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Region Amberg
Montag, 20. November 2017 10

Abschluss

Die Besucher standen und staunten

Ensdorfs Pfarrkirche St. Jakobus gab bei der Renovierung Geschichten frei – darunter die von den Schrotkugeln in der Decke.
Von Hans Babl

  • Die Besucher gingen in der Pfarrkirche auf „Entdeckungsreise“. Foto: Babl
  • Architektin Carola Setz fesselte die Kirchenbesucher mit ihren Geschichten rund um die Renovierung. Foto: Babl

Ensdorf.Nach dem Sonntagsgottesdienst, den die Blaskapelle Ensdorf unter Leitung von Hubert Haller mit fulminanten Klängen musikalisch umrahmte, blieben viele Besucher in der Pfarrkirche, um dem Bericht von Architektin Carola Setz über die große Innenrenovierung zu lauschen. „Jedes Gebäude hat seine Geschichte. Gerade bei großen Renovierungsarbeiten interessieren wir uns sehr für diese Geschichte“, sagte die Planerin und verwies auf die Festschrift „300 Jahre Ensdorfer Pfarrkirche“, die diese kurzweilig wiedergebe. Einige der Geschichten wurden bei den vierjährigen Restaurierungsarbeiten aufgedeckt und sind nicht im Kirchenführer beschrieben. Die Architektin brachte sie den Gläubigen nahe. So gibt es in der Ensdorfer Pfarrkirche St. Jakobus auch Tiere, ja gefräßige Monster, zu entdecken.

Kampf gegen Ungläubige

Etwa die Pferde im großen mittleren Deckenfresko beim „Kampf gegen die Ungläubigen“, aber auch Igel, Löwe und Adler vor allem in den Assistenzbildern. Oder den unter Firnisschichten wiederentdeckten kleinen Hund rechts unten am Hochaltarbild, die wiedergefundene Schlange im Kelch des Johannes, die Tiere der „Vergangenheit“.

Eine Besonderheit: der neue Volksaltar aus Kelheimer Kalkstein Foto: Babl

Eine weitere Überraschung: Schrotkugeln im und am Kuppelfresko. Wahrscheinlich wurden in früherer Zeit in die Kirche eingeflogene Vögel erschossen, wusste Carola Setz zu berichten. Dann berichtete sie über den „Kampf gegen Tiere bei der Restaurierung“ und die groß angelegte Vergasung der Holzwürmer, die große Schäden angerichtet hatten.

„Restaurieren ist ein Kampf gegen Zerstörung“, betonte die Architektin. „Die Kämpfer sind die Kirchenmaler und Restauratoren, die Feinde sind der Schmutz und der Zahn der Zeit, das ‚Schlachtfeld‘ sind die Kunstwerke.“

Dies klinge sehr heroisch, sei aber die Arbeit des Sisyphus: reinigen, ergänzen und retuschieren – manchmal puzzeln. Als Beispiel nannte sie das Orgelgehäuse. Insgesamt mussten hier und in der Sakristei mehr als 100 kleinste Holzteilchen, die sich gelöst hatten, „zusammengepuzzelt“ werden.

„Restaurieren ist ein Kampf gegen Zerstörung. Die Kämpfer sind die Kirchenmaler und Restauratoren, die Feinde sind der Schmutz und der Zahn der Zeit, das ‚Schlachtfeld‘ sind die Kunstwerke.“

Architektin Carola Setz

Carola Setz berichtete auch über den Umgang mit historischen Kunstwerken. Etwa über die Kuriosität des Nagels im Stuckkranz des Kuppelfreskos. „Ob als Halterung für ein Schnurgerüst oder als vergessenes Behelfsbauteil einer früheren Einhausung – wir wissen es nicht.“ Ein Restaurator habe gemeint: „Vielleicht ist es der Nagel, an den die Restauratoren ihren Beruf hängen, wenn sie der großen Aufgabe nicht gerecht werden“. Bezüglich neuer Kunstwerke erwähnte sie den Altarstein, den Ambo und den neuen Sockel des Taufsteins. Der dafür verwendete Kalkstein kommt aus einem Steinbruch bei Kelheim.

Rätselhafter Leichenfund

Dann berichtete sie über „alte Knochen“ und einen „Leichenfund“. Alte Knochen – Reliquien der Heiligen Timotheus und Aurelia – waren schon im vorherigen hölzernen Volksaltar in einem Reliquienschrein verortet. Dieser wurde vor zwei Wochen bei der Altarweihe feierlich von Bischof Rudolf Voderholzer in das Reliquiengrab vor dem Altar eingesetzt. Auch von einem Leichenfund ist zu berichten. Im Zuge der Restaurierungsarbeiten am Bodenbelag wurden auch Elektroleitungen für die Temperierung des Kirchengestühls verlegt.

Die Leitungstrassen wurden in Bereichen angelegt, in denen der Boden sowieso stark beschädigt war. Die Platten mussten daher ohnehin aufgenommen und restauriert werden. Einer dieser Bereiche war im hinteren Drittel des Mittelganges. Hierbei brach die Tragschicht der Natursteinplatten ein. Zutage kamen Holzreste und Teile eines Gerippes. Obwohl in den Archivalien keinerlei Bestattungen erwähnt waren, fand offensichtlich mindestens eine Bestattung im Kirchenraum statt.

Es erfolgte ein kurzfristiger Termin mit den Archäologen des Landesamtes, bei dem festgelegt wurde, diesen Bereich nicht weiter zu öffnen, die Gebeine an der Stelle zu belassen, den Fund zu dokumentieren und sie wieder zu verschließen. Wer hier bestattet ist, ist unbekannt. „Die Stelle ist mit einem kleinen Kreuz in der Bodenplatte markiert“, berichtete Architektin Carola Setz.

Im Anschluss an ihre Ausführungen konnten die Kirchenbesucher im Kirchenraum und in der Sakristei auf „Entdeckungsreise“ gehen. Setz stand für weitere Fragen zur Verfügung.

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