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Montag, 20. November 2017 10

Menschen

Die Versöhnung liegt ihm am Herzen

Joseph Uwitonze will mit seinen Studien in Deutschland für seine Heimat Ruanda etwas bewirken. Erneut wirkt er nun in Rieden.
Von Hans Babl

Priester Joseph Uwitonze mit einer Klasse des Internatsgymnasiums in Ruanda, das er vier Jahre geleitet hat. Foto: Privatarchiv Joseph Uwitonze

Rieden.Der katholische Pfarrer Gottfried Schubach ist im wohlverdienten Urlaub. Doch wer betreut derweil die „Amtsgeschäfte“ der Pfarrei? Wer hält nun die Gottesdienste? Seit zwei Jahren schon übernimmt diese Aufgabe Joseph Uwitonze aus Ruanda als Urlaubsvertretung. Vier Wochen ist er „Chef“ der Pfarrei Mariä Himmelfahrt Rieden, macht in seinen Semesterferien als „Aushilfspfarrer“ Dienst in der Pfarrei im Vilstal.

Joseph Uwitonze wurde am 1. Mai 1991 in Ruanda geboren. Sein inzwischen verstorbener Vater Isaie war Rechtsanwalt, seine Mutter Valerie Krankenschwester. Er wuchs zusammen mit sechs Brüdern und zwei Schwestern auf und besuchte zunächst sechs Jahre die Grundschule.

Die Stimme des Herrn gehört

Joseph Uwitonze wirkt als Urlaubsvertretung für Pfarrer Gottfried Schubach wieder in Rieden. Foto: Babl

Dann trat er ins Knabenseminar der Diözese Kibungo ein und machte einen Abschluss, vergleichbar mit dem deutschen Abitur. „Da ist auch meine Berufung zum Priestertum entstanden“, erzählt er. „Die tiefe Gläubigkeit meiner Familie hat mir sehr geholfen, die Stimme des Herrn zu hören.“

Obwohl er ein Stipendium für das Studium an einer Universität hatte, trat Joseph Uwitonze ins Priesterseminar ein, denn er „fühlte sich ganz klar berufen zum Priestertum“. Ein Jahr absolvierte er das Propädeutikum, studierte zwei Jahre Philosophie und vier Jahre Theologie. Nach einem einjährigen Praktikum in einer Pfarrei wurde er am 25. Juli 2008, dem Fest des Hl. Jakobus des Älteren, in seiner Heimatdiözese zum Diakon und am 26. Juli 2009 zum Priester geweiht. Sein Primizspruch lautet: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens (Joh. 6.68).“

Ein Internats-Gymnasium geleitet

Rund 400 Schüler hat das Internats-Gymnasium, das der Priester Joseph Uwitonze in Ruanda geleitet hat. Foto: Privatarchiv Joseph Uwitonze

Ein Jahr war er dann Kaplan in der Pfarrei Zaza in Ruanda, danach wies ihm sein Bischof eine neue Aufgabe zu: die Leitung eines Internats-Gymnasiums mit rund 400 Schülerinnen und Schülern. Gleichzeitig absolvierte er eine zweijährige Lehrerausbildung, studierte dabei vor allem Psychologie und Pädagogik. Vier Jahre leitete Joseph Uwitonze das Gymnasium.

Dann ging er im September 2014 zu einem weiteren „vertiefenden Bibelstudium im Bereich des Alten Testaments“ nach Deutschland, nachdem er dazu ein Stipendium der katholischen Universität Eichstätt bekommen hatte. Dort wohnt er im Priesterseminar. Ziel seines Studiums ist die Promotion. Acht Monate lang lernte er zunächst die deutsche Sprache – jetzt studiert er schon im sechsten Semester. Schwerpunkt seiner Studien ist die „Versöhnung unter den Menschen im Licht der Jakob- und Esau-Geschichte“, erläutert Joseph Uwitonze.

Die Wunden des Genozids heilen

Joseph Uwitonze feiert die Messe in seiner Heimat. Foto: Privatarchiv Joseph Uwitonze

„Das hat auch mit der Geschichte meines Heimatlandes zu tun“, betont er. „1994 vor 23 Jahren gab es einen großen Genozid gegen die Tutsi, bei dem fast eine Million Menschen umgebracht wurden. Die Wunden der Überlebenden, Angehörigen und auch der Teilnehmer am Genozid sind noch nicht geheilt. Wir müssen Schritte der Versöhnung machen! Von daher stammt die Idee, mich mit Versöhnung zu befassen, die wir dringend brauchen.“

Und Joseph Uwitonze ist überzeugt: „Dazu brauchen wir die Kirche und die Regierung. Wir wollen helfen zur Versöhnung. Die Bibel kann uns helfen, diesen Schritt zu machen“, ist er überzeugt. Mit dem Studium der Bibelwissenschaft könne man zu dem Punkt kommen, „der uns hilft in unserem Leben und so dass ich meiner Gesellschaft als Priester helfen kann.“

„Ich bin dankbar, dass ich hier in einer ganz offenen Gesellschaft studieren darf“, betont Priester Joseph Uwitonze. Er bewundert die Entwicklung in Deutschland. „Ich freue mich aber auch über den Frieden in Ruanda, dass Leute Zukunft und Perspektiven haben.“ Die Jugend wisse oft nicht, wohin. „Von Deutschland kann man lernen, Leben vorzubereiten.“

Die Kirche in Ruanda

  • Immer mehr Gläubige

    Zur Situation der Kirche in Ruanda erklärt Joseph Uwitonze, dass es in seiner Heimat viele engagierte Gläubige gebe. „Die meisten Pfarreien sind von den Gläubigen gebaut, deren Zahl immer größer wird.“

  • Menschen bringen sich ein

    Die Gläubigen würden trotz ihrer Armut das spenden, was sie erübrigen können, und beim Bau von Kirchen helfen. 80 Prozent für den Bau kommen von den Gläubigen.

  • Engagement ist ein Segen

    Die Kirchen gehören nicht dem Bischof oder dem Pfarrer, sondern der Gemeinde. „Das ist ein Segen für uns“, so Joseph Uwitonze.

  • Besonderes Jubiläum

    In diesem Jahr feiert die Kirche in Ruanda ein ganz besonderes Fest: 100 Jahre einheimisches Priestertum. Vor genau hundert Jahren wurde der erste Einheimische zum Priester geweiht. Zuvor gab es nur Missionare der „Weißen Väter“. (abl)

Sprache hilft, sich zu verstehen

Er habe nur gute Erfahrungen in Deutschland gemacht, Rassismus hier noch nie erlebt. „Integration ist keine Einbahnstraße!“, hebt er hervor. Sprache sei wichtig zum gegenseitigen Verständnis und zur Kommunikation. „Sprache hilft, sich zu verständigen, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, sich zu verstehen.“ Deshalb sollte man die andere Sprache schnell lernen“, betont Uwitonze. Das habe er auch gemacht – und d damit habe er gute Erfahrungen gemacht und keine Probleme gehabt.

Auf die Frage, wie er zum „Aushilfspfarrer“ in Rieden geworden sei, erzählt Priester Joseph Uwitonze, dass ein Riedener auch in Eichstätt studiere. Nach Kontakten mit Pfarrer Gottfried Schubach habe er zunächst Weihnachten 2015 in Rieden ausgeholfen. Dann habe er sich bei der Diözese Regensburg um die Urlaubsvertretung in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt Rieden beworben, was genehmigt worden sei.

Jetzt vertritt er während seiner Semesterferien zum zweiten Mal Pfarrer Schubach vier Wochen während dessen wohlverdienten Urlaubs. Dabei gehe es ihm nicht um einen kleinen Job oder das Geldverdienen, betont er. „Sondern um als Priester der Gemeinde zu dienen. Meine Berufung ist das Priestertum. Auf Zeit diene ich eben der Pfarrgemeinde Rieden.“

Die Freundlichkeit freut ihn

Joseph Uwitonze liebt Geselligkeit, wie das Foto vom Vilstalfest 2016 zeigt: von links Bürgermeister Erwin Geitner, Hedwig Färber, Bräupaar Angelika und Josef Winkler, Pfarrer Gottfried Schubach, Pater Marcel Uwineza und Joseph Uwitonze aus Ruanda sowie Altbürgermeister Gotthard Färber. Foto: abl

Er freut sich, dass ihn die Leute sehr nett und freundlich mit „Pfarrer Joseph“ grüßen, obwohl er sie oft nur vom Gesicht her kenne. „Ich freue mich über die freundliche und freundschaftliche Aufnahme“, macht Joseph Uwitonze deutlich.

Und auf die Frage, ob er Hobbys habe, antwortet Joseph Uwitonze gleich. „Ich mag Sport, spiele aktiv Volleyball, schau gerne Fußball, wenn ich Zeit habe, und lese gerne. Ich mag aber auch gerne in Gesellschaft sein.“ Dazu hatte er beispielsweise erst jüngst beim Vilstalfest in Rieden wieder eine gute Gelegenheit.

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