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Samstag, 25. November 2017 13° 3

Infrastruktur

Grünes Signal für den Zug nach Prag

Die Strecke wird laut Dobrindt in den vorrangigen Bedarf hochgestuft. Ab Dezember fahren die Züge im Zwei-Stunden-Takt.
Von Christine Schröpf, MZ

Schieben beim Ausbau der Zugstrecke München-Prag an: (v.l.) Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, der tschechische Verkehrsminister Dan Tok und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) Foto: dpa

Furth im Wald.Eine erste, rasche Verbesserung beim Zugverkehr zwischen München und Prag hatte Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) beim „1. Bayerisch-Tschechischen Bahngipfel“ im Gepäck: Die Zahl der täglichen Direktverbindungen auf der Strecke München-Regensburg-Prag wird mit dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember von vier auf sieben aufgestockt werden, sagte er am Mittwoch in Furth im Wald. Das bedeutet tagsüber einen Zwei-Stunden-Takt. Beim großen Ziel – der Verkürzung der Fahrzeit von 6 Stunden auf 4 Stunden und 15 Minuten – gab es von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt das lange erhoffte Signal. Der Ausbau der Strecke werde nach neuer Bewertung seines Hauses im Bundesverkehrswegeplan jetzt in den vordringlichen Bedarf hochgestuft, versprach er. „Das heißt auch, das die Finanzierung gesichert ist.“ Einen Zeithorizont bis zur Vollendung der Trasse nannte er allerdings auch auf Nachfrage unseres Medienhauses nicht. Das übernahm der Oberpfälzer Bezirkstagspräsident und Chamer Landrat Franz Löffler. Spätestens 2030 soll alles fertig sein, sagte er. Dann läuft der aktuelle Bundesverkehrswegeplan aus.

Kosten: 2 bis 2,5 Milliarden Euro

Beim Bahngipfel wurde das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie vorgelegt, die Bayern und Tschechien für das Projekt in Auftrag gegeben hatten. Von zunächst elf Varianten waren dabei drei Ausbaumöglichkeiten übrig geblieben. Das Investitionsvolumen auf bayerischer und tschechischer Seite liegt dabei je nach Version zwischen 2 und 2,5 Milliarden Euro. Herrmann und der tschechische Verkehrsminister Dan Tok erhoffen sich vom Bund, dass das Projekt „München-Prag“ möglichst rasch Fahrt aufnimmt. Nachdem im Dezember mit dem Lückenschluss der ICE-Strecke zwischen Bayern und Thüringen das letzte große Verkehrsprojekt zur Deutschen Einheit vollendet sei, müssten endlich die beiden Eisenbahnstrecken via München bzw. Nürnberg nach Prag angepackt werden, sagte Herrmann. Die Routen sollen im Personenverkehr mit Fernbusunternehmen konkurrenzfähig werden, im Schienengüterverkehr mit dem LKW-Transport gleichziehen.

Furth im Wald knapp vor der tschechischen Grenze war Schauplatz des Bayerisch-Tschechischen Bahngipfels. Auf dem Bahnhof der Stadt sollen die Zügen tagüber ab Dezember im Zwei-Stunden-Takt eintreffen. Foto: Schröpf

Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland werde immer intensiver, sagte der tschechische Verkehrsminister. „Der gegenseitige Handel kann sich nicht ohne gute Bahnverbindungen weiterentwickeln.“ Auch Bezirkstagspräsident Löffler unterstrich die Bedeutung. Die Region sei zur Verkehrsdrehscheibe zwischen Bayern und Tschechien geworden, mit hohem Warenaustausch, starken Pendlerströmen und einer deutlichen Zunahme des Schwerlastverkehrs.

EU-Fördermittel im Blick

Die Investitionskosten für den Ausbau der Strecke München-Prag verteilen sich – grob gerechnet – zu etwa zwei Drittel auf die deutsche und zu einem Drittel auf die tschechische Seite. Finanzielle Unterstützung erhofft man sich von der Europäischen Union. Der SPD-Europaabgeordnete Ismail Ertug empfahl in diesem Zusammenhang am Mittwoch dringend, das Projekt sofort in Brüssel anzumelden. „90 Prozent der Fördermittel bis 2020 sind schon ausgeschöpft“, sagte er.

Bei einem Termin am Abend in der Nordoberpfalz sicherte Bundesverkehrsminister Dobrindt zu, dass bei der Elektrifizierung der Bahnstrecke Regensburg-Hof Lärmschutz für die Anwohner verpflichtend wird. Details lesen Sie hier!

Alle drei Ausbauvarianten sehen auf bayerischer Seite die Elektrifizierung der Bahnstrecke bis zur Grenze vor. Der Abschnitt ab Schwandorf soll zudem streckenweise zweigleisig ausgebaut werden – das ist auch für den Güterverkehr wichtig, bei dem mit einer Zunahme gerechnet wird. Ebenso hat es aber für einen pünktlichen Personenverkehr große Bedeutung – entgegenkommende Züge werden bisher immer auf Warteposition gezwungen.

Drei Varianten

  • Aus elf mach drei

    Eine neue Machbarkeitsstudie hat die Zahl der Ausbauvarianten dezimiert. Weiter im Rennen:

  • Variante 3b:

    Expresszüge verkehren auf dem Weg von München nach Prag weiter über Schwandorf. Bei Maxhütte ist eine Umfahrung geplant. Kosten: 2,5 Milliarden Euro, davon 826 Millionen Euro in Tschechien.

  • Variante 3c.1 bzw 3c.2:

    Expresszüge fahren über eine neue Gleiskurve an Schwandorf vorbei. Kosten: je rund 2,3 Milliarden Euro, davon 670 Millionen Euro auf tschechischer Seite.

  • Variante 5b

    Sie bringt Neigetechnik und einen Stopp in Schwandorf. Kosten: 2 Milliarden Euro, davon 673 Millionen in Tschechien.

Den eklatantesten Unterschied aus Oberpfälzer Sicht gibt es bei der so genannten Version „3c.1/3c.2“. Expresszüge würden danach nicht mehr auf der üblichen Route Regensburg-Schwandorf-Furth verkehren, sondern über eine neu gebaute Schwandorfer Kurve. Passagiere aus Schwandorf oder Amberg müssten mit einem Anschlusszug Cham ansteuern und dort in den Zug nach Prag steigen. Die sogenannte Variante „3b“ mit Expresszügen setzt weitgehend auf die bestehende Strecke, abgesehen von einer neuen Umfahrung bei Maxhütte (Lkr. Schwandorf), die Variante „5b“ nutzt die vorhandene Route komplett. Zum Einsatz kommen hier Neigetechnikzüge. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Karl Holmeier machte bei der Vorstellung des Berichts klar, wo seine Präferenz liegt. „Variante 5 – sie ist die schnellste und günstigste.“ Nicht in Frage komme ein Trasse, die an Schwandorf vorbeikurvt. „Der Halt ist zwingend erforderlich.“ Auch der Freie-Wähler-Landtagsabgeordnete Joachim Hanisch legte sofort ein Veto ein. „Der Verkehrsknotenpunkt Schwandorf würde gänzlich abgeschnitten. Das müssen wir verhindern.“

„Wir wollen beide Verbindungen: Schwandorf-Furth und Marktredwitz-Cheb.“

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann

Nach der Hochstufung des Projekts in den vordringlichen Bedarf will Bayern nun bei der Ausbauplanung in Vorleistung gehen. Herrmann unterzeichnete dazu noch am Mittwoch mit dem bayerischen Bahn-Chef Klaus-Dieter Josel eine Absichtserklärung. „Auch wenn wir nicht für die Planungsfinanzierung zuständig sind, machen wir das freiwillig, um das Projekt zu beschleunigen“, so Herrmann.

Der tschechische Verkehrsminister Dan Tok (l.) und der bayerische Innenminister Joachim Herrmann unterzeichneten in Furth im Wald auch eine Selbstverpflichtung zum Ausbau des Schienenverkehrs bis 2030 Foto: dpa

Eine andere geplante Trasse zwischen Bayern und Tschechien – sie führt über Nürnberg und Marktredwitz nach Prag – ist in Planungsdingen übrigens bereits deutlich weiter. Die Elektrifizierung war im Bundesverkehrswegeplan bereits früher als vordringlich eingestuft worden. Die Vorentwurfsplanungen laufen. Das nährte in der Oberpfalz Sorgen, die Trasse München-Prag könnte ins Hintertreffen geraten. Hermann bekräftigte aber, dass es für ihn in dieser Frage kein Entweder-Oder gebe. „Wir wollen beide Verbindungen: Schwandorf-Furth und Marktredwitz-Cheb.“ Es sei auch keine Option, erst die eine Trasse und dann die andere zu realisieren. „Denn dann wird die ,Andere‘ vielleicht erst in 15 bis 20 Jahren fertig.“

Die Reaktionen auf den Bahngipfel fielen am Mittwoch überwiegend positiv aus. Der Oberpfälzer Regierungspräsident Axel Bartelt sprach von einem „guten Tag für die Oberpfalz“. Er hätte sich das Signal schon früher gewünscht. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz und Kelheim, fühlte sich in jahrelangen Anstrengungen bestätigt. „Das ist heute das Ergebnis eines politischen Beratungsprozesses, den wir als IHK in Prag, Berlin, München und Brüssel seit Jahren vorantreiben. Da hat die Region an einem Strang gezogen.“ Vom Bahngipfel in Furth gehe die Botschaft aus: „Wir wollen, dass Europa zusammenkommt und wir wollen das auch finanzieren.“ Wichtig sei auch der Zwei-Stunden-Takt auf der Strecke ab Dezember. Es sei im Personenverkehr, aber auch im Güterverkehr entscheidend, dass der Zug nicht nur ab und zu verkehrt. „Nur dann bringen die Unternehmen die Waren auch wirklich auf die Schiene.“ Auch der Further Bürgermeister Sandro Bauer (CSU) zeigte sich am Mittwoch erleichtert. „Endlich ein klares Signal.“ In Deutschland und Tschechien gebe es nun Planungssicherheit. Eine beschleunigte Zugverbindung macht Prag und München für die Bürger seiner Stadt schnell erreichbar – die Further hätten damit automatisch auch guten Anschluss an die dortigen Flughäfen.

Mistol sieht Wahlkampfmanöver

Der Grünen-Politiker Jürgen Mistol diagnostiziert eine Wahlkampfmanöver. Foto: Schröpf

Der Regensburger Grünen-Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol witterte dagegen ein nur allzu leicht durchschaubares Manöver der beiden CSU-Minister Dobrindt und Herrmann. „Es ist Wahlkampf und im Wahlkampf gibt man gerne positive Signale.“ Es sei überfällig gewesen, dass die Strecke in den vordringlichen Bedarf aufgerückt ist. „Das ist überhaupt erst die Voraussetzung, dass jetzt etwas weiter geht.“ Der geplante neue Zwei-Stunden-Takt zwischen Prag und München zum Fahrbahnwechsel im Winter sei bereits vor einem Jahr das erste Mal verkündet worden.

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