mz_logo

Gesundheit
Montag, 25. September 2017 19° 3

Schönheit

Freiwillig auf den Zahn gefühlt

Zähne als Schönheitsattribut: Die Regensburger Zahnkosmetikerin Karina Gienger erklärt, worauf es ankommt.
Von Tanja Rexhepaj

Die professionelle Zahnreinigung gilt als Kosmetik. Foto: dpa

Regensburg.Grüne Jadesteinchen zierten ihre Zähne und hoch angesehene Personen in ihrem Reich schliffen sich ihr Gebiss, so dass es dem von Raubtieren glich: Was derzeit im Berliner Martin-Gropius-Bau in einer Ausstellung über die Hochkultur der Mayas zu sehen ist, zeigt, dass es bereits vor 2000 Jahren üblich war, seine Zähne nach geltenden Schönheitsvorstellungen zu verändern. Auch Zahnersatz gibt es schon seit Jahrtausenden: Wie Forscher herausfanden, wurden in vielen Kulturen aus Tierknochen, Ebenholz oder anderen Naturmaterialien Ersatzzähne hergestellt. Die Römer banden ausgefallene Zähne mit einem Golddraht einfach wieder am noch gut sitzenden Nachbarzahn fest. Schöne Zähne und ein lückenloses Lächeln sind also schon von jeher ein Attribut für Attraktivität.

Auch heute beschränkt sich Schönheit eben nicht auf das Make-Up. Heidi Klum hat es den deutschen Fernsehzuschauern an ihren Nachwuchsmodels demonstriert: Make-Over heißt die Devise – und dazu gehört auch das Bleaching, das Aufhellen der Zähne, dem sich etliche Kandidatinnen bereits unterziehen mussten. Seit der Trend dementsprechend in den Medien gehypt wird, bemerkt Zahnkosmetikerin Karina Gienger eine stetig wachsende Nachfrage in ihrem Studio „Time to smile“ vor den Toren Regensburgs: „Man sieht, bei Germany’s next Topmodel werden den Mädels die Zähne gebleacht, also möchte man es auch ausprobieren“, sagt Gienger, die sich als gelernte Zahnarzthelferin und Zahntechnikerin vor fünf Jahren mit ihrem eigenen Zahnkosmetikstudio selbstständig gemacht hat.

Klare Abgrenzung zwischen Zahnmedizin und Zahnkosmetik

Neben ihrem Hauptgeschäft Bleaching betreibt sie auch kosmetische Zahnreinigung und bietet das Anbringen von Zahnschmuck an. Letzteres ist eine reine Frauenangelegenheit, während sich der weibliche und männliche Kundenanteil beim Bleaching in etwa die Waage hält. Das Aufhellen natürlicher Zähne – bei Implantaten, Brücken oder Kronen kann die Methode nicht angewendet werden – dauert für das komplette Gebiss rund eine Stunde lang. Eine Stunde, die Karina Giengers Kundschaft eher als Wellness ansieht: „Die meisten wollen einfach ein schöneres Aussehen – vom Fernsehen inspiriert“, sagt die Zahnkosmetikerin. Tatsächlich ist das, was sie anbietet, reine Kosmetik, also auch die Zahnreinigung: „Da arbeite ich nur an der Zahnoberfläche, nicht unter dem Zahnfleisch. Hier geht es ausschließlich um die Optik der Zähne, es gibt keine medizinischen oder therapeutischen Maßnahmen, es werden keine Diagnosen gestellt“, erläutert Gienger. Deshalb lässt sie sich von ihren Kunden auch bestätigen, dass der letzte Zahnarztbesuch nicht länger als drei Monate zurückliegt.

Lesen Sie hier Tipps von Zahnmedizinern, wie Sie Ihre Zähne gesund erhalten.

„Zahnkosmetik fängt da an, wo die Zahnbürste zuhause aufhört und hört dort auf, wo der Zahnarzt anfängt“, sagt Karina Gienger. Das Bleaching an sich führt sie mit Zahnbleichmittel, das laut EU-Verordnung weniger als 0,1 Prozent Wasserstoffperoxid enthält, durch. Präparate in dieser Konzentration sind auch frei verkäuflich im Handel erhältlich, etwa in Form von Weißmacher-Zahnpasta und ähnlichen Produkten. Verfärbungen, die sich durch den Genuss von Lebensmitteln, vor allem von Tee oder Kaffee oder durch andere Substanzen wie Nikotin, auf den Zähnen abgelagert haben, können durch ein Bleaching im Studio unter Einsatz von UV-Licht, wie Karina Gienger es anbietet, aufgehellt werden. „Normalerweise hält das Ergebnis zwei bis drei Jahre lang; Raucher kommen aber oft schon nach einem Jahr wieder“, sagt Karina Gienger.

Zahnhygiene seit Jahrhunderten überliefert

Doch hinter Zahnverfärbungen können auch ernsthafte Krankheiten stecken (siehe Interview auf Seite 3). Und damit, nämlich mit den schlechten Zähnen und vor allem dem, was man dagegen tun kann, beschäftigt sich die Menschheit auch schon seit Jahrhunderten: Bevor die moderne Zahnbürste erfunden wurde, behalf man sich mit Stöckchen zum Entfernen von Speiseresten. Selbst heute noch werden in Teilen Indiens, Afrikas oder in arabischen Ländern Hölzer des Zahnbürstenbaums Salvadora persica zur Zahnpflege benutzt. In Europa hingegen hinkte man bei der Prophylaxe von Karies lange Zeit hinterher: Untersuchungen an Ötzis Gebiss haben ergeben, dass der Gletschermann aus der Jungsteinzeit ganz massiv unter Karies und fortschreitender Parodontitis gelitten haben muss.

Umso mehr wird hierzulande aktuell versucht, „Karius und Baktus“ einen Riegel vorzuschieben. Die 1949 in Norwegen erschienene Geschichte ist längst nicht mehr die einzige Literatur, die insbesondere für Kinder zum Thema Zahnpflege erhältlich ist. Seitdem tauchen immer wieder neue Erfindungen und Trends auf: Die Munddusche erfreute sich in den 1980er Jahren großer Beliebtheit, dann kamen die elektrischen Zahnbürsten auf, in Drogerien und Apotheken gibt es Zahnputztabletten und Weißmacher- strips. Eine revolutionäre Entwicklung bahnt sich im Bereich der Implantate an: Mit körpereigenen Stammzellen sollen in Zukunft quasi lebende Ersatzzähne gezüchtet werden. Vorbild dafür ist der Haifisch: Er hat von Natur aus Stammzellen im Kiefer, die dafür sorgen, dass Zähne unbegrenzt nachwachsen.

Bis es aber so weit ist, dass die Zähne aus dem Genlabor für den Menschen zur Realität werden, hilft nur konsequente Zahnpflege inklusive regelmäßiger Zahnarztbesuche.

Lesen Sie hier weitere Nachrichten aus aller Welt

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht