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Region Amberg
Montag, 18. Dezember 2017 4

Polizei

Fall Baumer: Die Anwälte sind am Zug

Die Staatsanwaltschaft kann noch keinen Zeitpunkt für eine Entscheidung nennen. Im Fall Anna Poddighe wird weiter ermittelt.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Im Fall Baumer haben derzeit die Verteidiger das Wort. Erst danach entscheidet die Staatsanwaltschaft über eine mögliche Anklage. Foto: Archiv

Regensburg.Vor wenigen Tagen jährte es sich zum vierten Mal, dass die sterblichen Überreste von Maria Baumer in einem Waldstück bei Bernhardswald gefunden wurden. Doch der Tod der jungen Frau aus Muschenried (Lkr. Schwandorf) ist noch immer nicht aufgeklärt. Die Angehörigen, die im Frühjahr über den Abschluss der Ermittlungen informiert wurden, warten weiterhin auf eine Entscheidung der Staatsanwaltschaft. Ob diese noch in diesem Jahr fällt, ist völlig offen, sagt Theo Ziegler, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf Nachfrage unseres Medienhauses.

Indizien Spaten und Laptop

Als einziger Tatverdächtiger gilt der ehemalige Verlobte der Windanlagengutachterin. Der 32-Jährige war bereits kurz nach dem Verschwinden im Mai 2012 ins Visier der Polizei geraten. Als man die sterblichen Überreste fand, saß er für sechs Wochen in Untersuchungshaft. Der Fall wurde nach einer erfolgreichen Haftbeschwerde noch einmal neu aufgerollt, aber Hinweise auf andere Tatverdächtige hätten sich nie ergeben, betonte die Staatsanwaltschaft mehrfach. Ob die Polizei ausreichende Belege für seine Täterschaft sammeln konnte, ist nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. Dass ein am Fundort der Leiche gefundener Spaten eine wichtige Rolle in den Ermittlungen spielt, hatte die Staatsanwaltschaft bestätigt. Die an dem Werkzeug gefundenen DNA-Spuren sowie ein Haar konnten aber nicht mit dem Tatverdächtigen in Verbindung gebracht werden. Wichtige Anhaltspunkte lieferten den Ermittlern wohl auch Aktivitäten an Maria Laptop. Darauf wurden rund um den Zeitpunkt ihres Verschwindens Löschvorgänge gestartet. Auch eine rätselhafte Nachricht wurde an den Verlobten geschickt. Ob sie wirklich noch von der Vermissten geschrieben wurde, konnte die Polizei nicht klären, ebenso wenig wie zwei Anrufe, die der Verlobte auf dem Festnetz erhalten haben will. Der Speicher der Telefonanlage war gelöscht worden. Belegen konnte die Polizei aber wohl, dass der Verlobte die bereits alarmierten Eltern nicht sofort über angebliche Lebenszeichen von Maria informiert hatte. Bis heute ist nicht bekannt, wie Maria Baumer starb, auch Tatort und der genauer Todeszeitpunkt konnten nicht mehr ermittelt werden. Der Tatverdächtige streitet vehement ab, etwas mit dem Verschwinden und dem Tod seiner Verlobten zu tun zu haben.

Anklage kann aber nur dann erhoben werden, wenn die Staatsanwaltschaft mit einer mehr als 50 prozentigen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, dass der Tatverdächtige in einem Prozess verurteilt werden würde. Wohl auch aus diesem Grund saßen die Beamten der Ermittlungsgruppe Maria im November im Gerichtssaal, als der 32-Jährige zu einer Strafe von zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt wurde – wegen sexuellen Missbrauchs von zwei Schülern und der heimlichen Verabreichung eines Betäubungsmittels an eine junge Frau.

Derzeit erhalten die Verteidiger Akteneinsicht. „Sie haben ausführlich Zeit, um dann Stellung zu beziehen“, sagt die Staatsanwaltschaft. Es seien dafür Fristen gesetzt worden, diese könnten aber noch weiter verlängert werden, weshalb es schwer sei, eine zeitliche Prognose für eine Entscheidung abzugeben, so Sprecher Ziegler.

Seit über fünf Jahren wird Anna Poddighe vermisst. Foto: Polizei

Auch im Fall der drei Wochen nach Maria Baumer verschwundenen Anna Franca Poddighe aus Amberg gibt es noch immer keine Klarheit. Nicht nur die Familie, auch die Polizei geht davon aus, dass die Italienerin, die seit sieben Jahren in der Oberpfalz lebte, einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Doch auch mehr als fünf Jahre nach ihrem Verschwinden konnten die sterblichen Überreste nicht gefunden werden – trotz einer Reihe von Suchaktionen. „Es wird weiter ermittelt, die Akten sind noch nicht geschlossen“, heißt es beim Polizeipräsidium Oberpfalz.

Lesen Sie hier Hintergründe zum Fall Maria Baumer:

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