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Hobby

Liebe auf den zweiten Blick: Knöterich

Auf dem Markt würde man die unscheinbare Pflanze glatt übersehen. Im Garten jedoch entfaltet der Knöterich seine Pracht.
Von Dorothée Waechter, dpa

Empfehlenswert unter den Sorten des Schnecken-Knöterichs ist beispielsweise der Superbum. Foto: Marion Nickig/dpa

Sehnde.Ähnlich wie Farben, Kleidung und Frisuren sind auch Pflanzen der Mode unterworfen. Eine modische Erscheinung ist der Knöterich, der in den vergangenen Jahren immer beliebter wurde. Das mag an seinem Aussehen liegen: „Die zahlreichen Knoten, die der Botaniker Nodien nennt, haben der Pflanze ihren Namen gegeben“, erläutert Gartenarchitektin Petra Pelz aus Sehnde. Oder seine aktuelle Beliebtheit liegt an seiner Flexibilität: Der Knöterich passt in viele Gartenbilder. „Manche Arten wachsen im tiefen Schatten, andere in der vollen Sonne“, sagt Pelz. Manche fühlen sich sogar am Gewässer oder Gehölzrand wohl.

„In den 70er Jahren war der Kerzenknöterich bereits recht populär“, sagt Torsten Matschiess, Gartenplaner aus Brüggen. Doch dann gab es eine Phase, in der diese Pflanze in Vergessenheit geraten ist – verwunderlich ist das nicht. Steht der Kerzenknöterich (Bistorta amplexicaulis) im Gartenmarkt auf dem Pflanzentisch, übersehe man ihn glatt, sagt Pelz. Denn im Topf macht die Pflanze nicht viel her.

Aber: „Der Kerzenknöterich braucht wenig Pflege und ist nicht durch Schnecken gefährdet“, so Gartenplaner Matschiess. Zugleich sind in den vergangenen Jahren viele neue Sorten gezüchtet worden. „Sie blühen weiß, rosa und rot in unterschiedlichen Nuancen und bringen mit den wuchtigen Laubbüschen sowie den darüber sitzenden, filigranen Blütenkerzen einen naturhaften Charme in die Gärten“, ergänzt Pelz.

Wie ein Elefantenrüssel

Ein Klassiker im Sortiment ist die Sorte Rosea. Ihre rosa Blüten bilden einen Kontrast zu den dunklen Ährenständen. Außergewöhnlich ist die lachsrosa Blütenfarbe der Sorte Orange Field, die reich und lange erblüht. Eher zierlich und schwachwüchsig ist im Vergleich dazu die Sorte Pink Elephant. Aber: „Die Blüten dieser Sorte erinnern tatsächlich an einen kleinen Elefantenrüssel“, erklärt Matschiess. Für ihn ist auch die Sorte Janet etwas Besonderes. Sie hat violett-rosa Blütenstände, die bisweilen fast waagerecht stehen. Außerdem remontiert diese Sorte gut – sie erblüht also ein zweites Mal, so dass es bei milder Witterung im Dezember noch Blüten gibt.

„Im Interesse der Züchter steht eine stärkere Blaufärbung der Blüten“, berichtet Matschiess. Die Sorte Rowden Gem kommt diesem Ziel recht nah. Für deutlich besser hält der Gartenplaner aber die Blaufärbung der Sorte September Spires.

Die lange Blütezeit ist grundsätzlich eine hervorragende Eigenschaft des Kerzenknöterichs. Sie dauert von Juli bis zu den Frösten im Herbst, was die Pflanze zu einem guten Partner für Storchenschnabel, Wiesenraute, Wiesenknopf, Herbstanemone und Gräser sowie Herbstaster macht, erklärt Pelz.

Farbkontraste im Garten

Eine besonders harmonische Kombination ergebe sich mit der Rutenhirse Heiliger Hain, denn die roten Blütenkerzen des Knöterichs spiegeln sich in den rot gefärbten Laubspitzen des Grases wider. „Spannungsreicher ist es, wenn weiße Kerzenknöteriche vor dunklen Eibenhecken gepflanzt werden“, findet Pelz. So entstehen Kontraste, und die weißen Blütenkerzen stechen in dieser Kombination hervor.

„Der Kerzenknöterich wirkt nicht einzeln, sondern sollte in Gruppen stehen“, rät die Gartenarchitektin. Das bringt seine dichten Laubbüsche zur Geltung. Matschiess empfiehlt aber, nicht mehr als drei Pflanzen der hohen Sorten pro Quadratmeter zu setzen, damit sich die Stauden prachtvoll entfalten können. Bei den kleineren Sorten rechnet Pelz mit vier bis fünf Stück pro Quadratmeter. „Die flächige Verwendung des Kerzenknöterichs hat den Vorteil, dass die Pflege erleichtert wird“, sagt Pelz. Unkraut habe hier keine Chance.

Der Kerzenknöterich fällt nach dem ersten Frost in sich zusammen. Im Winter ist er also keine Zierde mehr für den Garten. Aber er macht auch wenig Arbeit: Matschiess rät, die Blätter an Ort und Stelle verrotten zu lassen. Man braucht dann auch keinen Dünger zu geben, weil alle vorher von der Pflanze entzogenen Stoffe dem Boden wieder zugeführt werden. „Nur auf sandigen Böden sollte man gelegentlich Nährstoffe ergänzen“, empfiehlt der Gartenplaner. Neben den hohen aufrechten Knöterichen gibt es auch hervorragende Bodendecker. „Bereits sehr lange ist der Schnecken-Knöterich (Bistorta affinis) in der Verwendung“, sagt Pelz. „Die Pflanze gilt als sehr wuchsfreudig und bildet dichte, niedrige Matten.“ Sie mag einen Standort mit mäßig nährstoffreichem Boden in vorzugsweise halbschattigen Lagen. Die Expertin empfiehlt beispielsweise Sorten wie Darjeeling Red, Kabouter und Superbum.

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