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Gesundheit
Donnerstag, 23. November 2017 10° 3

Zeitumstellung

Ein laaanges Wochenende kommt

In der Nacht zu Sonntag wird die Uhr eine Stunde zurückgestellt – Zeit, um sich mit dem Winterschlaf zu befassen.
Von Marco Krefting, dpa

Eine Frau räkelt sich im Bett: Mit der Zeitumstellung am Wochenende und dem frühen Einbruch der Dunkelheit werden Menschen früher müde. Foto: dpa

Köln.Zzzz, schnarch, gähn – wohl kaum einen Zustand können Comiczeichner so treffend darstellen wie Müdigkeit und Schlaf. Jetzt, wo die Tage sprichwörtlich kürzer werden und die Dunkelheit nach der Zeitumstellung am Sonntag abends eher einsetzt, verändert sich bei Menschen der Schlaf-Wach-Rhythmus.

„Die Lichtverhältnisse haben entscheidenden Einfluss“, sagt der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, Alfred Wiater. Blaues Licht mache wach. Wechsle das Spektrum Richtung Abend eher zu Gelb- und Rottönen, werde Melatonin ausgeschüttet, man wird müde. Zeit für den Winterschlaf?

Zwar habe der Mensch die genetischen Voraussetzungen dafür – wie einige Tiere, sagt der Chefarzt der Kinderklinik des Krankenhauses Köln-Porz. Aber der Mensch brauche keinen Winterschlaf, weil er weder wegen der Kälte Energie sparen müsse, noch Nahrung knapp sei.

Die innere Uhr geht etwas nach

Da viele Menschen die Müdigkeit aber trotzdem überkommt, empfiehlt der Experte, sich draußen aufzuhalten. „Da ist die Lichtintensität höher, man kann besser wach bleiben“, sagt Wiater. Körperliche Aktivitäten regten den Kreislauf und Stoffwechsel zusätzlich an. Damit die Qualität des Schlafes nicht leidet, sollte man jedoch nicht unmittelbar vor dem Zubettgehen Sport treiben, sagt der Somnologe, wie man Schlafforscher im Fachjargon auch nennt. „Die innere Uhr im Gehirn geht ein bisschen nach“, sagt Wiater. Ginge es danach, müsste der Tag ein wenig länger sein als 24 Stunden. Über das Licht könne das von außen reguliert werden. Ein Faktor im Körper sei Hypokretin, ein Hormon, das das Schlaf-Wach-Verhalten beeinflusst. Ein Mangel führe zu Narkolepsie, der Schlafkrankheit, und zu Appetitlosigkeit. Hypokretin macht wach, treibt die Nahrungsaufnahme an und wirkt auf das Belohnungssystem, wie der Schlafforscher sagt. „Das könnte eine mögliche Erklärung sein, warum Tiere aus dem Winterschlaf erwachen.“

Zum Stichwort Tiere: Gehen sie in den Winterschlaf, machen sie genau eines nicht – schlafen. Den Zustand, in dem sie sich befinden, nennen Experten Torpor, wie Biologin Lisa Warnecke sagt. Die Gehirnströme seien dann ganz andere als in Schlafphasen. Der Stoffwechsel werde reduziert, um Energie zu sparen. Wach-Pausen würden beispielsweise zum Fressen und zur Fortpflanzung genutzt. „Das ist bei allen Tieren gleich, egal ob Spitzmaus oder Braunbär“, sagt die Wissenschaftlerin.

Viele halten Umstellung für überflüssig

  • Frauen

    Frauen in Bayern macht die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit gesundheitlich mehr zu schaffen als Männern. Das geht aus einer aktuell in München veröffentlichten repräsentativen Umfrage der DAK-Gesundheit hervor. Demnach klagten 29 Prozent der befragten Frauen über Symptome, aber nur 16 Prozent der Männer. Frauen fühlten sich häufiger schlapp und hätten mehr Schlafstörungen.

  • Alter

    Deutliche Unterschiede gibt es der Befragung zufolge auch in den Altersgruppen. Während sich bei den über 45-Jährigen jeder Dritte wegen der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit schlechter konzentrieren könne, sei es bei den Jüngeren jeder Zweite. Bei Personen unter 30 hätten mehr als 20 Prozent depressive Verstimmungen, bei den über 60-Jährigen nur vier Prozent.

  • Gesundheit

    Die Gesundheitsprobleme infolge der Zeitumstellung nahmen in den vergangenen Jahren leicht zu. 70 Prozent der befragten Menschen in Bayern hielten die Umstellung für überflüssig.

  • Umfrage

    An der Umfrage, von Forsa für die DAK durchgeführt, nahmen in der Zeit zwischen 21. September bis 12. Oktober 1004 Menschen in Bayern teil.

  • Zurückstellen

    Die Uhren werden in der Nacht von Samstag auf Sonntag (28. auf 29. Oktober) um 3 Uhr um eine Stunde zurückgestellt. Morgens wird es wieder früher hell, abends früher dunkel.

  • Historie

    In Deutschland wurde die Sommerzeit 1980 eingeführt. Sie dauert vom letzten Sonntag im März bis zum letzten Sonntag im Oktober. Hintergrund: Man wollte das Tageslicht besser nutzen und Energie sparen. Den ersten Versuch einer Sommerzeit gab es 1916 im Deutschen Kaiserreich. (kna/dpa)

Winterschläfer leben länger

Was den Torpor auslöse, sei aber sehr unterschiedlich: „Bei manchen Tieren ist die Temperatur ausschlaggebend, bei manchen gibt es eine Körperfettgrenze, bei anderen ist das abhängig vom Tageslicht“, sagt Warnecke, die in diesem Jahr ein Buch über „Das Geheimnis der Winterschläfer“ veröffentlicht hat. Die Wasserfledermaus etwa praktiziere einen Tagestorpor mit 10 bis 15 Stunden Schlaf.

Der Winterschlaf gilt als Erfolgsrezept der Arterhaltung, wie Warnecke erklärt: „Winterschläfer leben länger.“ Chromosomen in den Genen seien bei ihnen besser geschützt. Wenn Tiere schlafen, laufen sie auch weniger Gefahr, gefressen zu werden. Und sie könnten auf extreme Wetterbedingungen flexibler reagieren. So habe der Energiesparmodus nicht zwingend etwas mit Winter zu tun, wie Warnecke sagt: Lemuren etwa wechselten bei 35 Grad in den Torpor, um Dürrephasen zu überstehen.

Das Phänomen scheint Jahrmillionen überdauert zu haben, wie Warnecke an Igeln erforscht hat. An den Torporphasen änderten auch die Wärme und das üppige Nahrungsangebot in der Stadt ebenso wenig wie der Lärm neben Straßen – die Tiere schlummern einfach ein. Bei Murmeltieren und anderen Arten hätten Forscher hingegen in den vergangenen 20 bis 40 Jahren feststellen können, dass sich die Winterschlafzeit ändert. „Das könnte mit dem Klimawandel noch zunehmen“, so Warnecke.

Im Langzeitschlaf auf den Mars?

Auch wenn der Begriff Winterschlaf nicht hundertprozentig passt, ist er im Volksmund etabliert. Winterruhe als Alternative hält die Biologin für wissenschaftlich sehr schwammig und „Blödsinn“. Und sie räumt mit falschen Lehren auf: Eichhörnchen etwa können ihren Stoffwechsel nicht wie in Torporphasen reduzieren. Der Vergleich mit echten Winterschläfern passe also nicht.

Dass der gedrosselte Energieverbrauch möglich ist, interessiert auch die US-Raumfahrtbehörde Nasa. Viel Geld werde in die Forschung gesteckt, ob Menschen in einen Winterschlafzustand versetzt werden können. Das könnte für Marsmissionen relevant werden. Es werde mit Unterkühlung gearbeitet, so Warnecke. „Das ist physiologisch aber äußerst bedenklich.“

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