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Region Amberg
Sonntag, 17. Dezember 2017 10

Politik

Einsetzen für moderne, saubere Mobilität

Simone Peter, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, kam zum Erfahrungsaustausch über Elektromobilität nach Amberg.
Von Hans Babl

Mit grünem E-Fahrzeug und grünem Dienstfahrrad kam Simone Peter, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, nach Amberg. Begrüßt wurde sie vom Kreisvorsitzenden Hans-Jürgen Bumes. Foto: Babl

Amberg.Auf „Deutschland-Tour“ kam sie am Dienstag mit ihrem grünen BMW 530e hybrid mit dem auffälligen grünen Dienstfahrrad auf dem Dach im Biergarten des Gasthauses Lotter an: die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Simone Peter. Vorher hatte sie noch einen Stopp am Landratsamt Amberg-Sulzbach eingelegt und ihr Fahrzeug mit Öko-Strom betankt, bevor sie mit Grünen-Stadtrat und Kreisvorsitzendem Hans-Jürgen Bumes sowie elf weiteren Grünen und „E-Mobilisten“ das Thema Elektromobilität diskutierte.

Enge Verflechtung

Bumes sprach gleich zu Beginn den „Diesel-Skandal“ und das „Kartell der Autobauer“ an. Die „enge Verflechtung von Politik und Autoindustrie“ zeige den „Nichtwillen der deutschen Politik gegenüber E-Mobilität“, kritisierte er. Käufer müssten motiviert werden, auf E-Fahrzeuge umzusteigen, forderte Bumes; China sei da ein Vorbild.

Bundesvorsitzende Simone Peter betonte, dass man sich „auf den Weg machen“ müsse, und hob die Verbindung zu Ökologie und Öko-Strom hervor, die sie schon über zwei Jahrzehnte bewege. „Wir haben die Potenziale“, zeigte sie sich überzeugt. „Strom, Wärme und E-Mobilität hängen zusammen.“ Wichtig sei es, mit Industrie und Umweltverbänden zu diskutieren. Es müsse möglich sein, die Arbeitsplätze zu erhalten und zugleich E-Mobilität zu schaffen. „Bisher haben die Konzerne abgeblockt, auch die CSU in Bayern. Wegen Diesel werden wir sehr schnell Änderungen schaffen“, so Simone Peter.

Diesel-Gipfel: ein Armutszeugnis

Jetzt gelte es, den Rahmen zu setzen für mehr E-Mobilität. Eine E-Infrastruktur mit E-Tankstellen müsse geschaffen werden, nachdenken müsse man auch über Prämien für E-Autos. Alte Diesel dürften nicht in neue umgetauscht werden, die die Abgasnormen ebenfalls nicht erfüllen, machte sie deutlich. „Wir wollen moderne, saubere Mobilität, nicht nur E-Autos, auch E-Bikes und E-Roller.“

„Wir haben die Potenziale.“

Simone Peter zur E-Mobilität

Den Diesel-Gipfel bezeichnete die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen als „Armutszeugnis“. „Die Niederlande, Norwegen und Frankreich zum Beispiel steigen aus dem Diesel bereits aus. Wir wollen ordentliche Rahmenbedingungen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen“, sagte Simone Peter.

Die Bahn elektrifizieren

Simone Peter, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, mit Hans-Jürgen Bumes, Amberger Grünen-Stadtrat und Kreisvorsitzender Foto: Babl

Ein Gesprächsteilnehmer, ein Befürworter des öffentlichen Nahverkehrs, forderte, dass man sich nicht nur auf E-Autos konzentriere, sondern auch die Bahn elektrifiziere. In der Stadt könnte man E-Mobilität auch durch Zusammenlegen von Car-Sharing für Gewerbliche und Private erreichen, öffentliche Busse und Bahnen damit vernetzen. Schließlich wollten in Städten immer weniger Menschen mit dem Auto fahren.

„Wir brauchen nicht mehr Autohersteller, sondern Mobilitätsanbieter“, so ein anderer. Nach Prognosen werde sich bald der Güterverkehr auf der Straße verdoppeln. Die Forderung daher: „Die Bahn pushen!“. Ein anderer Vorschlag: Pkw-Maut, damit Leute mit der Bahn fahren und wegkommen vom Individualverkehr. Simone Peter sagte, sie sei für bessere Vernetzung, der Pkw-Maut stehe sie aber „kritisch“ gegenüber.

Car-Sharing auf dem Land schwierig

Angesprochen wurde auch die Bahnmagistrale Paris–Prag. Gefordert wurde, die Bahnstrecke ab Amberg in die Dringlichkeitsstufe für den zweigleisigen Ausbau und die Elektrifizierung aufzunehmen. Und: „Car-Sharing im ländlichen Raum kommt nicht in Fahrt“, gab einer zu bedenken. Unter anderem wegen der Pendler-Problematik könne man die individuelle Mobilität im ländlichen Raum nicht abschaffen. „Die brauchen wir auf den Dörfern und kleineren Städten! Im ländlichen Raum müssen individuelle Möglichkeiten geschaffen werden“, hieß es. Simone Peter schlug vor, kommunale, besonders E-Fahrzeuge, ab 17 Uhr und an den Wochenenden in das Car-Sharing einzubinden, und sprach eine „neue Mobilitätsentwicklung“ an.

„Als das Automobil erfunden wurde, wurde auch nicht zuerst über Tankstellen diskutiert, sondern über das Automobil.“

Simone Peter

Bumes forderte, E-Ladestellen bei den Arbeitgebern zu schaffen. Und Simone Peter brachte den Aspekt ein, dass zusätzliche Brennstoffzellen eine größere Reichweite bei E-Mobilen bieten würden. „Die Batterieentwicklung wurde jahrelang vernachlässigt.“ Auf europäischer Ebene sei zum Beispiel beim Batteriemarkt zu diskutieren. Sie sei sich sicher, dass die Kooperation dazu zunehmen werde.

E-Mobilitätskonzept des Landkreises

  • Erstellung wird gefördert

    Für den Landkreis Amberg-Sulzbach entsteht derzeit ein umfassendes Konzept zur Verbreitung der Elektromobilität. Dazu gehört auch, Handlungskonzepte für künftige Aktivitäten zu entwickeln. Das Konzept wird vom Institut Neue Mobilität, Berlin, in Zusammenarbeit mit Hardy Barth, Schwend, erstellt und vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert.

  • Ladesäulen

    Als zentraler Punkt gilt die Lade-Infrastruktur. Zwei bis vier Ladesäulen in den Gemeinden im Landkreis sollten demnach Standard sein, die Errichtung wird mit 60 Prozent staatlich gefördert. Verschiedene Gemeinderäte haben sich schon mit Standortvorschlägen für E-Ladesäulen beschäftigt.

Einheitliches Ladesystem

Für Bumes sind die Dichte des E-Tankstellennetzes und die Ladedauer sowie ein einheitliches Ladesystem ein weiteres Thema, also die „Lade-Infrastruktur“. Simone Peter: „Als das Automobil erfunden wurde, wurde auch nicht zuerst über Tankstellen diskutiert, sondern über das Automobil.“ Sie berichtete, dass das Bundeswirtschaftsministerium dabei sei, eine Vereinheitlichung des Ladesystems auf europäischer Basis in Gang zu bringen.

Blitz und Donner begleiteten den Erfahrungsaustausch, der dann wegen starken Regens und eines weiteren Termins von Simone Peter in Regensburg vorzeitig abgebrochen werden musste.

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