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Reise
Sonntag, 26. Juni 2016 24° 3

Papua-Neuguinea

Hai-Life bei Peter-John vom Korafe-Stamm

Im flächenmäßig drittgrößten Inselstaat der Welt kann man bei Einheimischen übernachten – und sie beim Fischfang begleiten.
Von Margit Kohl

  • Peter-John sagt, Unfälle passieren, als sich der Hai im Netz verfangen hat. Die Flossen verkaufte er danach für gutes Geld an chinesische Händler. Fotos: Kohl
  • Idylle pur: Eine Bambushütte für Touristen
  • Früher wurden die Gesichter tätowiert, heute werden sie nur noch bemalt.
  • Zu Stammesfesten legen die Korafes ihre „Tracht“ an.

 .Es ist noch früh am Morgen, als Peter-John Ruaba und seine fünf Brüder Georg, Moses, Robert, Peter und Samuel die Gäste mitnehmen zum Fischen. Das Wasser an der Küste des Fjords leuchtet im hell-sten Türkis und ist so klar, dass man die Korallenstöcke auf dem Meeresgrund erkennen kann. Mit ihren Paddeln schlagen die Männer abwechselnd auf die Wasseroberfläche, um die Fischschwärme ins Netz zu treiben.

Plötzlich sieht Peter-John den Schatten eines Hais durchs Wasser flitzen. Kurz darauf hat sich das Tier im Netz verheddert. Die Männer springen aus ihren Auslegerkanus, rammen dem Hai den Stil eines Paddels tief ins Maul, damit er nicht zubeißen kann. Sie wissen, dass sie Haie nicht jagen dürfen, viele Arten stehen inzwischen unter Schutz. Doch Peter-John sagt: „Unfälle wie diese passieren einfach, dann ist der Hai nicht mehr zu retten.“

Nicht ganz zufällige Unfälle

Wir sind zu Gast in einem Hüttendorf in der Provinz Oro, im Südosten Papua-Neuguineas. Die Einheimischen nehmen Touristen auf, lassen sie am Dorfleben teilhaben – und dazu gehört der Fischfang. Als die Männer später vor ihren Hütten in Yavi zusammensitzen, erzählt Peter-John, dass sich die Haifischflossen bestens an chinesische Händler verkaufen lassen. „Für einen halben Meter Flosse bekommen wir 150 Kina“, sagt er. Das sind umgerechnet knapp 50 Euro – mehr, als die Familie verdient, wenn sie eine Nacht lang eine ihrer Hütten an Touristen vermietet. Käufer für die illegale Ware gibt es reichlich in Papua-Neuguinea, denn die meisten Supermärkte sind fest in asiatischer Hand. Daheim in China gilt Haifischflossen-Suppe als Spezialität. Schon möglich, dass mancher Unfall hier nicht ganz zufällig passiert.

Die Einheimischen stellen inzwischen viele Dinge des täglichen Lebens nicht mehr selbst her. In Federschmuck und Lendenschurz zeigen sie sich für gewöhnlich nur zu Stammesfesten oder bei Touristenshows, als Alltagskleidung tragen sie Jeans und T-Shirt. Viele Dorfbewohner haben Arbeit gefunden im nahegelegenen Tufi Resort. Vor allem erfahrene Taucher kommen hierher, um vor der Küste mit Hammerhaien zu tauchen – oder zu den Wracks von Schiffen und Flugzeugen, die seit dem Zweiten Weltkrieg hier liegen. Um die Einheimischen zu unterstützen und den Besuchern ein möglichst unverfälschtes Erlebnis zu bieten, arrangiert das Resort Übernachtungen bei der lokalen Bevölkerung.

In Yavi Village zum Beispiel. Es liegt nur ein paar Bootsminuten entfernt an der Spitze eines Fjords, in dem es zwei sandige Buchten gibt. Die Quelle, die die Leute im Dorf normalerweise mit Wasser versorgt, ist jetzt, in der Trockenzeit, versiegt. Wenn die Mitarbeiter des Resorts Gäste ins Dorf bringen, packen sie deshalb immer auch ein paar Kanister Frischwasser ins Boot. Im Resort wird es mithilfe einer Meerwasserentsalzungsanlage gewonnen.

Etwa 150 Leute leben in Yavi, darunter auch Peter-John und seine Brüder vom Stamm der Korafe. Sie betreiben mit ihren Familien eine eigens als Gästehaus gebaute, einfache Bambushütte. Die Matratzen sind frisch bezogen, als Decke gibt es ein Leinentuch und – wichtig – ein intaktes Moskitonetz, denn die Gegend gilt als Malariagebiet. Von den 135 Kina, etwa 45 Euro, die man für eine Übernachtung mit Verpflegung bezahlt, blieben 100 Kina im Dorf, 35 Kina erhalte das Tufi Resort, sagt Peter-John.

Die Hüttendörfer liegen alle auf Bergrücken. 375 Gemeinden gibt es in der Region. Im Regenwald an den Hängen gedeihen Hibiskus und Orchideen. Dort leben Nashornvögel und Baumkängurus. In den seichten Flussarmen ist das Wasser immer warm, am Grund sind selbst hier noch viele Korallenstöcke zu erkennen.

Fisch aus dem Erdofen

Die tief stehende Nachmittagssonne taucht alles in mildes Licht. Dabei ist das Leben hier nicht einfach. Feldarbeit ist hauptsächlich Frauensache, die Kinder helfen mit. Leise ist ihr Lied zu hören: „Eines Tages sehen wir uns wieder“, lautet der Refrain. Am Abend rudern die Kinder von den Feldern nach Hause, in ihren Booten liegen Bananen, Kokosnüsse, Süßkartoffeln und ein paar kleine Fische, die sie mit Speeren im Fjord gefangen haben. Das Wichtigste aber ist das Trinkwasser in den Kanistern.

Am Abend gibt es für die Gäste eingelegte Früchte aus der Dose und Cola. Die Dorfbewohner freuen sich riesig, wenn sie den Besuchern solche für sie wertvollen Produkte anbieten können. Dabei hängen draußen an den Bäumen die schönsten Kokosnüsse. Und im Hochland wird einer der weltbesten Kaffees angebaut – zum Frühstück aber bekommt man Instant-Pulver gereicht. Nachhaltigkeit ist ein Thema, das in Papua-Neuguinea noch nicht angekommen ist.

An Feiertagen bereiten die Frauen köstliche Mahlzeiten im sogenannten Mumu zu, einem Erdofen, in dem Fisch, Yams und Süßkartoffeln mit Kokosmilch in Bambusblättern gegart werden. An den älteren Frauen des Dorfes fallen sofort ihre Gesichts-Tattoos auf. Früher haben sich die Frauen das Gesicht tätowieren lassen, sobald sie ins heiratsfähige Alter kamen. „Aber das verändert das Aussehen komplett“, sagt Priscilla Cray-Bob aus dem Nachbardorf Kofure. Zu Stammesfesten lassen sich junge Frauen wie sie deshalb ihre Tattoos nur noch mit abwaschbarer Pflanzenfarbe aufmalen. Ein Tribut an die moderne Zeit.

Was man wissen muss

  • Reise-Tipp:

    Vor Reiseantritt ist die Beratung durch einen Tropenarzt ratsam (www.dtg.org ). Europäer erhalten direkt nach Ankunft ein Touristenvisum, das 60 Tage gültig ist.

  • Anreise-Tipp:

    Flug nach Singapur z. B. mit Singapore Airlines (12 Std.), weiter 6,5 Std. nach Port Moresby mit Air Niugini (6,5 Std.) und von dort nach Tufi mit Airlines PNG (1 Std.). Weitere Informationen auf www.singaporeair.com , www.airniugini.com.pg , www.apng.com .

  • Hotel-Tipp:

    Tufi Resort, Bungalow mit VP ab ca. 100 Euro pro Person/Nacht. Arrangement „Wohnen bei Einheimischen im Dorf“ mit VP ab 45 Euro. Weitere Informationen auf www.tufiresort.com .

  • Pauschal-Tipp:

    Der Münchner Asien-Spezialist Lotus Travel Service hat die siebentägige Tour „Wildes Westpapua“ im Programm. Im Preis von 2003 Euro sind u. a. die Übernachtungen im Doppelzimmer, Vollpension, der Flug ab/bis Jayapura nach Wamena und Transfers enthalten. Weitere Informationen im Internet auf www.lotus-travel.com .

  • Info-Tipp:

    PNG Tourism Promotion Authority, c/o The Conjoint Marketing Group, 82152 Martinsried, Tel. (0 89) 219 096 513, Internet: www.theconjointmarketinggroup.com , www.papuanewguinea.travel/europe .

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