mz_logo

Region Amberg
Samstag, 18. November 2017 11

Medizin

Schmerzen verstehen und lindern

Angehende Krankenpflegerinnen aus Sulzbach-Rosenberg haben sich mit der Pflege von Schmerzpatienten auseinandergesetzt.

Schmerzen können zum Teil mit Physiotherapie, Medikamenten oder alternativen Methoden behandelt werden. Foto: Ingo Wagner/dpa

Sulzbach-Rosenberg.Schmerz hat viele Gesichter. Er kann beispielsweise plötzlich auftreten und auf eine akute Störung hinweisen, die behoben werden kann. Andererseits gibt es chronische Schmerzen, mit denen die Betroffenen oft über Jahre oder Jahrzehnte in ihrem Alltag umgehen müssen.

Gegen Ende ihres zweiten Ausbildungsjahres haben sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse O 15 der Berufsfachschule für Krankenpflege am St. Anna Krankenhaus im Rahmen eines Projektes intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Lehrerin Christine Eikam führte die Klasse an das Thema heran. In Kleingruppen arbeiteten sich die Auszubildenden zunächst anhand von vorgegebener Literatur eigenständig in ihr „Spezialthema“ ein, bevor sie sich dann mit gezielten Fragen an Experten wenden konnten.

Jeder Mensch ist anders. Verschiedenste Faktoren wie zum Beispiel individuelle Erfahrungen, die Kultur oder auch die momentane Situation, in der sich der Mensch befindet, beeinflussen die Art, wie Schmerz wahrgenommen und anderen gegenüber geäußert wird. Eine Gruppe beschäftigte sich nun mit der Frage, wie man dieses von Mensch zu Mensch unterschiedliche Phänomen „Schmerz“ möglichst objektiv erfassen und darstellen kann, damit der Betroffene eine adäquate Therapie erhält. Über die Ermittlung und Dokumentation von Schmerzen der Patienten im St. Anna Krankenhaus befragten sie Sabrina Flierl, Gesundheits- und Krankenpflegerin auf einer internistischen Station.

Neuheit: Patienten kontrollieren Medikamente selbst

Eine weitere Gruppe befasste sich mit den unterschiedlichen Möglichkeiten der medikamentösen Schmerztherapie. Hannelore Aumeier, die im St. Anna Krankenhaus als Pain Nurse (Pflegeexpertin für Schmerzmanagement) tätig ist, vermittelte den Schülerinnen und Schülern viel Wissen über die gängigsten Schmerzmedikamente und über besondere Verabreichungsformen. Neueste Errungenschaft des St. Anna Krankenhauses ist die orale patientenkontrollierte Schmerztherapie. Hierbei können sich Patienten nach schmerzhaften Operationen mit Hilfe eines speziellen Applikators nach Bedarf ein Schmerzmittel unter die Zunge verabreichen, ohne auf eine Schwester warten zu müssen. Ein Sicherheitssystem verhindert dabei zuverlässig eine Überdosierung oder Verwechslung. Außerdem werden die Patienten von speziell geschulten Pflegekräften betreut.

Schülerinnen des Kurs O15 mit Maria Boßle und Edeltraud Fischer-Graf (Mitte) Foto: Lorena Neumüller

Die medikamentöse Therapie wird natürlich ergänzt durch alternative Behandlungsmethoden und Physiotherapie. Expertin hierfür ist Regine Ptacek. In den Räumen der Physiotherapie-Abteilung, deren stellvertretende Leiterin sie ist, zeigte und erklärte sie den Auszubildenden, wie zum Beispiel die Anwendung von Kälte oder Wärme, Krankengymnastik oder manuelle Therapie zur Schmerzlinderung beitragen.

Die vierte Gruppe hatte sich das Thema „Leben mit chronischen Schmerzen“ vorgenommen. Sie beschäftigten sich damit, wie Menschen, die oft schon seit Jahren immer wieder oder auch dauerhaft unter starken Schmerzen leiden, mit ihrer Situation zurechtkommen und ihren Alltag meistern. Kompetente Gesprächspartner waren Maria Boßle für diese Gruppe, Leiterin der Selbsthilfegruppe chronischer Schmerz und selbst betroffen, sowie Edeltraud Fischer-Graf, Heilpraktikerin in Sulzbach-Rosenberg.

Selbsthilfegruppe für Schmerzgeplagte

Maria Boßle berichtete auf sehr eindrucksvolle Weise von ihren eigenen Erfahrungen mit chronischen Schmerzen und den Ärzten und Pflegekräften, mit denen sie zu tun hatte. 2003 hat sie in Sulzbach-Rosenberg die „Selbsthilfegruppe chronischer Schmerz“ gegründet. Die Gruppe trifft sich einmal monatlich im St. Anna Krankenhaus. Neben den regelmäßigen Gesprächsangeboten werden immer wieder Ärzte, Therapeuten und andere Experten mit Fachvorträgen über die verschiedensten Themen zur Schmerzbewältigung eingeladen.

Nach den Expertengesprächen erarbeiteten die Auszubildenden aus den gewonnenen Informationen sehr lehrreiche Präsentationen. Mit Hilfe von Rollenspielen, animierten Präsentationen und anschaulichen Plakaten brachten sie ihr neu erworbenes Wissen dem Publikum näher. Die Zuschauer konnten die Wirkung verschiedener Entspannungstechniken sogar selbst ausprobieren.

Abgesehen vom Fachwissen zum Thema „Schmerz“, das sie sich erworben haben, sind die Schülerinnen und Schüler durch dieses Projekt zwei weiteren Ausbildungszielen einen großen Schritt näher gekommen: Zum einen wurde die im späteren Berufsleben äußerst wichtige Zusammenarbeit im Team geübt und strukturiert ausgewertet.

Zum anderen trainierten die Auszubildenden die Fähigkeit, sich selbst Informationen zu beschaffen und diese zu verarbeiten. Da Fachwissen immer schneller veraltet, ist diese Fähigkeit besonders wichtig, um im Berufsleben immer auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand sein zu können.

Mehr Nachrichten aus der Region lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht