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Region Amberg
Dienstag, 16. Januar 2018 6

Theater

Gesellenverein begründete die Tradition

Der Bischof genehmigte die Gründung des Riedener Vereins – und 1866 wurden dem Publikum schon zwei Stücke präsentiert.
Von Hubert Söllner

Um 1930, von links: Barbara Rogenhofer (später Graf), genannt „Spengler-Bettl“, Johann Süß sen., Paula Schwarzer, genannt „Schullehrer-Paula“, Tochter des damaligen Schulleiters Karl Schwarzer Repros: azd

Rieden.Vor nicht allzu langer Zeit galt die Bezeichnung „Goaslandler“ für einen Riedener als Beleidigung. Humor ist jedoch, wenn man über sich selbst lachen kann – und so gab sich die 2001 gegründete Theatergruppe im Heimatverein diesen Namen. 20 Jahre hatte es zuvor kein Theater mehr gegeben. Jährlich treten nun aber wieder „d’Goaslandler“ um den Jahreswechsel vor ihr Publikum. Heuer können die Zuschauer ab dem 26. Dezember das Theaterstück „Boandlkramer-Blues“ von Roland Beier erleben.

Theaterspielen hat in Rieden eine lange Tradition. Nachweislich wurde hier bereits 1866 Theater gespielt. Ein sensationeller Fund im Archiv des katholischen Pfarramtes Rieden, ein Theaterplakat des damaligen Gesellenvereins, zeugt von der langen Geschichte des Riedener Laientheaters. Auch für die Genehmigung des besagten Gesellenvereines gibt es ein Schriftstück, datiert von 1865.

Beide Dokumente wurden von den Riedener Geschichts- und Heimatforschern Hubert Haas und Andreas Reindl entdeckt. „Sie dürften für die Region wohl einmalig sein“, sind die beiden sicher. Die Dokumente geben Aufschluss über einheimisches Brauchtum in einer Zeit, in der man noch in Gulden und Kreuzern bezahlte – und König Ludwig II. das Bayernland regierte.

Gesellenvereine dienten nicht nur der beruflichen, sondern auch der religiösen Betreuung von Handwerksgesellen. Man kann aber davon ausgehen, dass schon bei der Gründung des Vereins Theateraufführungen beabsichtigt waren – nicht zuletzt aufgrund der zu erwartenden Einnahmen.

Hilfspfarrer war der Vorstand

Prächtig gestaltet ist die Urkunde des Bischöflichen Ordinariats, mit dem die Gründung des Gesellenvereins Rieden genehmigt wird.

Zur Gründung des Vereins aber benötigte man die oberhirtliche Genehmigung des Bischofs zu Regensburg. Der entsprechende Antrag wurde vom örtlichen Pfarrer gestellt und postwendend genehmigt – auf einem reichhaltig verzierten Dokument. Als Vorstand des Vereins wurde der Frühmesser Leonhard Reindl bestätigt. Frühmesser war damals die Bezeichnung für einen Hilfspfarrer.

Auch zu den beiden auf dem Theaterplakat angekündigten Aufführungen konnten die Forscher einige Informationen zutage fördern. Bei dem ersten Stück namens „Die Soldaten im Winterquartier“ handelt es sich um einen Zweiakter, der 1783 von Joseph Lederer niedergeschrieben wurde. Er war Komponist, Dichter und Geistlicher aus dem Schwabenland. Das zweite Stück „Ei, so beiß!“ stammt von einem Autor namens Ludwig Aurbacher (1784 bis 1847).

Wie sich so ein Stück damals anhörte? Auch dazu gibt es einige Informationen – Beispiel: „Ei, so beiß!“ Ein Holzhacker schimpfte ständig auf Adam und Eva, „wenn die nicht gesündigt hätten, dann müsste ich nicht mit der Erbsünde belastet so ein miserables Dasein führen!“. Da wurden er und sein Weib von einem Grafen mit Wohlstand beschenkt und beide durften in seinem Schloss wohnen. Nur eine Bedingung gab es, nämlich „nicht das goldene Gefäß zu öffnen“, das man ihnen anvertraut hatte. Es dauerte nicht lange, bis die Neugierde zu groß wurde und das Weib des Holzhackers das Gefäß öffnete – für einen kurzen Blick nur. Aber da war es zu spät: Ein Mäuslein sprang heraus und verschwand eiligst. Der Graf stellte fest, dass die beiden die „Prüfung“ nicht bestanden hatten und warf sie aus dem Schloss. „Ei, so beiß!“ schimpfte der Holzhacker und führte weiterhin ein mühsames Dasein.

Erst ab 1925 sind dann wieder Theaterbühnen in Rieden belegt. Ein damals abgelichtetes Porträt der Mitspieler Katharina Renner und Wolfgang Mehringer gibt Aufschluss über eine Theateraufführung – in offensichtlich alpenländischer Kulisse. Man kann davon ausgehen, dass das Stück 1925 vom Katholischen Burschenverein inszeniert wurde, der auch in den 1930er Jahren aktiv Theater spielte und mit Stücken wie „Der Fremdenlegionär“ oder „Arabeska“ vor das Publikum trat.

Blick zurück

  • Beginn 1865

    Prächtig gestaltet ist die Urkunde des Bischöflichen Ordinariats von 1865, mit dem die Gründung eines Gesellenvereins in Rieden genehmigt wird. Dieser Gesellenverein hat dann auch Theater gespielt, wie ein in einem Archiv entdecktes Theaterplakat von 1866 beweist. Gespielt wurden „Die Soldaten im Winterquartier“ und „Ei, so beiß!“

  • Wiederbeginn 1925

    Eine Aufnahme von 1925 zeigt Katharina Renner (geb. 1904) und Wolfgang Mehringer vor alpenländischer Kulisse. Dieses Foto belegt, dass ab 1925 in Rieden wieder Theater gespielt wurde, welches Stück es war, ist aber nicht bekannt. Man geht davon aus, dass der Katholische Burschenverein das Stück inszeniert hat.

Der Mulzer Franz war der Motor

Diese Aufnahme von 1925 zeigt Katharina Renner (geb. 1904) und Wolfgang Mehringer.

Der Motor dieser Gruppe war Franz Fleischmann (geb. 1906), besser bekannt als der Mulzer Franz. Aktiv waren auch die Mulzer Fanny sowie die „Pfarrer Bawett“, eine Verwandte des damaligen Pfarrers Josef Ott. Die „Lederer Gretl“ (Margarethe Stettner – später Löwenwirt) stand schon als Neunjährige auf der Bühne.

Gespielt wurden tragische, aber auch heitere Stücke – wie „Die Himmelstorte“. Diese wurde vor den Augen des Publikums lecker zubereitet, schließlich aber mit einem Salzhering garniert – zum Entsetzen der Zuschauer. Die Auflösung: Man hatte beim Lesen des Kochbuches übersehen, dass es sich um verschiedene Rezepte handelte, da bei dem Buch zwei Seiten zusammengeklebt waren. So also kam der Hering auf die Torte.

Das Ganze war der Köchin so peinlich, dass sie zu allem Unglück das Kunstwerk auch noch zerstörte – indem sie auf dem Stuhl Platz nahm, auf dem sich die Torte befand. So viel zum Inhalt des Stückes. Natürlich konnte und wollte man damals nicht wertvolle Speisen auf diese Art verschwenden – und man wusste sich auch zu helfen: Die wunderbar aussehende Torte war aus Sägespänen hergestellt.

Außer dem Burschenverein spielte auch der „Bund deutscher Mädel“ Theater. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges jedoch wurden die Aufführungen eingestellt.

Im vergangenen Jahr ernteten die Goaslandler viel Applaus mit der Komödie „Männer haben’s nicht leicht“!

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