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Region Amberg
Donnerstag, 21. September 2017 16° 3

Anschlag

So viel Glück im Schrecken des Terrors

Junge Amberger waren nur wenige Meter entfernt, als Terroristen in Barcelona zuschlugen. Sie erlebten viel Hilfsbereitschaft.
Von Michaela Fichtner

Ludwig und Nicole war es wichtig, am Tag nach dem Terroranschlag in Barcelona mit unzähligen anderen Menschen auf den Ramblas im Gedenken an die Opfer ein Zeichen zu setzen. Foto: Stepper/Schmidt

Amberg.Ludwig Stepper (19) und seine Freundin Nicole Schmidt (18) müssen gar nicht lang überlegen: Der Terroranschlag in Barcelona war ein einschneidendes, schreckliches Erlebnis für die beiden jungen Amberger. Doch: „Wir werden trotzdem dahin fahren, wohin wir möchten. Wir lassen uns das Leben nicht von Terroristen einschränken – dann hätten sie ja gewonnen“, machen sie mit festen Stimmen deutlich.

Erst kurz ist das junge Paar aus der Hauptstadt Kataloniens zurück in der Oberpfalz. Ein unbeschwerter Urlaub mit Freund Karli (21) sollte es werden, mit Genießen, Sonne und Strand. „Das war es auch“, sagen beide – bis zu jenem Donnerstag, 17. August, als Terroristen auf der beliebten Flaniermeile Las Ramblas mit einem Lieferwagen in die Menschenmenge gerast sind. 15 Menschen starben, mehr als 120 wurden verletzt.

Die Türen des Cafés verriegelt

Einen unbeschwerten Urlaub wollten Ludwig und Nicole in Barcelona erleben - dann kam alles anders. Foto: Stepper/Schmidt

Ludwig, Nicole und Karli waren zu dieser Zeit gerade in einem Café nur wenige Meter entfernt von den Ramblas. Sie schmiedeten Pläne für den Abend – kochen wollten sie noch in ihrer nahen Unterkunft, und dann an den Strand. Als sie gehen wollten, hatten die Attentäter gerade ihren Anschlag verübt, erzählen sie. „Keiner wusste, was los ist“, beschreibt Ludwig im Gespräch die herrschende Verwirrung. Nur eines war klar: Alle sollten im Café bleiben, das habe man ihnen auch deutlich gemacht. Andere Leute seien in das Lokal geholt worden, dann seien die Türen verriegelt und ein Gitter vorgeschoben worden.

„Ich war froh, in dem Café sicher zu sein!“

Ludwig Stepper

Die Verwirrung wich Entsetzen, als sie vom Attentat erfuhren, erzählt Ludwig weiter. „Ich hatte Schiss“, gibt er unumwunden zu. Aber der 19-Jährige sagt auch: „Ich war froh, in dem Café sicher zu sein!“ Egal, was passieren würde. Und dieser Gedanke habe sie dann auch wenigstens etwas wieder beruhigt. Trotz der schrecklichen Berichte von Menschen, die mittendrin in dem Terroranschlag auf den Ramblas waren und aufgelöst in das Lokal geflüchtet waren.

Von einem Deutschen erzählt Ludwig, dessen Freunde unter den Opfern gewesen seien. „Da merkt man, wie viel Glück wir hatten.“ Wären sie ein bisschen früher nach Hause gegangen, über die Ramblas… Ludwig und Nicole wollen es sich gar nicht ausmalen, nicht daran denken.

Ein „Riesenknall“ – alle rennen nur noch

Wo normalerweise Hunderte von Menschen flanieren, war nach dem Anschlag alles fast leer und abgesperrt. Foto: Stepper/Schmidt

Doch noch war es zu dieser Zeit nicht vorbei. Eine Stunde, so schätzen sie, seien sie in dem Café gewesen, als es plötzlich geheißen habe, alle müssten raus. Wieder so ein Moment großer Angst, wird Ludwig nachdenklich. Vor allem, als ein „Riesenknall“ aus der Nähe zu hören war. Eine Bombe? Der Schrecken wurde noch unmittelbarer. „Alle sind nur noch gelaufen“, sagen Ludwig und Nicole, Leute hätten ihre Kleinen aus den Kinderwagen genommen, um schneller entkommen zu können.

Dann habe plötzlich ein Mann eine Tür geöffnet und alle seien in das Haus gerannt. Auch Ludwigs Freundin Nicole gelangte hinein, kurz darauf Karli. „Das Haus hatte eine Riesen-Eichentür“, erinnert sich Ludwig noch – sie habe wieder ein bisschen das Gefühl der Sicherheit gegeben. Auch wenn er weiß: Absolute Sicherheit kann es nicht geben.

Die Menschen haben einander geholfen

Der Mann habe den geflüchteten Menschen beispielsweise Wasser gegeben, habe mit Internet geholfen, damit sie Eltern und Freunde erreichen konnten. Nicole hatte schon ziemlich schnell ihre Eltern angerufen, Ludwig hatte noch etwas gewartet. „Ich wollte sie nicht zu sehr beunruhigen. Die Nachricht vom Attentat ist in Deutschland ja etwas später angekommen“, sagt er. „Es war hart für sie…“, wird er ganz nachdenklich.

„Dann würde ich auch auf die Ramblas gehen. Um meine Gedanken zu sammeln.“

Ludwig Stepper auf die Frage nach einem weiteren Besuch in Barcelona

Viel Hilfsbereitschaft haben die beiden jungen Amberger erlebt. Sie erzählen von Menschen, die andere, die nicht mehr gehen konnten, weggetragen hätten, um sie in Sicherheit zu bringen. In einem Supermarkt seien die Türen noch so lange wie möglich offen gewesen, damit sich Menschen retten konnten. In diesem Moment des Schreckens und der Angst sei nichts mehr zu merken gewesen von manchmal spürbarer Ablehnung den Touristen gegenüber. „Barcelona war richtig voll mit Urlaubern – da versteht man schon, wenn die Einheimischen einfach genervt sind von diesen Massen“, sagt Nicole.

Überall seien aber an diesem schicksalhaften Donnerstag Türen aufgegangen, die Spanier hätten versucht, so vielen Leuten wie möglich zu helfen – „und sie dann so sicher wie möglich zu haben“, sagt Ludwig mit Blick auf die dann schließlich fest verschlossenen Türen. Irgendwann konnten sie es dann doch wagen, in ihre Unterkunft zu gehen. Und ihnen sei mehr und mehr bewusst geworden, wie viel Glück sie hatten.

Der Terroranschlag

  • Opfer

    Bei dem Terroranschlag am 17. August auf der beliebten Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona wurden 15 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt.

  • Täter

    Die Terrormiliz IS hatte sich zu dem Anschlag bekannt, bei dem die Täter mit einem Lieferwagen ungebremst in die Menschenmenge gefahren waren.

Gedenken an die Opfer

Am nächsten Tag, am Freitag, sind sie noch einmal zu den Ramblas gegangen, wo auf der Straße Blumen für die Opfer lagen. Sie wollten wie unzählige andere Solidarität zeigen, ein Zeichen setzen, dass sie sich von Terroristen nicht ihre Art zu leben nehmen lassen wollen. Die jungen Amberger geben zu, dass sie anfangs ein mulmiges Gefühl hatten, denn es habe auch die Befürchtung gegeben, dass ein weiterer Anschlag verübt werden könnte. Aber es sei ihnen wichtig gewesen, dorthin zu gehen.

„Wir lassen uns das Leben nicht von Terroristen einschränken – dann hätten sie ja gewonnen.“

Ludwig und Nicole

Ob sie noch einmal nach Barcelona fahren würden? Ludwig und Nicole antworten sofort mit Ja, weil sie diese Stadt in den Tagen vor dem Terroranschlag so begeistert hätte. „Und dann würde ich auch auf die Ramblas gehen. Um meine Gedanken zu sammeln“, so Ludwig. Die Gedanken an das Attentat, ja, sie würden belasten. Und er sagt noch einmal: „Wir hatten so viel Glück…“

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