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Politik Oberpfalz
Samstag, 20. Januar 2018 10

Soziales

Immer mehr Rentner geraten in Bedrängnis

In Ostbayern steigt die Zahl der Menschen, deren Rente nicht ausreicht. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen.
Von Bernhard Fleischmann

Viele Rentner müssen mit ihrem Geld ganz genau rechnen. Foto: Foto: Stephanie Pilick/dpa

Regensburg.Kurz vor Weihnachten lenkt die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) den Blick auf Rentner in Not: Binnen zehn Jahren sei die Zahl der Menschen, die in Regensburg neben ihrer Rente auf Grundsicherung angewiesen sind, um 71 Prozent gestiegen. Ende vergangenen Jahres, das ist der jüngste verfügbare Stand, waren es 2162 Menschen, die in der Stadt auf diese Kombination angewiesen waren. Darauf weist der Geschäftsführer der NGG in der Oberpfalz, Rainer Reißfelder, hin.

Ein „Weckruf“

Für ihn sind diese Daten ein klares Indiz dafür, dass Altersarmut auf dem Vormarsch ist. Deshalb sieht er darin einen „Weckruf“ und fordert einen Kurswechsel in der Rentenpolitik.

Die 71 Prozent Plus sind etwas überhöht, entgegnet das Bayerische Sozialministerium auf Anfrage unseres Medienhauses. Denn 2007 sei die Statistik verändert worden. Seither habe man den Personenkreis erweitert, der mitgezählt wird. Doch auch ohne diesen Effekt werden die Rentner, die zusätzlich auf Grundsicherung angewiesen sind, spürbar mehr.

Oberpfalz: 10 200 Betroffene

Weitere Blicke in die Statistik scheinen der NGG recht zu geben. Das ergab eine Nachfrage beim Statistischen Landesamt in Bayern. Demnach lag die Zahl der Rentner mit zusätzlicher Grundsicherung im Jahr 2010 noch bei lediglich 1452 Personen in Regensburg. Gleiches vermeldet der Sozialverband VdK Bayern. Beim Blick auf die gesamte Oberpfalz ergibt sich eine ähnliche Entwicklung: 10 200 Betroffene waren es Ende 2016. Sechs Jahre zuvor weist das Landesamt laut mündlicher Auskunft nur 5210 Personen aus. Die VdK-Zahl hingegen liegt bei 7788. Die Gesamtzahl der Rentner in der Oberpfalz lag Ende 2016 bei 294 200 Menschen.

NGG-Chef Reißfelder spricht mit Blick auf die genannten Zahlen von „Alters-Hartz-IV“ und fordert eine sozialere Rentenpolitik. Allerdings sind in seinen Zahlen nicht nur Altersrentner enthalten, sondern auch jene Menschen, die wegen einer Erwerbsminderung eine Rente plus Grundsicherung beziehen. Rund die Hälfte der Rentner mit zusätzlichen Hartz-IV-Leistungen sind Menschen mit Erwerbsminderung, die nicht die Altersgrenze erreicht haben. Insofern ist die Verengung auf „Alters-Hartz-IV“ gewagt.

Die Armutsfalle

Die Gefahr, im Alter in der Armutsfalle zu landen, sehen die NGG und der VdK indes gleichermaßen. Dem VdK zufolge lag die sogenannte Armutsgefährdungsquote in der Oberpfalz 2016 bei 16,1 Prozent und damit leicht über dem bayerischen Durchschnitt von 14,9 Prozent. Diese Quote drückt grob gesagt aus, wie viele Bürger mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen müssen. Bei den über 65-Jährigen schnellt diese Quote auf 21 bis 25 Prozent hoch.

Zahlen zur Rente

  • Die Gesamtzahl der Rentner

    Sie betrug in der Oberpfalz Ende 2016 genau 294 203 Personen. Darunter befanden sich 23 464 Menschen, die Rente wegen einer Erwerbsminderung erhielten. Frauen und Männer sind hier in fast gleicher Zahl vertreten.

  • Der bundesweite Vergleich

    Hier steht Bayern relativ gut da, was Rentner in Not betrifft. Laut Sozialministerium beziehen 2,8 Prozent der Altersrentner Grundsicherung. Damit liege man an dritter Stelle bei den Ländern. Die Quote im Bund liege bei 3,4 Prozent.

Für diese Entwicklung sieht das Sozialministerium in Bayern eine ganze Reihe von Gründen. Eine Sprecherin wies darauf hin, dass Faktoren zu höheren Zahlen führen, die mit sozial relevanten Entwicklungen nichts zu tun haben. Dazu gehöre etwa, dass die Einwohnerzahl zugenommen hat. Auch steige der Altersdurchschnitt der Bevölkerung.

Die Mieten sind ein Problem

Dennoch sei unbestreitbar, dass der Bedarf älterer Menschen an Grundsicherung steigt. Einen wesentlichen Grund dafür sieht die Sprecherin etwa in den stark steigenden Mieten in den bayerischen Städten. Mit dieser Entwicklung hielten die Einkommen nicht Schritt, besonders nicht bei Menschen mit niedrigen Einkünften.

Der VdK erwartet, dass immer mehr Rentner von Altersarmut betroffen sein werden, auch in Bayern. Die Präsidentin des VdK Deutschland, Ulrike Mascher, führt dies auf die Rentenpolitik mit absinkendem Rentenniveau, den Rentenabschlägen und der teilweisen Entkoppelung von Lohn- und Rentenentwicklung zurück. Frauen gerieten weit häufiger in Not als Männer, weil sie weniger Rentenansprüche erworben haben. Allerdings mache sich der „Rentensinkflug“ zunehmend auch bei Männern bemerkbar, kritisiert Mascher.

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