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Sonntag, 19. November 2017 9

Wetter

Unwetter verwüstet Teile Bayerns

Heftige Gewitter haben am Freitag für Chaos im Bahnverkehr und Festivalabbrüche gesorgt. Auch Ostbayern war betroffen.

München.S-Bahnen und Züge standen still, mehrere Musikfestivals wurden unterbrochen, und auch die Bundesliga war betroffen: Unwetter mit Starkregen und Gewitter sind am Freitagabend über mehrere Bundesländer gezogen. Allein in Bayern rückte die Feuerwehr zu mehr als 1000 Einsätzen aus, mindestens 20 Menschen wurden allein dort bei den Unwettern verletzt.

Schwere Gewitter mit Starkregen und stellenweise Hagel verursachten in der Oberpfalz zahlreiche Behinderungen im Straßenverkehr. Bei Verkehrsunfällen wurden vier Personen verletzt, meldet das Polizeipräsidium Oberpfalz. Bei der Polizeieinsatzzentrale Oberpfalz in Regensburg wurden am Freitag ab etwa 19 Uhr bis gegen Mitternacht, etwa 50 unwetterbedingte Einsätze registriert. Betroffen war die gesamte Oberpfalz, der zahlenmäßige Schwerpunkt lag jedoch in den Landkreisen Neustadt a.d. Waldnaab und Amberg-Sulzbach.

Festivalbesucher verlassen das Chiemsee-Summer-Festival im bayerischen Übersee, das nach einem Unwetter abgebrochen wurde. Foto: Christian Hartmann/dpa

Der Großteil der Einsätze bezog sich auf umgestürzte Bäume mit den damit verbundenen Verkehrsbehinderungen. So stürzten im Gemeindebereich Freudenberg, Lkr. Amberg-Sulzbach, in einem Waldstück zwischen Lintach und Sägmühle mehr als 15 Bäume auf die Straße. Die Kreisstraße AS 18 musste in diesem Bereich gesperrt werden, bis die Feuerwehr die Bäume mit der Motorsäge zerlegt bzw. mit einem Traktor von der Fahrbahn gezogen hatte.

In Sulzbach-Rosenberg hatte sich durch den Sturm an einem Gebäude der Malzfabrik ein größeres Blech gelockert und drohte auf die Straße zu fallen. Auch hier waren die Einsatzkräfte der Feuerwehr gefordert, um das Blechteil zu sichern. In der Unteren Gartenstraße in Sulzbach-Rosenberg wurde offenbar durch den Starkregen die Fahrbahn unterspült, so dass die Teerdecke aufriss.

Regenstauf: Blitz schlägt in Wohnhaus ein

In Regenstauf schlug ein Blitz in den Kamin eines Wohnhauses ein, zu einem Brand kam es dabei nicht. Ansonsten wurden einige Fahrzeuge durch herabfallende Äste beschädigt, Bauzäune umgeweht oder Gullydeckel durch die Wassermassen herausgedrückt.

Aquaplaning war die Ursache für mindestens acht Verkehrsunfälle. Dabei waren die betroffenen Fahrzeuge ins Schleudern geraten und in die Schutzplanken geprallt oder in den Straßengraben gefahren. Insgesamt wurden hier zwei Personen schwer verletzt, zwei weitere Personen zogen sich leichte Verletzungen zu.

Bei Neustadt raste ein Agilis-Zug in einen Baum, der beim Unwetter auf die Schienen gestürzt war. 20 Menschen mussten evakuiert werden.

Fahrgäste stehen in Kempten im Bahnhof vor einer Anzeigetafel, auf der die Einstellung des Zugverkehrs angekündigt ist. Foto: dpa

In München wurde der S-Bahn-Verkehr für rund 40 Minuten komplett eingestellt. Auch auf anderen Bahnstrecken ist es aufgrund der extremen Wetterlage zu Problemen gekommen. Die Deutsche Bahn teilte am Samstagmorgen mit, dass mehrere Strecken in Nieder- und Oberbayern wegen Ästen und Bäumen im Gleis gesperrt sind. Die Bahn arbeitee mit Hochdruck daran, betroffene Strecken wieder frei zu bekommen. Jedoch sei im Laufe des Tages im S-, Nah- und Fernverkehr mit Einschränkungen zu rechnen, da die Sichtung und Behebung einiger Schäden erst nach Tagesanbruch erfolgen kann.

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Wegen eines Gewitters mit Starkregen verzögerte sich der Anpfiff zur zweiten Halbzeit der Bundesliga-Partie zwischen dem deutschen Fußball-Meister Bayern München und Bayer Leverkusen. Im Eröffnungsspiel der 55. Bundesliga-Saison war am Freitagabend nach etwa einer halben Stunde Spielzeit ein Unwetter über die Allianz Arena hinweggezogen. Die Bedingungen für die Spieler wurden immer schwieriger, viele Zuschauer suchten Schutz in den oberen Rängen.

170 Einsätze in Mittelfranken

In Fürth kippten Wohnwagen um. Foto: Reporter23/dpa

Die Polizeistationen vermeldeten wetterbedingte Unfälle. So wurden in Mittelfranken etwa Häuser abgedeckt und ein Wohnwagen umgeweht. Von verletzten Menschen war aber zunächst keine Rede. Ein Sprecher ging jedoch von hohen Sachschäden aus. Allein die Polizei in Mittelfranken habe seit 17 Uhr rund 170 wetterbedingte Einsätze gehabt.

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) waren vor allem in Südbayern binnen kurzer Zeit erhebliche Regenmassen niedergeprasselt. Für München meldete ein Sprecher 27 Liter innerhalb einer halben Stunde. Im niederbayerischen Vilsheim (Landkreis Landshut) seien es 32 Liter gewesen. „Das ist schon ziemlich heftig“, sagte der DWD-Mitarbeiter. Hinzu seien schwere Sturmböen gekommen. Einige seien mit weit mehr als 100 Kilometern pro Stunde orkanartig gewesen.

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Das Chiemsee-Summer-Festival in Übersee und das Echelon-Festival in Bad Aibling bei Rosenheim wurden wegen Sturms und Regens abgebrochen. Bei dem Fest in Übersee ließen sich rund 50 Menschen in Folge des Unwetters ärztlich behandeln, einige davon psychologisch. Zehn Menschen erlitten so starke Verletzungen, dass sie ärztlich behandelt werden mussten. Auch beim Echolon wurden mindestens zehn Menschen verletzt und behandelt. Die Campingplätze in Übersee seien total verwüstet, Notunterkünfte würden geöffnet, teilte die Polizei mit.

Wie die Bayernwerk AG in Regensburg mitteilt, waren mehr als 40 000 Haushalte und Betriebe im Bayernwerk-Netzgebiet zeitweise ohne Strom. Die Netzleitstellen des Bayernwerks in Dachau (Oberbayern) und Neunburg vorm Wald (Oberpfalz) sowie die mobilen Serviceteams der regionalen Netzcenter sind seit dem frühen Freitagabend ununterbrochen im Einsatz, um die zahlreichen Unwetterschäden aufzuarbeiten.

Viele Bundesländer betroffen

In Berlin verhängte die Feuerwehr zum dritten Mal binnen weniger Wochen den Ausnahmezustand. Währenddessen – zwischen 20.30 Uhr und 23.10 Uhr – rückte die Feuerwehr 85 Mal zu wetterbedingten Einsätzen aus.

Ein Feuerwehrmann zersägt nach einem schweren Unwetter in Freiburg einen Baumstamm. Foto: dpa

Wegen heftiger Unwetter wurde auch die Polizei in Freiburg am Freitag zu Dutzenden Einsätzen gerufen. Beim Stadttheater stürzte ein Baum auf eine Straßenbahnleitung. Zudem steckte ein Auto in einer überfluteten Unterführung fest. Im gesamten Stadtgebiet kam es zu Verkehrsstörungen. Ein Mann erlitt einen Schock, als Teile eines Baumes auf sein Auto fielen.

Auch in Österreich hat es schwere Unwetter gegeben. Ein heftiger Sturm hat in Oberösterreich ein Festzelt mit 650 feiernden Gästen umgerissen und eine Tragödie ausgelöst: Zwei Menschen kamen dabei ums Leben.

In Heidelberg waren wegen starken Windes zeitweise zwei Fensterputzer in einer Gondel in 35 Metern Höhe gefangen, wie die Berufsfeuerwehr mitteilte. Letztlich konnten beide befreit werden.

In Niedersachsen kam bei einem Unfall während heftiger Regenfälle auf der A2 bei Auental ein Autofahrer ums Leben, die Autobahn musste vollgesperrt werden. Auch über Teilen von Sachsen-Anhalt gab es wieder Unwetter mit laut Polizei erheblichen Sturmschäden: Es wurden Dächer abgedeckt, Bäume fielen um, Dächer und Garagen wurden beschädigt. (aa/dpa)

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