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Region Amberg
Montag, 20. November 2017 11

Erinnerungen

Kultband war für eine Stunde wieder da

Nach 20 Jahren kamen die Lauterachtaler Boum für einen Auftritt auf die Bühne. Sie hatten „wahnsinnigen Spaß“ in Pilsheim.
Von Paul Böhm

Vor 20 Jahren haben die Lauterachtaler Boum aufgehört, Musik zu spielen – jetzt standen sie wieder auf der Bühne. Von links: Roland „Bird“ Vogl, Jakob „Jackl“ Fromm, Herbert „Happy“ Zapf, Josef „Sepp“ Auer, Alfons Fischer, Alfred „Fredl“ Gietl und Günther „Charly“ Rudolf. Foto: Paul Böhm

Schmidmühlen.20 Jahre ist es her – und damals genossen sie den Status einer regionalen Kultband. Der Auftritt der Lauterachtaler Boum beim Weinfest der Jurablaskapelle in Pilsheim nach zwei Jahrzehnten Pause war ein gelungenes Revival. Ihr „Geht scho dahi“ war nicht nur die heute noch bekannte Ansage für ihre Musikstücke gewesen. Es war in ihrer Glanzzeit auch der Titel einer Zeitschrift, die sie in regelmäßigen Abständen für ihre Fangemeinde auflegten.

Ende 1997 war die damals wohl bekannteste Musikkapelle der Region beim Truckerfestival in Sulzbach-Rosenberg zum letzten Mal auf der Bühne zu sehen. Dann war Schluss – so war es untereinander ausgemacht und so ist es auch in den vergangenen 20 Jahren gewesen. Leicht gefallen war es ihnen damals nicht, ihre Erfolgsgeschichte „Knall auf Fall“ mit einem letzten „Sierra Madre“ und dem Stück „Ein Wiedersehen“ abzuschließen. Letztlich waren es die beruflichen Verpflichtungen und der enorme Zeitaufwand der „Boygroup“ gewesen, die sie zu diesem Schritt bewogen hatten. „In unseren Spitzenzeiten sind wir schon auf 80 bis 90 Auftritte pro Jahr gekommen“, erzählt Alfons Fischer, der sich damals als Chef der Gruppe um die Terminplanung und das Drumherum gekümmert hatte.

Und so fing es an: Erste Gehversuche machten Johann Merz aus Hohenburg, Andreas Fischer aus Pilsheim, Jakob Fromm aus Erlheim und Günther Rudolf mit kleineren Auftritten bis zum Jahr 1984. Zu Proben haben sie sich meist in Hohenburg getroffen. Und da hatten sie auch den Namen Lauterachtaler Tanzlmusi und später auch Lauterachtaler Boum her. „Wohl auch deswegen, weil wir in der Anfangszeit zum Proben oft durch das Lauterachtal gefahren sind“, sagt Alfons Fischer. Daraus formierten sich ab 1985 die Lauterachtaler Boum mit einigen neuen Gesichtern.

Ein Wechsel am Schlagzeug

Die Hände nach oben! Die Begeisterung war heute so riesig wie vor 20 Jahren. Foto: Paul Böhm

Bandmitglieder der ersten Stunde waren Günther „Charly“ Rudolf (Schmidmühlen), Jakob „Jackl“ Fromm (Erlheim), Alfons Fischer (Pilsheim), Günther „Bubi“ Wächter (Amberg) und Josef „Sepp“ Auer (Pilsheim). Anfang 1986 ist Roland „Bird“ Vogl (Schmidmühlen) dazugekommen. 1994 stieg Alfred „Fredl“ Gietl (Winkerling) in die Gruppe mit ein. Nach dem Ausscheiden von „Bubi“ Wächter im Jahr 1990 setzte sich Herbert Zapf aus Ensdorf hinter das Schlagzeug.

Dass alle riesige Freude an der Musik hatten und es verstanden, ihre Fans zu begeistern, zeigten ihre Auftritte in der Region. Angefangen von Faschingsbällen bis hin zu Volks- und Kirchweihfesten reichte die Bandbreite. Spezielle Auftritte waren immer die Amberger Dult, der Weiberfasching und die Altstadtfeste, jährliche Auftritte in Vordorf im Fichtelgebirge, in Berneburg bei Kassel und für einen längeren Zeitraum sogar im Münchner Hofbräuhaus, zu denen sie von ihrer Fangemeinde mit mehreren Bussen begleitet wurden.

„Nicht vergessen werden wir unsere Auftritte beim Burglengenfelder Volksfest und bei der Burglengenfelder Musikantenparade, bei der auch Florian Silbereisen mit dabei gewesen ist. Dazu kamen Auftritte beim Amberger Musikantenstadel im Josefshaus und später im ACC unter der Regie von Barbara Lanzinger. Da hat es Zeiten gegeben, wo wir an Wochenenden oft auf drei Baustellen unsere Anlage aufgebaut haben“, erinnert sich Günther Rudolf aus Schmidmühlen.

Erfolgreiche Open-Air-Festivals

Sie waren gekommen, weil ihre Eltern zur großen Fangruppe der Lauterachtaler Boum gehörten. Foto: Paul Böhm

Große Erfolge waren auch ihre fünf Open-Air-Festivals von 1993 bis 1997 in Pilsheim. „Unser großes Vorbild waren damals die Zillertaler Schürzenjäger“, erzählt Alfons Fischer beim Blättern durch seine Erinnerungsordner.

Zu der echten Volksmusik mit vielen Polkas, Zwiefachen und Walzern nahmen die Musiker später auch volkstümliche Musik, beliebte Schlager und moderne Arrangements in ihr Programm mit auf.

„Den Zwiefachen ‚Oarschloch von Leinsiedl‘ haben wir mit unseren Auftritten in der Region erst so richtig hoffähig gemacht. Ein Stück, das wohl auch wegen seines Namens immer etwas hinten angestanden hatte“, erzählt der Erlheimer Jakob „Jackl“ Fromm als einer der großen Verfechter der bodenständigen Volksmusik. Unvergessen sind auch die Auftritte vom „Jackl“, wenn er sich unter dem Gekreische seiner weiblichen Fangemeinde auf den Boden legte und mit seiner Klarinette im Liegen seine eigene Show abzog.

Die CD „Was wär’n wir Männer ohne Frauen“ kam im Jahr 1993 heraus. Wie das 1992 erschienene Album ist dieses Werk längst vergriffen. Foto: Paul Böhm

Im November 1990 waren die Lauterachtaler Boum zum ersten Mal im Tonstudio Tyrolis in Zirl zur Aufnahme einer Musikkassette mit dem Titel „Weil ma a Gaudi hom“. Zwei weitere CDs mit den Titeln „Musik spiel’n mit Leib und Seel’“ und „Was wär’n wir Männer ohne Frauen“ kamen auf den Markt. „Beide Titel hatten wir nach dem Motto ‚Musig spielen, die aus unserer Heimat kommt und die wir können‘ ausgewählt“, erzählt Josef Auer. Es war aber auch eine Hommage an die große weibliche Fangemeinde, die bei den vielen Auftritten der Lauterachtaler Boum immer wieder mit dabei gewesen ist.

Aus der Geschichte der Band

  • Begeisterung

    Und dann die Hände zum Himmel – wie vor mehr als 20 Jahren. Die Begeisterung für die Gruppe ist auch heute noch riesig, auch wenn es nur für eine Stunde war.

  • Generationen

    Junge Gäste waren gekommen, weil ihre Eltern zur Fangemeinde der Lauterachtaler gehören. Gekannt haben sie deren Musik nur von der CD aus dem Musikschrank der Eltern.

  • Album

    „Musig spiel’n mit Leib und Seel’ – die Aufnahmen für dieses Album entstanden vom 27. bis 30. Dezember 1991. Auf den Markt kam die CD Anfang des Jahres 1992.

  • Aufnahmen

    „Was wär’n wir Männer ohne Frauen“ spielten die Musiker 1993 ein. Die CD kam im gleichen Jahr auf den Markt. Wie das 1992 erschienene Album ist dieses Werk vergriffen. (abp)

Ein Rundruf genügte

Wie Alfons Fischer erzählt, sei es die Idee des ehemaligen Klarinettisten und Gitarristen Alfred „Fredl“ Gietl gewesen, dieses historische Datum zum Anlass zu nehmen und die Instrumente wieder auszupacken. „Da gab es dann einen Rundruf und alle haben sofort zugesagt.“ Dass es ihnen Spaß gemacht hat, wieder einmal in der alten Runde ihre Musik zu spielen, war mit den ersten Akkorden zu hören. Da ging ein regelrechter Ruck durch die Reihen. Geprobt wurde für diesen einmaligen Auftritt im Keller des Schlagzeugers Herbert Zapf in Ensdorf.

„Werbung haben wir für unseren Auftritt nicht gemacht, aber es hatte sich schnell herumgesprochen, wer mit der ‚Boygroup‘ gemeint war, die nach zwei Jahrzehnten ein einstündiges Comeback geplant hatte.“ Nur eine dezente Ankündigung in der Presse hatte gereicht, um die Fangemeinde von damals und natürlich auch viele, die die Lauterachtaler Boum nur noch vom Hörensagen kannten, neugierig zu machen.

Und dann ging’s scho’ dahi’ – ganz wie in ihren besten Zeiten der 1990er Jahre mit einer breiten Auswahl ihrer Erfolge. Dass da ihre „Maria Magdalena“, das „Schinder Louda“, „Oh Katharina“, der „Morgenmuffel“, die „Grünen Tannen“, „Ein Wiederseh’n“ und „Sierra Madre“ dazu gehörten, bei der mehrere hundert Leuchtstäbe ihrer Fans in der Pilsheimer Nacht funkelten, war klar. Und alles war so, als wäre es erst gestern gewesen! Ja, es war ein Dankeschön für eine schöne Zeit, die weder die Lauterachtaler Boum noch ihre vielen Fans missen wollen.

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