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Haus und Garten
Sonntag, 5. Juli 2015 35° 1

Garten

Frühjahrskur für den Rasen

Der Winter hat dem Rasen arg zugesetzt. Zeit für eine Frühjahrskur mit Massage, gesunder Nahrung und einem neuen Haarschnitt.

Ab Temperaturen von mehr als acht Grad beginnen die Grashalme neu zu sprießen.

Heilbronn. Von Grün keine Spur: Nach den langen Wintermonaten hat manche Rasenfläche braune Flecken, und die Halme sind platt. Schnee, Frost und Pilzkrankheiten haben ihre Spuren hinterlassen. Aber sobald die Temperaturen über acht bis zehn Grad klettern, beginnen die Halme, neu zu sprießen. Damit sie zu Kräften kommen und rasch eine frische, grüne Fläche bilden, ist eine intensive Frühjahrskur wichtig.

Einige Gartenexperten favorisieren das Vertikutieren als ersten Schritt im Pflegeprogramm: „Je nach Witterung ist Mitte bis Ende März der richtige Zeitpunkt, um den Rasen zu belüften und Moose und Rasenfilz zu entfernen“, sagt etwa Angelika Kölle, Geschäftsführerin eines Gartencenters in Heilbronn. Die Rasenfläche werde am besten in drei Durchgängen bearbeitet: Der zweite Durchgang erfolgt in Gegenrichtung zum ersten, der dritte quer zu den beiden ersten.

Ob ein Vertikutierer oder ein Handgerät verwendet wird, hängt vor allem von der Größe der Rasenfläche ab. Allerdings ist das Vertikutieren ein massiver Eingriff in das Wachstum der ohnehin vom Winter geschwächten Gräser. Klaus Müller-Beck, Vorsitzender der Deutschen Rasengesellschaft in Bonn, rät deshalb stattdessen zu einer umfassenden Säuberungsaktion: „Mit einem Rasen- oder Federrechen lässt sich abgestorbenes Material leicht von der Oberfläche des Rasens beseitigen.“ Gleichzeitig werden dabei verklebte Halme aufgerichtet - und so komme auch viel Luft an die Grasnarbe.

Dann werden die Hinterlassenschaften der vielerorts sehr fleißigen Maulwürfe aufgeräumt, denn ihre Hügel stören bei allen weiteren Pflegemaßnahmen. „Die Gänge werden angetreten, die Haufen am besten breit gestreut und dann der Boden an den Ausgängen festgetreten“, empfiehlt Müller-Beck.

Der vertikutierte oder gründlich gerechte Boden ist nun aufnahmebereit für Dünger, das Frühstück für einen guten Start in die Saison. „Zierrasen braucht einen Langzeit-Rasendünger mit einem hohen Eisenwert“, sagt Kölle. Spezielle Rasendünger enthalten in der Regel hohe Stickstoffanteile. „Wichtig sind dabei solche Stickstoffe, die über einen langen Zeitraum wirken. Das tun beispielsweise Ammonium-Stickstoffe. Normale Nitrate hingegen sind Harnstoffe und werden rasch ausgewaschen.“

Eine gleichmäßige Düngung ist Voraussetzung für ein gleichmäßiges Wachstum der Gräser. Das zu bewerkstelligen ist gar nicht so einfach. „Hobbygärtner mit viel Erfahrung setzen auf die Düngung von Hand“, sagt Lutze von Wurmb, Vizepräsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau in Bad Honnef bei Bonn. „Dabei wird der Dünger in zwei bis drei Durchgängen in weitem Wurf kreuz und quer über der Fläche ausgebracht.“ Wer darin keine Übung hat, riskiert allerdings, dass der Zierrasen später an einen Flickenteppich erinnert. „Alternativ kann auch ein akkubetriebener Schleuderstreuer verwendet werden“, schlägt Müller-Beck vor.

Bei großen Flächen führt allerdings kein Weg an einem Düngewagen vorbei. Seine Lochung wird am besten auf die Breite eines Beetes eingestellt. Aber dabei rieseln schon mal mehr Düngekörner als gewünscht auf den Boden - und auf der Rasenfläche führt das zu Verätzungen und auf Wegbelägen können vor allem die Eisenanteile im Dünger Schaden anrichten. „Bei der Anwendung muss man so exakt wie möglich arbeiten und die Fläche in gleichmäßigen Bahnen abfahren, welche direkt aneinander anschließen, ohne sich jedoch zu überlappen“, sagt Müller-Beck. „Sonst entsteht ein unschönes Streifenmuster.“

Wer zu Beginn des Pflegeprogramms nur gerecht und nicht vertikutiert hat, kann das Vertikutieren auch etwa 10 bis 14 Tage nach der Düngung nachholen. „Das Granulat ist dann eingerieselt und die Pflanze so gestärkt, dass sie sich sofort wieder bestocken kann“, erläutert Müller-Beck. Dann folge sofort der erste Rasenschnitt.

Das erste Gras ist das weichste Gras. Je länger die Halme sind, umso schwerer lassen sie sich schneiden. Der erste Schnitt dürfe daher nicht zu kurz ausfallen, sagt Kölle. „Rund vier Zentimeter sind optimal.“ Gereinigte und geschärfte Messer des Mähers sind die Voraussetzung dafür, dass die Halme beim Schneiden nicht gequetscht werden und künftig gut in die Breite wachsen können.

Spätestens nach dem Schnitt sind jedoch kahle Stellen im Rasen unübersehbar. „Viele Lücken schließen sich durch Bestandswurzelfilz von alleine“, sagt von Wurmb. „Bei größeren beschädigten oder zerstörten Flächen ist jedoch eine Nachsaat mit einer Regenerations- oder Nachsaatmischung unverzichtbar.“ Die Aussaat sollte aber nur erfolgen, wenn die Bodentemperatur konstant über acht Grad liegt.

Wie beim Düngen gilt: Das Saatgut wird per Hand oder - bei größeren Flächen - mit einem Handwagen ausgebracht. Die Körner wachsen besser an, wenn sie leicht in die Erde eingeharkt oder mit einer dünnen Substratschicht bedeckt werden. Anschließend wird die Erde vorsichtig angegossen. Nach etwa zwei Wochen beginnt die Saat zu keimen. Jetzt brauchen die Keimlinge bis zu vier Wochen lang konstante Feuchtigkeit.

Qualität bei der Nachsaat

Saatgutvereinigungen bewerten die Qualität von Saatgut in den Stufen eins bis neun. Das ist jedoch nicht immer auf den Samenpackungen deklariert. Daher rät Angelika Kölle, Geschäftsführerin eines Gartencenters in Heilbronn: „Für den Käufer ist eine gute Orientierung: Je mehr Quadratmeter mit einem Kilogramm Saatgut begrünt werden können, umso besser ist dessen Qualität.“

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