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Region Amberg
Dienstag, 26. September 2017 18° 6

Heimat

Kunst erzählt viel über die Geschichte

Ob Vilsschifffahrt, Mühlen oder Erasmus Grasser: Skulpturen, die Bezug auf die Vergangenheit nehmen, bereichern Schmidmühlen.
Von Josef Popp

Ein spektakuläres Kunstwerk ist mit dem alten Mühlrad entstanden. Foto: ajp

Schmidmühlen.Die Augustwochen nach dem Marktfest gehören in der Lauterachtalgemeinde zu den beschaulichen Wochen. Man gönnt sich etwas Ruhe, für die daheimgebliebenen Kinder und Jugendlichen schafft das Ferienprogramm der Vereine und der Pfarrei Abwechslung. Dies ist die Gelegenheit, sich einmal genauer umzuschauen. Dem Betrachter fallen bald die für einen kleinen Ort wie Schmidmühlen relativ vielen geschichtsbezogenen Kunstwerke ins Auge – Zeichen, dass man sich hier mit der Historie auseinandersetzt.

So erwartet den Besucher am Ortseingang in der Bahnhofstraße das erste Kunstwerk: die Kunstwanderstation, die es, mit jeweils individuellen Werken, in jeder Gemeinde des Naturparks Hirschwald gibt. Die Schmidmühlener Kunstwanderstation widmet sich der Vilsschifffahrt.

Erinnern an die Vilsschifffahrt

Das Kunstwerk der Kunstwanderstation erinnert an die Vilsschifffahrt. Foto: ajp

Durch die Schifffahrt und einen historischen Handelsweg von Nürnberg nach Regensburg entstand um das Jahr 1000 herum in Schmidmühlen ein bedeutender Binnenhafen. Erwähnt wurde er erstmals urkundlich um das Jahr 1010; er steht in direktem Zusammenhang mit der sogenannten „ladastat“. Der Transport von Erz für die Hütten und Hammerwerke und der Handel mit Salz brachten Schmidmühlen nennenswerten Reichtum, zumal es auch ein bedeutendes Hammerwerk im Ort gab. Die Kunstwanderstation – übrigens auf dem historischen Hafengelände – thematisiert die Vilsschifffahrt und die Veränderungen über Jahrhunderte hinweg.

Das Kunstwerk vor der Pfarrkirche mit dem Wasserlauf Foto: ajp

Während der Ortskernsanierung in den 1980er und 1990er Jahren, in der Amtszeit von Bürgermeister Manfred Puchta, wurde das Kunstwerk vor der Pfarrkirche geschaffen. Auch wenn sich daran manche Geister scheiden: Der Brunnen symbolisiert auf moderne Weise ein Mühlrad, „angetrieben“ von einem kleinen Bach. Dieses Thema aufzugreifen war ohne Zweifel eine gute Idee, die auch interessant umgesetzt wurde, zumal die „Wasserquelle“ den Treppenaufgang zur Kirche hervorragend einfasst. Auf jeden Fall haben die Kinder ihren Spaß und Radler kühlen sich gerne ihre Füße darin ab.

Grassers Werk mehrfach Thema

Erinnert wird natürlich auch an Erasmus Grasser wie hier beim Brunnen vor dem Oberen Schloss. Foto: ajp

Auch an seinen großen Sohn Erasmus Grasser erinnert Schmidmühlen natürlich – gleich zweimal sogar. 1980 machte der Gemeinderat in der Ära von Bürgermeister Max Michl den Anfang. Anlässlich des 500. Jahrestages der Entstehung der Moriskentänzer – sie gelten als Hauptwerke der profanen Bildhauerkunst des Mittelalters – ließ der Marktrat zu Ehren des berühmtesten Sohnes einen Brunnen vor dem Oberen Schloss errichten. Blickfang ist der in Bronze gegossene „Kavalier“, den der Oberammergauer Holzbildhauermeister Hans Klucker modelliert hat. Bürgermeister Max Michl und der damalige Landrat Dr. Hans Wagner enthüllten in einer Feierstunde den Brunnen.

Moriskentänzer in Metall

Grasser zum Zweiten: Ihm widmete der Markt entlang der Lauterach, auf der Hochwassermauer, einen Skulpturenweg, der 2001 freigegeben wurde. Die Skulpturen wurden in zweijähriger Arbeit von Franz Schmid geschaffen – bewusst in Metall, um auch auf die lange Tradition der Eisenverarbeitung Bezug zu nehmen. Als Vorlage dienten die von Grasser 1480 geschnitzten Moriskentänzer. Im Beisein von Franz Maget, dem Vizepräsidenten des Bayerischen Landtags, wurde der Skulpturenweg im Herbst 2011 offiziell freigegeben.

Zwei weitere Kunstwerke brachte die Hochwasserfreilegung mit sich. Etwas schwer zu entdecken sind „Pioniere“ der Natur. Der Landschaftspflegeverband stiftete die aus Holz gefertigten Gelbbauchunken, die an der Einfahrt zur Hochwasserfreilegung am Zieglerweg im Gras zu finden sind. Mittlerweile braucht man aber gute Augen, um sie zu entdecken.

Gewidmet ist dieses kleine Werk den echten Gelbbauchunken, die es um Schmidmühlen herum noch gibt. Sie laichen in jeder Pfütze, ob Traktor- oder Panzerspur. In den flachen Pfützen wird das Wasser schnell warm und so wachsen aus den Eiern in nur vier Wochen kleine Gelbbauchunken. Bevor die Pfütze austrocknet, haben die kleinen Hüpferlinge Lungen statt Kiemen und gehen im Gras auf Insektenjagd.

Altes Mühlrad wurde zur Kunst

Der Vilsschiffer, in Holz gefertigt, an der Brücke Foto: ajp

Schon deutlicher ist das zweite Kunstwerk in der Flutmulde zu sehen. Nur wenigen Arbeitsgeräten ist es vergönnt, einmal zu einem Kunstwerk umgearbeitet und so weiter bestehen zu können. Dem vorletzten Schmidmühlener Mühlrad ist dies hoffentlich noch lange vergönnt.

Nachdem es ausgedient hatte und in einer durchaus spektakulären Aktion ausgebaut worden war, überließ die Eigentümerfamilie Karl Böhm das mächtige Stück dem Heimatmuseum bzw. dem Markt Schmidmühlen. Ursprünglich sollte das Mühlrad im Ortskern aufgestellt werden. Doch dann kam alles ganz anders. Als Künstler eingeladen wurden, ein Kunstwerk für die Flutmulde zu entwerfen, griff Klaus Caspers aus Regensburg die Idee auf, das dort zwischengelagerte Mühlrad mitzuverwenden. Auch die Jury entschied sich für Caspers Vorschlag, dem Entwurf stimmte ebenso der Marktrat zu.

Das letzte Kunstwerk entstammt einer Privatinitiative: Es ist der Vilsschiffer an der alten Vilsbrücke. Auch er erinnert an die lange Tradition der Vils-Schifffahrt.

Einer anderen Mühle im Marktgebiet, der Mühle in Harschhof, wurde im Jahr 2015 ein Blatt des Schmidmühlener Heimatkalenders gewidmet. Hier lesen Sie mehr über deren interessante Geschichte!

Mehr aus dem Markt Schmidmühlen finden Sie hier!

Name und Besonderheit

  • Industriezweige

    Schmidmühlen verdankt seinen Namen nicht geografischen, geologischen oder besiedelungsspezifischen Merkmalen, sondern zwei einst wichtigen Industriezweigen, die auf Wasserkraft angewiesen waren: Schmieden und Mühlen. Schmiede und Mühlrad finden sich auch im Wappen des Ortes. In Schmidmühlen gab es früher vier Mühlen: Am linken Lauteracharm befanden sich die Obere und die Untere Mühle, am rechten die Zeitler- und die Hammermühle.

  • Wasser

    Untrennbar verbunden mit der Geschichte ist die Lage Schmidmühlens an Vils und Lauterach. So wurde der Ort auf mehreren Inseln erbaut. War für die Mühlen die Lauterach von Bedeutung, war es für die Schifffahrt eben die Vils. Schmidmühlen war neben Amberg der einzige Ort im südlichen Landkreis, der einen Hafen hatte. (ajp)

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