauszufinden, was man falsch gemacht hat. Sich zum Wahlsieger oder zum Oppositionsführer zu erklären, das bringt niemand weiter – und Wähler der AfD zu beleidigen, schon gar nicht. Wir dürfen nicht mit den Menschen spielen, sondern müssen nah an ihnen dran sein – nicht nur zum Schein.“

Ergebnisse der Bundestagswahl

Kot im Wahlumschlag

  • Fäkalien:

    In Kelheim machte ein Wähler sein großes Geschäft in den Wahlumschlag. für die Wahlhelfer eine „ekelerregende Situation“, sagt Wahlleiterin Gabi Böhm, die den Vorfall aber nicht weiter verfolgen will und es mit schwarzem Humor nimmt: „Das ist eben freie Meinungsäußerung.

  • Rechts:

    „In Bad Abbach erweiterte ein Wähler die Liste um die „NSDAP“ und den Direktkandidaten „Adolf Hitler“. Ansonsten blieb es in den meisten Wahllokalen bei Kritzeleien und ganz seltenen Beleidigungen.

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