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Region Amberg
Dienstag, 26. Juli 2016 26° 8

Protest

Demo gegen „Politik des Ignorierens“

Gut 250 Menschen haben am Samstag gegen Rechtsextreme und die angebliche Politik des Verdrängens der Stadt Amberg demonstriert.
Von Thomas Göttinger

Mit Transparenten zogen die Demonstranten vom Paulanerplatz über Altstadtring und Malteserplatz zur Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz. Foto: ttg

AMBERG.Aufgerufen zu der Protestkundgebung hatte die „Ver.di Jugend Oberpfalz“, die Jugendorganisation der Dienstleistungsgewerkschaft „Ver.di“. In dem Aufruf zur Demonstration, die unter dem Motto „Enough ist enough – Der Politik des Verdrängens und Ignorierens entgegentreten“ stand, hieß es: „Immer öfter kommt es in Amberg zu neofaschistischen Übergriffen. Obwohl Angriffe auf Andersdenkende in Amberg inzwischen zur Normalität gehören und die Amberger Neonaziszene in bayern- und bundesweite Strukturen eingebunden ist, leugnet man, dass eine rechte Szene in Amberg überhaupt existiert.“

Die laut Polizeiangaben rund 250 Teilnehmer zogen mit Sprechchören wie „Amberg, Amberg, Nazi-Stadt, wir haben dich zum Kotzen satt“ vom Paulanerplatz über Altstadtring und Malteserplatz zur Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz. Zwischenkundgebungen gab es vor der CSU-Geschäftsstelle in der Schlachthausstraße sowie im Englischen Garten.

Dort übergab „Ver.di“-Bezirksvorsitzender Manfred Hellwig eine Gedenktafel an die Stadt, die an Klaus Peter Beer erinnern soll. Beer war nach Angaben der Gewerkschaft vor 15 Jahren, am 7. September 1995, von zwei Amberger Neonazis bewusstlos geschlagen und in die Vils geworfen worden, wo er ertrank. Der Grund für seine Ermordung sei alleine seine Homosexualität gewesen, und dass „er nicht in das faschistische Weltbild seiner Mörder passte“. Die Stadt Amberg habe sich bis heute nicht mit diesem Ereignis auseinandergesetzt, hieß es vonseiten der Gewerkschaft. Die Gedenktafel wurde auf dem Geländer des Vilssteges angebracht.

Im Vorfeld der Demonstration hatte es Befürchtungen gegeben, dass es zu Zusammenstößen mit Rechtsextremen kommen könnte. Nach Informationen der Mittelbayerischen Zeitung hielten sich auch um die 30 Rechte in der Stadt auf. Der rund zweieinhalbstündige Demonstrationszug durch die Stadt verlief allerdings weitestgehend störungsfrei. Die Polizei berichtet lediglich von einem kleinen Zwischenfall, als auf dem Kaiser-Wilhelm-Ring, Höhe Kugelbühlstraße, eine Gruppe Rechter in der Nähe des Zuges auftauchte. Den Polizeikräften sei es allerdings gelungen, an dieser Stelle ein direktes Aufeinandertreffen beider Gruppen zu verhindern und die Versammlungsteilnehmer zur Fortsetzung des Zuges zu bewegen.

Bei dieser Aktion ist ein Polizeibeamter durch den Wurf eines Feuerzeuges leicht verletzt worden, wie es im Polizeibericht heißt. Würfe von Eiern und einem Feuerwerkskörper hätten hingegen zu keinen Schäden bzw. keinen Verletzungen geführt. Die Polizei hatte während der ganzen Veranstaltung zwar deutliche Präsenz gezeigt, aber auch zurückhaltend reagiert. Sogenannte „Seitentransparente“, obwohl eigentlich nicht zugelassen, wurden von den Einsatzkräften toleriert – selbst dann, als die Demo-Teilnehmer einer Aufforderung, sie wegzunehmen, nicht nachkamen.

Während des Demonstrationszuges wurde der fließende Verkehr um die Altstadt durch kurzzeitige Absperrmaßnahmen eingeschränkt. Die Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz, auf der noch einmal der Vorwurf an Politik und Polizei in Amberg erhoben wurde, sie würden rechte Umtriebe in der Stadt ignorieren bzw. herunter spielen, verlief ohne Zwischenfälle. Und auch bei der Abwanderung der Teilnehmer nach der Veranstaltung ging reibungslos vonstatten.

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