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Berg & Ski
Samstag, 25. November 2017 13° 3

Salzburger Land

Mit der Eiskönigin ins Tal der Almen

Wanderführerin Andrea Seer bietet in Großarl besondere Touren für Familien an. So lassen sich Kinder für Berge begeistern.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Andrea Seer spielt vor dem tosenden Wasserfall eine mystische Melodie auf ihrer Flöte.Foto: Heiner Stöcker

Grossarl.Mit einer kleinen Holzkiste und einer Flöte steht Andrea Seer auf dem Parkplatz. Es regnet. Die Kinder sind grantig, sie wollen nicht wandern. Nicht bei diesem Wetter und schon gleich gar nicht bergauf, protestieren sie. Andrea Seer kennt das. Die Märchenerzählerin führt regelmäßig Wanderungen mit Kindern durch. Sie weiß, dass die Begeisterung oft ein paar Höhenmeter braucht. Aber spätestens oben, auf dem Berg, da wollen die Kinder nicht mehr zurück, verspricht sie uns.

Entlang der Gretchenruhe

Jetzt, Anfang Mai, sind die Bergbahnen im Großarltal nicht im Betrieb. Die Sommersaison startet, sobald sich der Schnee von den Almen verabschiedet hat. Deshalb ist die übliche Runde von Seers Märchenwanderung zu einem bewirtschafteten Almhof auch noch nicht möglich. Unsere Alternative ist der Rundwanderweg „Gretchenruhe“. Schon nach wenigen Metern Anstieg ist ein tosender Wasserfall zu hören. Ein beeindruckendes Naturschauspiel. Andrea Seer setzt ihre Flöte an und spielt eine mystische Melodie dazu.

Dann beginnt sie ein Märchen zu erzählen. Das Märchen, wie die Blumen auf die Erde kamen. Sie holt ein blaues Tuch aus ihrem Köfferchen, breitet es aus und lässt die Kinder verschiedene Blumen einsammeln. Fäden und Filzherzen werden ausgelegt. So wird das Märchen auf diesem Tuch im nassen Gras lebendig. „Es war einmal ein bitter armer Schafhirte, der wollte wissen, was eigentlich hinter den Schneebergen liegt. Gibt es da ein Land, in dem immer die Sonne scheint?“

Obwohl es jetzt noch stärker zu regnen anfängt, sind die Kinder mucksmäuschenstill. Sie wollen wissen, was passiert, als der Scharfhirte zu der Königin, die in einem Schloss aus Eis lebt, kommt. Und natürlich wollen sie auch wissen, warum sie im hohen Gras unbedingt nach einer blauen Blume suchen sollten. Es ist das Geheimnis, das die Königin dem Schafhirten mit auf den Weg gibt. Ein Geheimnis, das ihn zu einem wohlhabenden Mann macht.

Andrea Seer ist ausgebildete Wanderführerin und Waldpädagogin. Die Idee zu den Märchenwanderungen hat sie vor einigen Jahren entwickelt, um Kindern für die Natur zu begeistern. Sie führt Schulklassen und bietet im Sommer verschiedene geführte Touren (Dauer vier Stunden und länger) zu festen Terminen an. Man kann sie aber auch individuell buchen. Im Winter finden die Märchenwanderungen mit Schneeschuhen und Fackeln in den Abendstunden statt, erzählt sie. Das erzeuge eine ganz besondere Stimmung. Die Touren sind meist lange vorher ausgebucht.

Es geht hinein in den Wald. Bäume mit meterdicken Stämmen säumen den Weg. Hier wohnen bestimmt Waldgeister, flüstert die siebenjährige Johanna ihrer großen Schwester zu. Die Kinder entdecken einen Fuchsbau, bestimmen und kosten Pflanzen wie den Sauerklee und versuchen gemeinsam mit der Märchenerzählerin die Vögel an ihrem Gezwitscher zu erkennen.

Auf einer Holzbank zwischen zwei Bäumen öffnet Andrea Seer wieder ihren Märchenkoffer und beginnt von zwei Geschwistern und ihrem Bruder, dem Dummling zu erzählen, die eine Reihe von Aufgaben lösen müssen, um das versteinerte Königreich zu erlösen. Dabei dürfen die Kinder helfen. Sie sammeln Tannenzapfen und 1000 Perlen und schließlich kleine Überraschungen, die in den Bäumen „wachsen“. „Wollt ihr zurück oder noch ein Stückchen weiterlaufen?“, fragt Andrea Seer. Die Kinder hören sie schon nicht mehr. Denn sie laufen schon voraus, weiter den Berg hinauf.

400 Kilometer zu 40 Almen

Das Großarltal ist eigentlich bekannt für seine Almenwanderwege. Entlang der 400 Kilometer markierten Wanderwege und der 140 Kilometer ausgeschilderten Mountainbikestrecken liegen knapp 40 Hütten, in denen sich die Wanderer stärken können, einige Almen bieten auch Natur-Spielplätze und Streicheltiere für kleine Besucher. Zwölf der Almenwanderwege sind übrigens kinderwagentauglich. Neu ist seit 2009 der Kapellen-Wanderweg, der entlang von elf Kapellen eine Entspannung für Geist und Seele bieten soll. Die 17 Kilometer lange Tour startet an der Pfarrkirche in Großarl. Im Ort selbst gibt es zudem eine große Freizeitanlage, die auch mit einem großen Kinderspielplatz ausgestattet ist. Die Anlage bietet sich als Abschluss für eine Wanderung mit Kindern an.

Unsere zweistündige Märchenrunde geht nun auch zu Ende. Die Märchenerzählerin hatte recht behalten. Die Kinder wollen gar nicht mehr zurück ins Tal. „Wir haben ja nicht gewusst, dass das Wandern so viel Spaß macht, wenn man dazu Märchen hört.“

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