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Region Amberg
Samstag, 18. November 2017 11

Bundestagswahl

Sie setzt sich für die Familien ein

Die Direktkandidatin der Grünen, Yvonne Rösel aus Sulzbach-Rosenberg, hat in Neumarkt ihre wichtigsten Themen angesprochen.
Von Doris Distler

Yvonne Rösel diskutierte mit Moderator Stefan Schmidt und Claudia Roth (v.l.). Foto: Distler

Sulzbach-Rosenberg.In Deutschland muss viel verändert werden. Das war sehr bald klar bei der Podiumsdiskussion von Bündnis 90/Die Grünen im Gasthaus Sammüller in Neumarkt. Das Thema lautete: „Starke Familien versus Kinderarmut in Deutschland“. Der Raum war voll von Interessierten, die sich den Besuch der Grünen-Direktkandidatin Yvonne Rösel und der Vizepräsidentin des Bundestags, Claudia Roth, nicht entgehen lassen wollten.

„Fehlt Kindern und Familien die Lobby?“, fragte Moderator Stefan Schmidt, der Bezirksvorsitzende der Grünen. Die Armutsschere, die immer weiter aufgehe, treffe oft Frauen und Mütter, erklärte Claudia Roth und stellte die Gegenfrage: „Welchen Wert messen wir der Familie in unserer Gesellschaft zu?“ Demokratie beginne in der Familie und sei damit der Kern der Gesellschaft. „Hier haben wir einen Riesen-Nachholbedarf,“ so Roth.

Jedes fünfte Kind gilt als arm

Beim Thema „Sind wir eine gerechte Gesellschaft?“ erinnerten die Referentinnen am Podium an die ungleichen Löhne. Das ziehe vor allem bei Alleinerziehenden sehr oft Armut nach sich. Drei Millionen Kinder würden als arm gelten – das sei jedes fünfte Kind in Deutschland. Hier gelte es, die Rechte von Kindern im Grundgesetz festzuschreiben, wie die Grünen es forderten – und natürlich einen Angleich der Löhne für eine gerechte Bezahlung.

Gerechtigkeit bedeute aber auch, den Frauen und Männern nach der Kinderzeit den Wiedereinstieg in den Beruf zu ermöglichen. Überhaupt „Männer und Kinderzeit“: 79 Prozent der Väter würden sagen, sie wollten mehr Zeit mit ihren Familien verbringen. Doch wenn Männer aus beruflichen Positionen herausgehen, um sich dem Nachwuchs zu widmen, drohe ihnen ein Karriereknick. Auch hier müssten neue Strukturen geschaffen werden, hieß es. Außerdem würde immer noch meist die Frau bei den Kindern bleiben, weil sie weniger verdiene. Selbst wenn sie arbeiten gehe, reiche das Geld oft nicht aus. Viele Elternteile würden sich deshalb in Zweitjobs etwas dazu verdienen, was dem Familienklima wiederum nicht förderlich sei. Um Familien zu unterstützen, müssten dringend Betreuungsplätze für Kinder ausgebaut werden.

Bedarf an Unterstützung gestiegen

Aus ihrer Erfahrung als Kreisrätin (Amberg-Sulzbach) erklärte Yvonne Rösel, dass das Geld für Familien, Kinder und Jugendliche nicht sehr gerne von Politikern bereitgestellt werde. „Lieber pflastern sie eine Straße oder Brücke, statt sich um Kinder zu kümmern“, sagte sie. Im Kreis Amberg-Sulzbach sei der Bedarf an Unterstützung für Familien innerhalb von drei Jahren von 9,8 Prozent des Gesamthaushalts auf 12,8 Prozent gestiegen. Deshalb widme sich die dreifache Mutter Yvonne Rösel aus Überzeugung dem Thema Familie: „Und mit den Grünen ist es meiner Meinung nach eher möglich, in diesem Bereich wirklich etwas zu bewegen.“

Problem: Explodierende Mieten

Im Wahlkampf sei ihr außerdem noch das Thema „Ländliche Entwicklung“ ein Anliegen. Die Sulzbach-Rosenbergerin sagt, sie kenne die Probleme: Zu wenige Arztpraxen, immer mehr Schulen auf dem Land würden schließen: „Das bewegt viele dazu, gar nicht erst aufs Land zu ziehen oder von dort wegzugehen.“ Hier müsse Abhilfe geschaffen werden, zum Beispiel durch die Elektrifizierung der Bahn-Stammstrecke, damit sich alleinerziehende Frauen ohne Auto auch in ihrem Job halten könnten: „Für junge Familien oder Mütter ist dies ein wichtiger Faktor.“ Kita-Plätze müssten ausreichend und in guter Qualität zur Verfügung stehen – doch hier müsse man auch beim Gehalt der Erzieherinnen ansetzen, das nach wie vor abgrundtief sei. Und die explodierenden Mietpreise, auch in Städten wie Amberg oder Neumarkt, seien nicht förderlich für Alleinerziehende.

Für Betreuung der Kinder sorgen

Auf dem Land seien Mieten billiger – wenn man denn eine Mietwohnung finde und ein Auto habe, um in die Stadt zu kommen, wo es mehr Arbeitsplätze gebe. Vollzeit zu arbeiten sollte Alleinerziehenden ermöglicht werden, findet Rösel. Und das gehe wiederum nur, wenn für die Unterbringung der Kinder gesorgt und das Leben gut bezahlbar und organisierbar sei. Doch für diese Klientel würden sich die wenigsten Parteien starkmachen. „Die Politik sollte ein Querschnitt der Bevölkerung sein, doch Politik ist noch immer eine Männerdomäne. Und da vertreten dann die Männer ihre ganz eigenen Interessen“, sagt Rösel. Sie steuere mit ihrem Einsatz dagegen.

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