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Polizeimeldungen
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Unfall

Chamer stirbt bei Bergwacht-Übung

Ein 48-Jähriger ist beim Versuch, von einer Gondel in eine andere zu klettern, 14 Meter in die Tiefe gestürzt.

  • Die Seilbahnrettungsübung am Samstagnachmittag auf dem Großen Arber nahm ein tragisches Ende. Foto: kli
  • Die Bergwachtler stiegen auf die Seilbahnstützen auf, um sich zu den Gondeln vorzuarbeiten. Foto: kli
  • Ein 48-Jähriger stürzte beim Transfer von einer Gondel zur nächsten aus derzeit noch ungeklärter Ursache aus rund 14 Meter Höhe in den Tod. Sein 24-jähriger Partner aus Regensburg, der als Sicherer eingesetzt war, wurde mitgeschleift und erlitt mittelschwere Verletzungen. Foto: kli
  • Die Seilbahnrettungsübung am Samstagnachmittag auf dem Großen Arber nahm ein tragisches Ende. Foto: kli

Bayerisch Eisenstein.Eine dramatische Wende nahm die gemeinsame Seilbahn-Rettungsübung von Bergwacht, Feuerwehren, Arber-Bergbahn und Polizei am Großen Arber am späten Samstagnachmittag: Ein 48-jähriger Bergwachtler aus Cham stürzte beim Klettern von einer zur nächsten Gondel ab und zog sich dabei schwerste Verletzungen zu, denen er noch am Samstagabend erlag. Sein 24-jähriger Partner, der ihn am Boden sichern sollte, erlitt mittelschwere Verletzungen.

Die Gemeinschaftsübung, bei der alle zwei Jahre das Zusammenwirken der Rettungskräfte trainiert werden soll, startete um 16 Uhr, nach einem simulierten Stillstand der Gondelbahn. Zu dem Zeitpunkt saßen circa 90 Statisten in den Fahrgastzellen, die durch die eingesetzten Bergwachtler geborgen werden sollten. Beteiligt waren die Bergwachten aus Zwiesel, Lam, Arnbruck, Ruhmannsfelden, Viechtach und Deggendorf sowie ein Trupp aus Tschechien. Hinzu kamen die Feuerwehren aus Bayerisch Eisenstein, Bodenmais, Regenhütte, Ludwigsthal, Lindbergmühle, Langdorf, Rabenstein, Lohberg und Thürnstein/Schrenkenthal sowie die Unterstützungsgruppe örtliche Einsatzleitung (UGÖEL) und das Kreisverbindungskommando der Bundeswehr. Geplant und dann auch angelaufen ist folgendes Szenario: Die Retter stiegen auf die Stützen auf, hängten sich mit einer Rolle am Trageseil ein. Während der zweite Mann auf dem Boden die Sicherung übernahm, bewegte sich der Kamerad mit der Seilrutsche auf die Fahrgastkabine zu. An den Gondeln kann von außen die Türe geöffnet werden. Der Retter legt dann den Passagieren eine sogenannte Rettungswindel an und lässt sie zu Boden, wo sie von der Bodenmannschaft betreut, registriert und zu den Sammelplätzen gebracht werden.

Ein 48-jähriger Bergwachtangehöriger aus einem der Zweier-Teams stürzte beim Transfer von einer Gondel zur nächsten aus derzeit noch ungeklärter Ursache aus rund 14 Meter Höhe ab. Dabei trug er schwerste Verletzungen davon. Sein 24-jähriger Partner aus Regensburg, der als Sicherer eingesetzt war, wurde mitgeschleift und erlitt mittelschwere Verletzungen.

Übung wurde sofort abgebrochen

Beide wurden in Kliniken gebracht, wo der 48-Jährige aus Cham an den Folgen der schweren Verletzungen starb. Die Übung wurde nach dem Unfall sofort abgebrochen. Rettungskräfte kümmerten sich um die beiden Männer, auch ein Rettungshubschrauber war im Einsatz. Der Versorgungs-LKW der FFW Thürnstein übernahm mit zwei Flughelfern die Einweisung des Helikopters und richtete einen Feldlandeplatz ein. An der Unfallstelle nahm ein Bergführer der Bayerischen Polizei sowie Beamte des Kriminaldauerdienstes der Kripo Straubing ihre Ermittlungen auf.

Matthias Ferstl, Leiter der Einsatzzentrale Niederbayern, konnte am Sonntag zu den Ermittlungen noch nicht mehr sagen. „Man weiß momentan nicht, wie es passiert ist“, sagte der Polizeisprecher. Die Staatsanwaltschaft wird höchstwahrscheinlich ein Gutachten in Auftrag geben. „Als Ursache ist alles möglich von Materialschaden über ein technisches Problem bis zu menschlichem Versagen“, sagte Ferstl. Der Bergwachtler wollte sich gerade von einer Gondel zur anderen abseilen, als der Betreffende entweder durch das Versagen des Bremssystems oder eines anderen Einflusses mit ziemlich hoher Geschwindigkeit auf die nachfolgende Gondel geprallt war. Der Sicherer wurde am Boden mitgezogen und konnte nicht mehr eingreifen. Für weitere Erkenntnisse sei es noch zu früh. Die Ermittlungen übernahm ein Fachkommissariat der Kriminalpolizei in Straubing. Der Kriminaldauerdienst habe an der Unfallstelle die ersten Maßnahmen getroffen, insbesondere die Spuren gesichert. „Ob technisches oder menschliches Versagen vorliegt, ist zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation“, meinte Ferstl. Der Chef der Arberbergbahn, Thomas Liebl, wollte in Anbetracht der laufenden Ermittlungen keine Stellungnahme abgeben.

Während der Übung mussten zweimal Einsatzkräfte von Bergwacht und Feuerwehr zu Echteinsätzen abgezogen werden. Zunächst war es ein befürchteter Absturz eines Heißluftballons in Teisnach, der sich glücklicherweise als falscher Alarm herausstellte, und wenig später die Suche nach einem vermissten 14-jährigen Feriengast am Osser, der zuvor mit seinen Eltern gestritten und angekündigt hatte, er wolle zum Auto am Parkplatz zurückkehren. Stattdessen änderte er seine Pläne und machte sich auf den Weg zum Quartier in Rimbach. Die besorgten Eltern setzten einen Notruf ab, so dass der vermisste Teenager unter Einsatz eines Polizeihubschraubers mit Wärmebildkamera gesucht wurde. Auch hier stellte der Versorgungs-LKW der Thürnsteiner Wehr an der Sportanlage in Lam einen Feldlandeplatz mit vier Flughelfern. Wegen des Streits hatte der Jugendliche Vater und Mutter nicht von seinem Vorhaben unterrichtet.

Dass Übungsszenarien wie am Samstag am Arber durchaus notwendig sind, zeigten die Unglücke vor ein paar Jahren bei der Brauneck-Bahn oder als sich ein Gleitschirmflieger an der Tegelbergbahn verfing. In unmittelbarer Nähe mussten Wanderer im Juli 2015 einige Stunden in der Bergbahn am Silberberg ausharren, bis sie gerettet wurden. Den Alarm löst in solchen Fällen der Betriebsleiter aus. Die ILS alarmiert dann Feuerwehr, Bergwacht und BRK. Bei der Übung am Samstag war der Zwiesler Bereitschaftsleiter, Reinhold Sturm, federführend.

Bereits im Juni 2014 war eine 20-Jährige bei einer Übung der Further Bergwacht im Steinbühler Gesenke auf dem Kaitersberg ums Leben gekommen. (kli)

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