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Region Amberg
Samstag, 25. November 2017 7

Zeitgeschen

Der Nahe Osten als Spielball der Mächte

Die bekannte TV-Reporterin und Politologin Dr. Antonia Rados referierte bei der Volks- und Raiffeisenbank Amberg.

Die Politologin Dr. Antonia Rados bei ihrem Vortrag im ACC.Foto: age

Amberg. „Dieser Frau hört man gerne zu!“ So fasste Andreas Reindl, Vorstand der Amberger Volks- und Raiffeisenbank als Veranstalter, die Stimmung des bis zum letzten Platz gefüllten Saals im ACC zusammen. Das Klischee einer Kriegsreporterin, die nur Sensationen liefert, habe sie, so Reindl, gar nicht bedient, das wollte sie aber auch gar nicht. Dr. Antonia Rados, die aus den Nachrichtensendungen bekannte Journalistin und Nahost-Expertin, lieferte mit viel historischem Hintergrundwissen nicht nur Erklärungen für die Verhältnisse im Nahen Osten, der größten Krisenregion der Welt, sondern erzeugte sogar auch ein wenig Verständnis dafür.

„Ein gewisses Chaos hat schon immer zum Nahen Osten gehört“, erklärte die Journalistin gleich zu Beginn ihres Vortrags. Das habe aber auch eine positive Seite, denn dadurch seien immer neue Innovationen entstanden. Ab dem 7. Jahrhundert entwickelte sich mit dem Propheten Mohammed ein riesiges islamisches Reich sogar über das Mittelmeer hinaus bis nach Spanien „Der Nahe Osten war jahrhundertelang der Nabel der Welt“, betonte Dr. Rados. Reichtum und eine hochstehende Kultur seien die Folge gewesen. Mit den aus der Mongolei einfallenden Horden von Dschingis Khan änderte sich das aber schlagartig. Die Mongolen vernichteten große Schätze der Hochkultur, zogen marodierend einen Streifen der Zerstörung hinter sich her. Irans Bevölkerung zum Beispiel erholte sich zahlenmäßig erst wieder im 20 Jahrhundert von dem damals erlittenen Bevölkerungsschwund. Mit der Eroberung des damaligen Byzanz, heute Istanbul, entstand eine ganz neue Macht in der Region, das Osmanische Reich der Türken. Bis Ende des 19. Jahrhundert war alles geprägt von diesem Osmanischen Reich.

Europa und Amerika interessierten sich erst Anfang des 20. Jahrhunderts für die Region, als Erdöl gefunden wurde. „Das 20. Jahrhundert war das Jahrhundert des Erdöls“, betonte die Journalistin. Heute stehe die Region wieder am Rande des Zusammenbruchs. Die Bedeutung des Erdöls und damit das Interesse der Industrienationen an der Region nehme infolge der steigenden Produktion regenerativer Energien ab, in gleichem Maße steige dafür der Einfluss des türkischen Präsidenten Erdogan. „Die neuen Mächte im Nahen Osten heißen heute Türkei und Iran, und beide schauen jetzt in die andere Richtung, nämlich nach Osten, nach Asien bzw. China“, erklärte Rados. In der Türkei würde die Mehrheit gar nicht mehr den Eintritt in die EU befürworten. Eine erfolgreiche Türkei-Politik, davon ist Rados überzeugt, könne Europa nur gelingen, wenn es mit einer Stimme spreche.

Wenn sie mit der Frage konfrontiert wird, wie aus ihrer Sicht die Zukunft des Nahen Ostens aussehe, verhält sie sich bei der Antwort am liebsten so wie die erfahrenen Propheten dieses Morgenlandes, die warten nämlich lieber die Ereignisse ab. (age)

Der Werdegang

  • Dr. Antonia Rados

    ist 1953 in Klagenfurt geboren, lebt heute in Paris. Die promovierte Politologin war Korrespondentin u.a. in Chile, Südafrika, Somalia, Afghanistan, Iran.

  • Für die TV-Sender RTL, ntv und ZDF

    berichtete sie aus vielen Krisenregionen.

  • 2003 sorgte sie für Aufsehen

    , als sie im zweiten Golfkrieg im Irak live aus dem von den Alliierten bombardierten Bagdad berichtete.

  • zahlreiche Auszeichnungen wie z. B. den Bayerischen und den Deutschen Fernsehpreis.

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