mz_logo

Region Amberg
Mittwoch, 17. Januar 2018 10

Geschichte

Theater war einst das große Ereignis

Vor allem in den Nachkriegsjahren wollte sich niemand in Rieden die Unterhaltung entgehen lassen. Viele traten auf die Bühne.
Von Hubert Söllner

  • „Herzensprob’“ hieß es 1977 bei der Theatergruppe des Heimat- und Verkehrsvereins, unter anderem mit Gotthard Färber, dem späteren Bürgermeister (hinten Zweiter von rechts), und seiner Hedwig (Vierte von rechts); Regisseur war Josef Fleischmann (Zweiter von links). Foto: azd
  • 2001 gründete sich die Theatergruppe „Goaslandler“ – und sie erheitert inzwischen die Menschen aus Rieden und weit darüber hinaus mit humorvollen Aufführungen und tollen Ideen – wie beispielsweise 2012 bei „Leberkäs und rote Strapse“. Foto: azd

Rieden.Spannung, aber vor allem viel Humor: Wenn sich der Vorhang hebt für die Goaslandler, dann ist all dies garantiert. Und vor allem beste Unterhaltung – wie sie es auch ab dem 26. Dezember mit ihrem neuesten Stück „Boandlkramer-Blues“ unter Beweis stellen wollen. Das galt aber gleichermaßen für die Zeiten davor, denn Theaterspielen hat in Rieden lange Tradition.

Richtig aufwärts ging es nach dem Zweiten Weltkrieg. Bereits 1947 schlossen sich Theaterbegeisterte zu einer neuen Theatergruppe zusammen. Unter der Leitung von Ludwig Willecke inszenierte man die Stücke „Der verwechselte Brautwerber“, „Der Gesundheitstee“, „Die Bekehrung von Peter Salvermoser“, „Vetter Quintius Himmelfahrt“, „Drei Tag Bauer“, „Herzensrumpler“ sowie „Da kannst nix machen als lachen“.

Gastspiele an anderen Orten

1950 trat der Liederkranz mit „Die Bettelprinzessin“ auf – mit den Tänzerinnen Ludmilla Schweiger, Hilde Forster Anne Fleischmann, Marie Schnabel, Helga Mansfeld, Marianne Graf, Gertl Süß, Bärbel Krahlert. Spielleiter war Ludwig Willecke (links). Foto: azd

Einer Genehmigung der damaligen Militärregierung zufolge gab es neben den heimischen Auftritten im Gasthaus Mehringer auch Aufführungen im Gasthof Sterk in Raigering. Der Gewinn musste für Flüchtlinge und Kriegsopfer abgeführt werden. Etwa 1948 inszenierte diese Theatergruppe das Stück „Vater unser“ im Stelzer-Saal (der späteren Kongo-Bar), es folgten zwei Gastauftritte im Opl-Saal in Haselmühl.

Theater war zu dieser Zeit nicht irgendein unterhaltsamer Abend, nein, es war das Ereignis schlechthin. Jung und Alt drängten in den restlos überfüllten Saal. Keiner wollte sich die Unterhaltung entgehen lassen, die Ablenkung in den tristen Alltag der Nachkriegszeit brachte.

Der großen Nachfrage entsprechend, präsentierte auch der eben gegründete Gesangverein Liederkranz Rieden 1950 ein Theaterspiel mit Tanz und Gesang: „Die Bettelprinzessin“. Nach drei Aufführungen im Löwenwirt-Saal gab es ein Gastspiel in Kastl. Der Erlös war für die Abzahlung eines Klaviers bestimmt. 1951 folgte „S-O-S Eisberg“. „Barbara und die schwarzen Raben“ wurde inszeniert, um die Kasse der damaligen Riedener Feuerwehr aufzubessern.

Panne amüsierte die Zuschauer

Der Riedener Burschenverein präsentierte im Jahr 1958 das Stück „‘s Trauringl“ im Löwenwirt-Saal. Diese beeindruckende Aufführung Stück blieb den Riedenern lang in Erinnerung – es war ein Spiel voll Spannung und Tragik. Foto: azd

Bei dem Stück „Bis zum Tode getreu“, einer dramatischen Geschichte aus dem Wilderer-Milieu, blieb die Tragik dennoch auf der Strecke: Eigentlich sollte eine junge Frau auf der Bühne erschossen werden. Der Knall aus dem Gewehr des heimtückischen Mörders jedoch blieb aus: Es gab technische Schwierigkeiten. Eine Stimme aus dem Hintergrund forderte die junge Dame auf, doch endlich umzufallen. Doch: Sie wartete hartnäckig auf das Krachen des Gewehres – sehr zum Amüsement der Zuschauer. Letztlich verließ die Dame die Bühne zu Fuß.

Von 1958 bis 1983 ist viel dokumentiert: Das Stück „s‘ Trauringl“ (1958) blieb den Riedenern lange in Erinnerung. In dieser beeindruckenden Geschichte heiratet die hübsche Hauptdarstellerin ihren zweiten Mann, nachdem ihr geliebter erster Mann im Krieg umgekommen ist. Die böse Schwiegermutter schafft es, der jungen Frau mit Lügen und Intrigen glaubhaft zu machen, ihr erster Mann würde noch leben. Das ist zu viel für das anständige Mädel, sie geht weg und lässt sich für tot erklären.

Das war Spannung und Tragik pur, was der damalige Riedener Burschenverein in Szene setzte. Auffällig ist auch der streng religiöse Charakter der Darbietungen – oft mit Gebeten und Liedern zur Gottesmutter Maria bei der Aufführung.

1963 folgte „Die Ledigensteuer“, eine amüsante, nostalgische Geschichte von zwei heiratswütigen alten Jungfern auf der Suche nach dem passenden Ehemann – neu aufgelegt von den „Goaslandlern“ 2008 mit dem Titel „Simmerls Meisterstück“.

Von der Tragik zum Humor

„’s Lieserl vom Berghof“ hieß das Stück, das die Theatergruppe des Heimat- und Verkehrsvereins 1981 spielte. Regisseur war Josef Fleischmann (hinten Fünfter von links) – und Pfarrersköchin Lina Witt (hinten rechts) war Souffleuse. Foto: azd

Unvergessen sind auch zahlreiche Aufführungen der Katholischen Pfarrjugend unter der Obhut von Pfarrer Gaschler, der von 1958 bis 1969 in Rieden wirkte. Auch diese Theatergeneration bevorzugte tragische Bühnenstücke, geprägt von verschmähter Liebe, hinterhältigen Unsympathen und fatalen Missverständnissen – aber mit garantiertem Happy End, wie bei „Der Gußeiserne“ (1970, Bärenwirt-Saal).

Unter der Bezeichnung „Riedener Bauerntheater“ oder auch „Laienspielgruppe des Heimat- und Verkehrsvereines Rieden“ startete 1977 unter Josef Fleischmann eine weitere Theatergeneration. In der neuen Mehrzweckhalle der Schule waren bei einigen Vorstellungen bis zu 500 Besucher. Die Stücke „D‘ Herzensprob auf der Alm“ (1977), „Blasi der Bazi“ (1978), „Das Heiratsgenie“ (1979), „Der Susi ihr G’spusi“ (1980), „‘s Lieserl vom Berghof“ (1981) und „Opa will heiraten“ (1983) wurden jeweils zu Ostern mit zwei Vorstellungen aufgeführt. Deutlich spürbar bei diesen Aufführungen ist ein Übergang von der tragisch-ernsten Epoche des Theaterspieles zu humorvollen Stücken – bis zum „Lachschlager“. Und humorvoll wird es nun auch wieder mit den Goaslandlern.

Goaslandler auf der Bühne

  • Premiere

    Die Theatergruppe Goaslandler spielt heuer das Stück „Boandlkramer-Blues“ von Roland Beier in der Mehrzweckhalle der Grundschule. Premiere ist am Dienstag, 26. Dezember, um 19 Uhr.

  • Weitere Aufführungen

    Weitere Aufführungen sind am Donnerstag, 28. Dezember, Freitag, 29. Dezember, Samstag, 30. Dezember 2017, und am Mittwoch, 3. Januar 2018, jeweils um 19 Uhr. Die Aufführung am Samstag, 6. Januar 2018, um 16 Uhr ist bereits ausverkauft.

  • Karten

    Karten für die Vorstellungen im Dezember und am 3. Januar gibt es noch an der Abendkasse. Der Eintritt beträgt für Erwachsene sieben Euro, für Jugendliche bis 16 Jahre drei Euro.

Über die Geschichte des Theaterspielens in Rieden im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts erfahren Sie hier mehr!

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht