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Politik
Donnerstag, 14. Dezember 2017 4

Fukushima-Unglück

Schnelle Reaktion reduzierte Krebsgefahr

Das Atomunglück in Fukushima hat Leben zerstört. Die Strahlung hat aber laut UN kaum Einfluss auf die Gesundheit – mit Ausnahme von 1000 Kindern.

Die Atomruine Fukushima: Die Experten betonen, die Strahlendosis habe nur ein Bruchteil der des Reaktorunglücks von Tschernobyl 1986 betragen. Foto: dpa

Wien.Der Atomunfall von Fukushima in Japan hat nach UN-Einschätzung das Krebsrisiko für die Bevölkerung nicht erhöht. Zu diesem Ergebnis kommt das Komitee der Vereinten Nationen für die Folgen von Strahlung (UNSCEAR) in seinem am Mittwoch veröffentlichten 300-seitigen Abschlussbericht. Entscheidend sei die schnelle Evakuierung der Region rund um das havarierte Atomkraftwerk gewesen. „Ohne die Maßnahme wäre die Dosis für die Bevölkerung zehnfach höher gewesen“, sagte der Vorsitzende des Komitees, Wolfgang Weiss, in Wien. 80 Experten aus 18 Ländern hatten das Risiko für Schilddrüsenkrebs, Brustkrebs, Leukämie und Geburtsmissbildungen untersucht.

„Die Menschen sind zu Recht beunruhigt über mögliche Gesundheitsfolgen für sich und ihre Kinder“, sagte UNSCEAR-Chef Carl-Magnus Larsson. Die Daten und Einschätzungen ließen jedoch keinen signifikanten Anstieg der Krebsrate erwarten. Ausnahme sei eine Gruppe von Kindern, die größerer Strahlung ausgesetzt gewesen sei. Unter diesen etwa 1000 Kindern sei die Gefahr von Schilddrüsenkrebs in Einzelfällen „theoretisch“ erhöht. Auch 13 Arbeiter, die eine sehr hohe Strahlung abbekommen hätten, stehen nach Angaben von Weiss unter enger Beobachtung.

Jenseits der statistisch erkennbaren Entwicklung sei in Einzelfällen eine Krebsgefahr nicht auszuschließen, hieß es. „Wir haben nie gesagt, es besteht ein Null Risiko“, sagte Weiss. Bei der Katastrophe im März 2011 war nach einem Tsunami das Atomkraftwerk Fukushima außer Kontrolle geraten.

Schilddrüsen wurden untersucht

Bis Sommer 2013 sind nach Angaben des Berichts die Schilddrüsen von 175 000 Kinder aus der Region um Fukushima untersucht worden. Zwar seien in 40 Prozent der Fälle Zysten entdeckt worden. Angesichts einer gleich hohen Rate von Veränderungen bei Kindern, die ganz woanders leben, sei das Ergebnis nicht alarmierend. „Dies ist die Folge eines intensiven Screenings mit hochempfindlichem Gerät, nicht die Folge zusätzlicher Strahlung durch den Unfall“, so der Bericht. Japan plant, in den nächsten 30 Jahren die rund zwei Millionen Menschen aus der Region besonders medizinisch zu überwachen.

Die Experten betonten erneut, die Strahlendosis habe nur ein Bruchteil der des Reaktorunglücks von Tschernobyl 1986 betragen. Darüber hinaus habe ein Verbot des Verkaufs bestimmter Lebensmittel wenige Tage nach dem Unglück dazu beigetragen, die Strahlenbelastung zu minimieren, heißt es in dem Report. Im Unterschied dazu waren viele Krebsfälle nach Tschernobyl auf den Verzehr strahlenbelasteter Lebensmittel wie Milch zurückzuführen.

Nach Einschätzung der Wissenschaftler leiden die Menschen in Japan psychisch und sozial etwa unter der Evakuierung oder einer Stigmatisierung. Der Einfluss des Unglücks auf die Gesundheit beschränke sich nicht auf Strahlenfolgen, betonte Larsson. Im Bericht wird auch daran erinnert, dass während der Räumung des Gebiets 50 Krankenhaus-Patienten gestorben waren.

Die Experten haben auch die Folgen für die Natur in einem Umkreis von 100 Kilometern zu Land und 30 Kilometern auf dem Meer unter die Lupe genommen. Langfristig sind demnach keine Veränderungen des Ökosystems zu befürchten. Die Autoren schränken aber ein, dass der Effekt von radioaktivem Grundwasser, das immer noch ins Meer sickere, weitere Studien benötige. „Es gibt noch viele offene Fragen, die beantwortet werden müssen“, sagte Larsson. (dpa)

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