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Region Amberg
Dienstag, 17. Oktober 2017 21° 3

Heimatgeschichte

Arbeit in der Landwirtschaft war hart

Auf jedem Fleckchen Erde in Schmidmühlen wurde früher etwas angebaut. Bei der Ernte mussten sich die Menschen richtig plagen.
Von Josef Popp

Das Foto aus Eglsee zeigt die Ernte und das Dreschen in den 1940er Jahren. Foto: Heimatkundlicher Arbeitskreis

Schmidmühlen.Ein Blick in die Landschaft zeigt: Die Felder sind bis auf den Mais und wenige Getreidefelder abgeerntet. Der Herbst wirft seine Schatten voraus. Dauerte früher die Ernte viele Wochen, ist diese Arbeit heute oft innerhalb weniger Tage oder auch Stunden erledigt. Auch wenn es im Hauptort der Gemeinde Schmidmühlen keinen hauptberuflichen Bauern mehr gibt, so prägte die Landwirtschaft über Jahrhunderte das Landschaftsbild und das Zusammenleben – auch heute.

Auch steilste Hänge wurden bearbeitet

Wer sich mit Schmidmühlens Geschichte auseinandersetzt, kommt an der Landwirtschaft nicht vorbei – und sie ist auch im Heimatkalender mit dem Bild für August verewigt. Noch bis Ende der 1950er Jahre waren sehr viele Haushalte mit der Landwirtschaft verbunden: Sei es mit Ackerland oder Wiese, mit Großvieh oder einem Handwerksbetrieb, der auf die Landwirtschaft ausgerichtet war, oder auch „nur“ mit Federvieh, ob Hühner, Enten oder Gänse. Was nicht selbst genutzt wurde, wurde verkauft.

Viele erinnern sich auch noch an die Zeit, als man zum Hüten das Vieh aus dem Ort trieb oder zum „Erdäpfelklauben“ auf den Acker fuhr. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Gemeinde jedes Fleckchen Erde landwirtschaftlich genutzt; sogar die steilsten Hänge wurden mit Holzpflug und Kuhgespann bearbeitet.

Viele Früchte von Feldern verschwunden

Zum Führen des Gespanns war immer eine zweite Person notwendig, da die Tiere immer nach unten drückten und ohne Führung nicht in den Furchen blieben, erinnerte sich Ortsheimatpfleger Franz Xaver Eichenseer im Heimatbuch. Flächen, die mit dem Pflug nicht mehr erreichbar waren oder bearbeitet werden konnten, wurden mit der Stockhaube per Hand umgegraben.

Im Juni und Juli waren die Täler und Berge im Vils- und Lauterachtal bebaut mit Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Linsen, Wicken, blaublühendem Flachs, Kartoffeln, Kraut und Klee. Damals war dieser Anblick wohl ein Erlebnis. Doch viele dieser Früchte werden schon seit vielen Jahren nicht mehr angebaut. Mais, Raps oder auch Getreide dominieren.

Das Dreschen war sehr anstrengend

Der Heimat- und Volkstrachtenverein zeigt das Drischl-Dreschen wie einst immer wieder auch beim Marktfest. Foto: Archiv ajp

Getreide war allerdings auch schon früher wichtig. Der Schnitt mit der Sichel begann an den Berghängen Mitte Juli. Ein Mähen mit der Sense, wie in den ebenen Feldern und in den Tälern, war dort wegen der Furchen nicht möglich. Das geschnittene Getreide wurde auf dem Acker zum Trocknen ausgebreitet. Danach wurde es auf selbst gemachte Strohbänder gelegt, mit dem „Binagl“ in Garben gebunden und, auf dem Erntewagen hoch aufgeschichtet, in die Scheune gefahren.

Das Dreschen erfolgte bis zur Jahrhundertwende hauptsächlich mit der Drischel auf der Tenne – eine Tätigkeit, die der Heimat- und Volkstrachtenverein immer wieder beim Marktfest zeigt. Das Drischeldreschen im Takt hörte sich bei drei und vier Dreschern so an: „I und Du, Du und I, willst oder willst niat, willst oder…“

Eine Verbesserung brachten die ersten Maschinen. So taten sich einige größere Landwirte zusammen und schafften eine Dampfdreschmaschine an. Mit etwa zehn Arbeitskräften wurden am Tag 15 bis 20 Schober (ein Schober = 60 Garben) fix und fertig ausgedroschen. Mit der Drischel waren vier Leute monatelang beschäftigt.

Nur Grünfutter für das Vieh

Die Viehhaltung damals ist mit der heutigen nicht mehr zu vergleichen. Das Vieh wurde im Sommer hauptsächlich mit Klee und Gras, Runkel- und Dorschenblättern gefüttert. An den Feld- und Wegrainen wurde gegrast, die Frauen trugen mit der Kirm Gras nach Hause. Im Winter gab es für das Vieh nur Strohhäcksel mit etwas Heu und abends aus dem Brühzuber bebrühtes „Gsot“ mit kleinen Zutaten wie Viehsalz oder Futterkalk. Die Häcksel mussten im Strohschneider mit der Hand geschnitten werden.

Das stand früher auf der Speisekarte

  • Suppen

    Wasserschnalz’n, auch Brotsuppe genannt, Einbrennsuppe, Schnittnudelsuppe, Buttermilchsuppe, Biersuppe, Linsen- und Erbsensuppe

  • Gemüse

    Salate, Kohlrabi, Bohnen, gelbe Rüben, rote Rüben, Dorschengemüse, Sauer- und Rübenkraut

  • Fleischspeisen

    Wochentags manchmal Geräuchertes mit Kraut, sonntags Geräuchertes mit Reiberknödel, manchmal Leberknödel; Frischfleisch gab es nur an den hohen Festtagen.

  • Mehlspeisen

    Auflauf, Pfannenkuchen, Spoz’n, Nudel-Drahdewixpfeifferln, Bauchstecherln, Kartoffelnudeln, Kartoffeldatschn, Schmarrn, Maultaschen oder Strudel, Dampfnudel, Rohrnudel gefüllt, in der gusseisernen Rain und in der Röhre gebacken, Goldschnitten, Küchel, Vög’l und Haslohren, Eierschnalz und Ochsenaugn

  • Kaffee

    Gedörrte Runkelrüben als Mangelkaffee, in der Kaffeemühle gemahlen, und Gerstenmalzkaffee (ajp)

Kraut spendete Vitamine im Winter

Roumkraut nach alter Tradition haben Schmidmühlener Trachtler für das Wirtshausgespräch im Jahr 2014 hergestellt; im Bild Maria Schafberger, Franziska „Fanny“ Meier, Markus Mehringer und Ida Meyer beim Probieren. Foto: ajp

Als Vitaminspender für die Familie wurde im Herbst Kraut eingemacht. Mit dem Krautbohrer wurden die Krautköpfe hergerichtet und gelagert, bis der bestellte Krauthobler kam; in Schmidmühlen gab es davon zwei. Das gehobelte Kraut wurde dann in Standen aus Holz oder Stein mit Salz festgetreten, mit Krautblättern abgedeckt und mit Steinen beschwert. Es konnte dann gären.

Zusätzlich gab es im Winter Birnenhutzel oder getrocknete Zwetschgen, deren Brühe ein besonders geschmackvolles Getränk war. Die Birnen und Zwetschgen wurden im gemauerten Backofen nach dem Brotbacken getrocknet bzw. gedörrt. Brot wurde alle drei bis vier Wochen selbst gebacken.

Hausschlachtung war ein Familienfest

Für die Hausschlachtung im Winter wurden ein bis zwei Schweine mit gedämpften Kartoffeln, Rüben, Kleie und Dorschen ein Jahr lang gefüttert. Eine solche Schlachtung war immer ein großes Familienfest. Es gab Metzelsuppe (Wurstsuppe), Leber- und Blutwürste, Presssack und Bratwürste. Das Fleisch wurde in Holzzubern eingesalzen und musste vier bis sechs Wochen suren. Dann kam es in den Kamin oder in die Räucherkammer, bis es schön goldgelb bis braun war.

Die Arbeit war hart, die Löhne niedrig. So bekam um die Jahrhundertwende ein Knecht 120 Mark im Jahr, die erste Magd 100 Mark, die zweite 80 Mark, ein Hirtenbub bedeutend weniger. Kranken- und Altersversicherung gab es nicht oder ganz selten. Ältere, die immer ledig blieben, konnten auf einem Hof das Gnadenbrot bekommen, sobald sie viele Jahre dort arbeiteten. Manche Bauern haben diese Leute aber schwer ausgenützt und geschunden. Der Lohn wurde erst am Ende eines Jahres ausgezahlt – an Lichtmess.

Der Hopfenanbau war einträglich

Alte Steinmauern erinnern noch an die früheren Hopfengärten in Schmidmühlen. Foto: Archiv ajp

Über Jahrhunderte war in Schmidmühlen auch der Hopfenanbau ein sehr einträgliches Geschäft. Die Häuser im Ortszentrum, die Bierkeller und die Hopfengärten zeugen heute noch davon. Nachweisbar besaßen die Schmidmühlener vor mehr als 400 Jahren schon Hopfengärten, die Abgabe von Hopfenzehent war damals schon Pflicht. Der Hopfenanbau brachte für Schmidmühlen einen gewissen Wohlstand und für die Tagelöhner Arbeit und Brot. Als „Siegelhopfen“ war er einer der Besten und fand reißenden Absatz. Doch auch damals galt schon: „Der Hopfen will jeden Tag seinen Herrn sehen.“

1867 wurde zum ersten Mal die Hälfte des Hopfens durch Kupferbrand rot. Da es damals gegen diese neue Krankheit noch keine Mittel gab, wurde der Anbau immer unrentabler. Die Bauern hatten immer mehr Schulden und gingen schließlich pleite. Nach der Jahrhundertwende gab es in Schmidmühlen noch drei Hopfenbauern, der letzte warf noch vor dem Zweiten Weltkrieg das Handtuch.

Die Hopfengärten im Lauterachtal sind oberhalb des Sportplatzes noch gut zu erkennen. Sie wurden durch bis zu einem Meter hohe, aufgeschichtete Steinmauern vor den Hochwassern geschützt – Steine, die aus anderen Gegenden angeliefert wurden.

Die Geschichten, die sich Jahr für Jahr hinter den historischen Aufnahmen in den Schmidmühlener Heimatkalendern verbergen, finden Sie in unserem MZ-Spezial!

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  • MH
    Max Heimerl
    05.08.2017 08:58

    Flucht in die Heimat, so nenne ich die Wanderung von Anfang Juni 2016. Die vermutlich gleiche Strecke die meine Großeltern und Eltern mütterlicherseits 1945 bei der Vertreibung geflüchtet sind : http://i64.tinypic.com/fz3q8m.jpg Während die Bauern im oberpfälzer Schmidmühlen jeden Winkel Erde angebaut haben und die Ernte einbrachten gingen im böhmischen Muttersdorf ebenfalls fleißige Hände ihren Tagwerk nach. https://goo.gl/photos/nygPZJoVtrz1vFZF7 https://www.outdooractive.com/de/wanderung/oberpfaelzer-wald/flucht-in-die-vergangenheit/106471707/

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