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Berg und Ski aktuell
Mittwoch, 17. Januar 2018 9

Vorarlberg

Mit einem Kurzschwung ins Museum

In Damüls lockt ein Ausflug in die Historie des weißen Sports. Freerider genießen die baumfreien Hänge um die Mittagsspitze.
Von Stefan Gruber

  • Von den baumfreien Pisten rund um die Mittagsspitze schweift der Blick über die Lechtaler Alpen. Fotos: Gruber
  • Auf den Düsenski ist Christian Lingenhöle besonders stolz.
  • Die weiten und meist baumfreien Hänge in Damüls lassen die Herzen der Freerider höherschlagen. Foto: Damüls-Faschina Tourismus
  • Der Diedamskopf bietet an schönen Tagen eine Weitsicht bis hinaus zum Bodensee. Foto: Bergbahnen Diedamskopf/Alex Kaiser

Damüls.Die Idee war eigentlich genial. Ein Luftpolster unter dem Ski, von Pressluft erzeugt, sollte für mehr Tempo sorgen. Doch der „Düsenski“, den die Firma Kästle 1958 im nahen Zürs testete, sollte ein Experiment bleiben. Belag und Kanten vereisten einfach zu schnell. „Die Entwickler sind damals halt ein wenig übers Ziel hinausgeschossen“, erzählt Christian Lingenhöle schmunzelnd und stellt den Prototypen wieder ins Regal. Im ehemaligen Pfarrhof von Damüls hat der 68-Jährige 2013 ein Museum eingerichtet, das nicht nur Ski-Kuriositäten beheimatet, sondern auch die Geschichte des Skilaufs und des Rennsports eindrucksvoll darstellt. Im Sommer wurde das Damülser Skimuseum saniert, im Oktober hat es der internationale Skiverband FIS mit einem Zertifikat geadelt.

Toni Sailer darf nicht fehlen

Viele Legenden des weißen Sports haben hier ihren Platz. Anne Fenninger, Aksel Svindal, Ted Ligety, Hannes Schneider – und natürlich Toni Sailer. Die Originalski des Tirolers ziehen die Blicke der Besucher auf sich. 1956 raste der „schwarze Blitz aus Kitz“ auf ihnen in Cortina zu olympischem Gold.

In den holzvertäfelten Räumen des alten Pfarrhofs hat Christian Lingenhöle unzählige Raritäten zusammengetragen. Ski mit Robbenfell, Anzüge aus schwerem Wollstoff, Fotos von Oberst Bilgeri. Der erfand Anfang des vorigen Jahrhunderts nicht nur die nach ihm benannte Bindung, sondern verhalf auf der Zwei-Stock-Technik zum Durchbruch.

Die ist für uns heute selbstverständlich. So wechseln wir nach dem Abstecher in die Vergangenheit die warmen Hauspatschen, die für jeden Besucher bereitstehen, wieder mit den harten Skischuhen, greifen uns Stöcke und Ski, und schwingen direkt auf die Piste. Wie es sich für einen Ort gehört, der sich selbst als das „schneereichste ständig bewohnte Dorf der Welt“ rühmt, liegt das Skimuseum direkt an der Abfahrt. Oft genug lässt auch Christian Lingenhöle die Geschichte Geschichte sein und steigt auf die schmalen Latten, die sein Leben prägen. „An die 70 Skitage pro Saison bekomme ich noch zusammen“, rechnet er schnell nach. Am liebsten zieht er seine Spuren über die rassigen Hänge am Sunnegglift oder genießt sie sonnenüberfluteten Varianten am Hasenbühellift.

Lob für den Zusammenschluss

Für den Zusammenschluss der Pisten mit dem Nachbarort Mellau vor neun Jahren hat Lingenhöle nur Lob übrig. „Das war der richtige Schritt“, sagt er. Mit nun 109 Pistenkilometern sei das Gebiet im Bregenzerwald nun internationale absolut konkurrenzfähig. Und wer die kurvige Anfahrt hinauf nach Damüls scheut, kann seit zwei Jahren auch bequem mit der neuen Zehnergondel von Mellau aus in die Skiarena einsteigen.

Die zentrale Mittagsspitze erinnert ein wenig ans Matterhorn. Markant überragt der felsige Zacken die baumfreien Hänge. Genusscarver ziehen ihre weiten Bögen, die Freerider finden hier ihre Herausforderung. Zahlreiche Routen locken bei frischem Schnee zum Ausflug in den Powder.

Mit Panorama pur lockt der Diedamskopf auf der anderen Talseite. Auf 2090 Meter ist hier der höchste Punkt im Bregenzerwald erreicht. 300 Gipfel der Lechtaler Alpen liegen vor uns, in der Ferne schimmert silbrig der Bodensee herüber. Am Ende des Tages fordert die zehn Kilometer lange Talabfahrt noch einmal mächtig Kondition. Der Düsenski wäre jetzt nicht schlecht.

Weitere Infos zur Region

Bregenzerwald

  • Anreise:

    Über Lindau und Dornbirn nach Mellau und Damüls.

  • Skipass:

    Sechs Tage 226 Euro (Jugend 199, Kinder 113). Ab 2,5 Tage gibt es den 3-Täler-Skipass, der 31 Skigebiete im Bregenzerwald, im Großen Walsertal, im Lechtal (mit Warth-Schröcken) und im Allgäu umfasst.

  • Skigebiet Damüls-Mellau-Faschina:

    Für Freestyler gilt der größte Snowpark im Bregenzerwald mit verschiedenen Kickern, Rails, Boxes, großen Bootern und einer Chillout-Area als Hotspot. Für den Nachwuchs steht ein Kids-Snowpark zur Verfügung.

  • Skigebiet Diedamskopf Au-Schoppernau:

    40 Kilometer warten hier auf Skifahrer und Snowboarder. Der Schlepplift Grünholz bietet am Mittwoch und Freitag Nachskilauf an.

  • Hoteltipp:

    Im Alpenhotel Post in Au trifft Tradition auf moderne Architektur mit viel Stil. Das ****Hotel liegt zentral im Bregenzerwald, alle Skigebiete der Umgebung können per Skibus bequem erreicht werden. Neben einem vielfältigen Wellnessangebot und einer perfekten Küche bietet das Alpenhotel Post eine umfassende Kinderbetreuung an. Am Kletterturm, in der Legoecke und im Kinderkino kommt keine Langeweile auf und wer Lust hat, kann am Lift gleich neben dem Haus seine ersten Bögerl in den Schnee ziehen. (www.alpenhotel-post.com)

  • Info:

    www.damuels-mellau.at

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