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Politik
Donnerstag, 2. April 2015 9

Terrorismus

Terror-Experten sehen Al-Kaida geschwächt

Fast ein Jahr nach der Tötung Osama bin Ladens hat Al-Kaida bei Arabern an Popularität verloren. Die einzige Ausnahme: der Jemen.

Der Führer des Terrornetzes El Kaida, Osama bin Laden (Archivfoto von 2000): Vor gut einem Jahr (2. Mai) töteten US-Spezialeinheiten in Pakistan den Terrorchef.

Washington. Fast ein Jahr nach der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden ist der Kern des Terrornetzwerks nach Einschätzung von US-Vertretern „praktisch verschwunden“. Al-Kaida könne Anschläge wie die vom 11. September 2001 wohl kaum wiederholen, sagte ein Anti-Terror-Experte in Washington. Zum Jahrestag der Tötung Bin Ladens gab US-Präsident Barack Obama ein äußerst seltenes Interview im hochgesicherten Lagezentrum des Weißen Hauses.

Der Tod Bin Ladens habe Al-Kaida weiter geschwächt, sagte der Anti-Terror-Experte weiter, der anonym blieb. Es sei kaum vorzustellen, dass das Terrornetzwerk die Ressourcen, das Training und das Geld habe, um noch einmal Anschläge vom Ausmaß des 11. September zu verüben. Dennoch sei es „zu früh, um den Sieg zu erklären“, warnte der Spezialist. Die Bewegung gebe es weiterhin, die Ideologie des weltweiten Dschihad überlebe ebenso wie Bin Ladens Philosophie. Unter den Ablegern sei der Al-Kaida-Zweig im Jemen der gefährlichste für die USA. Dieser habe mit „weit verbreiteter und effizienter Propaganda“ an Stärke gewonnen.

Einzelkämpfer sind eine große Bedrohung

Auch der Vize-Leiter des Büros des Nationalen Geheimdienstdirektors (DNI), Robert Cardillo, sagte, die Dezentralisierung Al-Kaidas bedeute, dass in Zukunft die meisten Terrorattacken von regionalen Ablegern verübt würden. Er bekräftigte Geheimdiensterkenntnisse, wonach im kommenden Jahr nicht mit einem Anschlag chemischen, biologischen, radiologischen oder nuklearen Waffen in den USA zu rechnen ist.

Zwar hat sich den Aussagen zufolge die Gefahr eines Anschlags mit einer extrem hohen Opferzahl verringert, dafür stellen aber Einzelkämpfer wie der Serienattentäter Mohamed Merah in Toulouse eine große Bedrohung dar. Solche Leute, die alleine handelten, sich mit Waffen versorgten, hauptsächlich ihren eigenen Zeitplan und ihre eigenen Ziele hätten, seien die „schwierigsten Ziele“ für die Geheimdienste, sagte der Anti-Terror-Spezialist.

Obama-Interview im geheimen „Situation Room“

In dem Fernsehinterview, das am 2. Mai ausgestrahlt werden soll, erinnerten sich US-Präsident Obama, seine nationalen Sicherheitsberater und Militärberater an die Schlüsselmomente des US-Sondereinsatzes in der Nacht zum 2. Mai 2011, bei dem Bin Laden getötet wurde, erklärte der Sender NBC am Freitag (Ortszeit). Dass der Sender für das am Donnerstag geführte Interview Zugang zum streng geheimen „Situation Room“ erhalten habe, sei eine Premiere im Kabelfernsehen.

Obamas Sprecher John Earnest konnte zunächst nicht bestätigen, ob ein US-Präsident je ein Interview im „Situation Room“ gegeben hat. Aus dem Lagezentrum im Keller des Weißen Hauses hatten Obama und seine engsten Mitarbeiter, darunter auch Außenministerin Hillary Clinton, den Einsatz im pakistanischen Abbottabad per Satellit verfolgt. Das Weiße Haus veröffentlichte damals ein Foto, das die Anwesenden in großer Anspannung zeigt.

Hinweise vom pakistanichen Geheimdienst

Ein ranghoher Mitarbeiter des pakistanischen Geheimdienstes ISI sagte der „Washington Post“, die US-Kollegen hätten die entscheidenden Hinweise für die Tötung Bin Ladens vom ISI erhalten. „Jeder Schlag egal wo auf der Welt gegen Al-Kaida erfolgt mit unserer Hilfe“, wurde der ISI-Vertreter weiter zitiert.

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington mit fast 3000 Toten war Bin Laden der Staatsfeind Nummer eins der USA. Fast ein Jahrzehnt konnte er sich verstecken, bis die US-Geheimdienste ihn und seine Familie im pakistanischen Abbottabad aufspürten. Ein US-Spezialkommando stürmte das Anwesen in der Nacht zum 2. Mai 2011 und erschoss den Al-Kaida-Chef.

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