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Region Amberg
Donnerstag, 18. Januar 2018 7

Initiative

Menschen mit Behinderung sind wertvoll

Die Arbeitsplätze müssen aber richtig gestaltet sein – wie bei AKW in Hirschau, für die Arbeitsagentur ein „Vorzeigebetrieb“.

Der „Vakuumlifter“, den AKW-Mitarbeiter Maik Meyer „Sackheber“ nennt, bewahrt Beschäftigte vor Rückenproblemen bzw. ermöglicht es Menschen, die solche bereits haben, das Umschlichten der Säcke zu schaffen. Foto: asn

Hirschau.Menschen mit Behinderung sind für Betriebe ein wertvolles Potenzial. Bei den Amberger Kaolinwerken hat man das erkannt: Bei ihnen beträgt die Quote an Beschäftigten mit Behinderung 10,5 Prozent. Markus Nitsch, Leiter der Agentur für Arbeit Schwandorf, fand dafür beim Firmenbesuch die Attribute „vorbildlich“ und „Vorzeigebetrieb“.

Mit dem Amberger Geschäftsstellenleiter Manfred Tröppl und der Teamleiterin für Rehabilitanden und Schwerbehinderte, Evi Reil, machte er sich kürzlich vor Ort ein Bild. Als Informationspartner standen ihnen Personalleiter Peter Lehner, Werksleiter Bernhard Neudecker, Marketingleiter Thomas Moosburger und der Schwerbehindertenvertreter Markus Schlosser zur Verfügung.

Viel Lob für Markus Schlossers Arbeit

2010 wählten ihn die behinderten Arbeitnehmer erstmals in dieses Amt. Schlosser erfüllt diese Aufgabe für die gesamte Division 2 der Quarzwerke-Gruppe, das heißt, auch für die Werke in Schnaittenbach, Caminau und Kemmlitz. Sein Engagement schätzen nicht nur die Arbeitnehmer mit Behindertenstatus, auch die Betriebsleitung. Personal-Chef Lehner bescheinigte ihm, sich „hervorragend“ der Sache der behinderten Mitarbeiter anzunehmen.

Aktuell gibt es unter den rund 500 Beschäftigten in den Werken Hirschau und Schnaittenbach 53 als schwerbehindert eingestufte MitarbeiterInnen. Ihre Arbeitsplätze finden sich im Büro und im Service genauso wie in der Produktion.

„Unser Betrieb hat noch etwas übrig für bodenständige Mitarbeiter, die schwerbehindert sind.“

AKW-Mitarbeiter Roland Schmid

Ein sehr hoher Anteil, der deutlich über der gesetzlichen Quote von fünf Prozent liegt, lobte Agentur-Chef Nitsch. Mit den AKW habe man für den Besuch bewusst einen Betrieb ausgewählt, der von sich aus passende Arbeitsplätze für Menschen mit gesundheitlichen Handicaps schaffe. Die Unternehmensleitung habe erkannt, dass behinderte Menschen ein wertvolles Potenzial für den Personal- und Fachkräftebedarf darstellen. Es sei „ein tolles Signal in die Belegschaft hinein“, zu wissen, dass der Betrieb zu einem steht, auch wenn man gesundheitliche Probleme bekommt.

Teilhabe der Betroffenen verbessern

Generell sei ein Mehr an Inklusion im Arbeitsleben nötig. Nitsch: „Wir möchten unsere regionalen Betriebe und Unternehmen in diesem Punkt sensibilisieren, aufklären und unterstützen, um mögliche Vorurteile abzubauen und damit die Teilhabe der Betroffenen am Arbeitsleben zu verbessern.“ Unternehmen würden durch die Arbeits-Agentur diesbezüglich gefördert. Vergangenes Jahr habe man rund 11,8 Millionen Euro für Leistungen im Rahmen der aktiven Arbeitsförderung für die Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben für Jugendliche und Erwachsene aufgewendet. Nach Aussage von Behindertenvertreter Markus Schlosser haben die AKW während seiner Amtszeit rund 154 000 Euro an Zuschüssen durch das Integrationsamt erhalten.

Behindertengerechte Arbeitsplätze

  • Beispiel

    Ein Beispiel für die passende Gestaltung der Arbeitsplätze erlebten die Gäste in der Colorit-Mischanlage von AKW. Mitarbeiter Maik Meyer muss dort mit Coloritquarz gefüllte, 25 Kilogramm schwere Säcke umschlichten, bevor er deren Inhalt auf ein Förderband kippt.

  • Hilfe

    Dass man diese Arbeit trotz Rückenproblemen verrichten kann, ist dem „Vakuumlifter“ zu verdanken, den die Firma nach einer Testphase installiert hat. Maik Meyer nennt die behindertengerechte Vorrichtung „Sackheber“, denn sie nimmt ihm genau diese Tätigkeit ab. (asn)

Bei den AKW hat man laut Personalleiter Lehner die Erfahrung gemacht, dass behinderte Menschen sehr wohl effizient eingesetzt werden können. Es sei allerdings notwendig, die Arbeitsplätze und das Arbeitsumfeld entsprechend zu gestalten, was die Gäste auch live erleben konnten. Auch für den an einer Stoffwechselkrankheit leidenden Roland Schmid hat der Betrieb eine behindertengerechte Verwendung gefunden. Er war gerade mit seiner Kehrmaschine in der Werkshalle im Einsatz. Er weiß das zu schätzen: „Unser Betrieb hat noch etwas übrig für bodenständige Mitarbeiter, die schwerbehindert sind.“ (asn)

Gute Erfahrungen mit Menschen mit Behinderung hat auch die Firma Lüdecke in Amberg gemacht.

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