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Region Amberg
Sonntag, 21. Januar 2018 10

Verkehr

Viele Mängel im Radwegenetz entdeckt

Auf zehn Millionen Euro werden die Kosten geschätzt, um die Situation für Radfahrer in der Stadt Amberg zu verbessern.
Von Gerd Spies

Köferinger Straße, ein Beispiel für das völlige Fehlen eines Radweges: Er endet stadteinwärts am Kreisel auf Höhe des ehemaligen Bundeswehrkrankenhauses. Foto: age

Amberg. „Das Fahrrad ist das ideale städtische Verkehrsmittel! Für fast alle Altersgruppen ist es ein besonders umweltfreundliches, gesundheitsförderndes und kostengünstiges Verkehrsmittel.“ So steht es im 160 Seiten umfassenden Kompendium, das jetzt die Planungsgemeinschaft Verkehr PGV-Alrutz in Hannover als Radverkehrskonzept 2017 für die Stadt Amberg im Auftrag der Stadtverwaltung verfasst hat.

Trotzdem ist der Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr in Amberg eher überschaubar: nur zwölf Prozent. Im Vergleich zu anderen Städten – von den europäischen Rad-Metropolen Münster, Amsterdam und Kopenhagen ganz zu schweigen – treten in Amberg unterdurchschnittlich wenige Bürger regelmäßig in die Pedale, dafür mehr aufs Gaspedal ihres Autos. Was sind die Ursachen dieser Verhältnisse, die tagtäglich auch für den Verkehrskollaps auf Ambergs Straßen zu „Rushhour“-Zeiten verantwortlich sind? Das jetzt erstellte Konzept listet schonungslos die Ursachen und notwendigen Maßnahmen auf.

28 Vorschläge zur Verbesserung

Als unzureichend bemängelt wurden die Bordsteinabsenkung am Pfalzgrafenring. Foto: age

Heike Prahlow, die Geschäftsführerin des niedersächsischen Planungsbüros, stellte dem Stadtrat jetzt das Ergebnis der Untersuchung vor. „Der Radweg im Stadtgebiet wird überwiegend gemeinsam mit dem Fußverkehr geführt, häufig sogar auf einseitigen Anlagen im Zweirichtungsverkehr. Oft fehlen Sicherheits-Trennstreifen zur Fahrbahn oder zu parkenden Autos, auf einigen wichtigen Verbindungen fehlen Radverkehrswege sogar ganz.“

Die Mängelliste des 157 Kilometer langen Amberger Radverkehrsnetzes, die das Planungsbüro aufführt, ist lang, der Handlungsbedarf entsprechend groß. Auf 179 Abschnitten bzw. Stellen wurden Defizite festgestellt, 238 Einzelmaßnahmen zu ihrer Beseitigung vorgeschlagen. Auf zehn Millionen Euro werden insgesamt die Kosten geschätzt.

Problemfeld Siemens AG Amberg: Lediglich sechs Prozent der Mitarbeiter, so die Untersuchungen, fahren mit dem Fahrrad, obwohl zwei Drittel in einer Entfernung von weniger als fünf Kilometern wohnen. Durchschnittlich 90 Prozent der Mitarbeiter fahren mit dem Auto zur Arbeit, die Folgen jeden Morgen und nach Feierabend im Umfeld des Werkes kennt jeder.

Wichtige Verbindungen fehlen

Beidseitige Schutzstreifen gibt es in der Sebastianstraße. Foto: age

Problemfeld Radverkehrsnetz: Wichtige Verbindungen existieren überhaupt nicht (Beispiel Köferinger Straße, Raigeringer Straße, Bayreuther Straße) oder nur im unfallträchtigen Zweirichtungsverkehr (Beispiel Kaiser-Wilhelm-Ring). Viele Radwege sind sehr eng (Beispiel Krumbacher Straße), schlecht bzw. nicht eindeutig ausgeschildert, weisen unzureichende Bordsteinabsenkungen auf (Beispiel Pfalzgrafenring), teilweise auch schadhafte Beläge (Beispiel Maxplatz).

Es wurden aber auch positive Beispiele aufgezeigt. So wird die Erlaubnis, in der Fußgängerzone mit dem Fahrrad im Schritttempo zu fahren, ausdrücklich begrüßt. Auch die Einrichtung von „Fahrradstraßen“ bei Einbahnstraßen, wo gegengerichteter Radverkehr erlaubt ist, wird positiv gesehen (Beispiel Neustift, Schiffgasse). Außerdem werden Schutzstreifen, die auf der Fahrbahn markiert sind, positiv gewertet (Beispiel Sebastianstraße). Weitere Fahrradstraßen, besonders im Umfeld der innerstädtischen Schulen, wenn die Einrichtung benutzungspflichtiger Radwege aus Platzmangel nicht möglich ist, werden empfohlen.

Die Liste mit den notwendigen Maßnahmen, gegliedert in Prioritätsstufen, ist lang. Sie liegt dem Stadtrat jetzt schwarz auf weiß vor. So sollen zum Beispiel aus Sicht des Planungsbüros auch die Straßenbeläge der Radwege verbessert werden. Schäden seien auszubessern, um Unfälle zu vermeiden. Die Kopfsteinpflasterbeläge in der Altstadt sollen entweder durch Verfüllen der Fugen oder durch Verlegung von Pflasterstreifen geebnet werden.

Abstellplätze

  • Wichtige Voraussetzung

    Bei ganztägiger Nutzung des Fahrrades spielen die Abstellmöglichkeiten aus der Sicht des Planungsbüros eine wichtige Rolle.

  • Viele Defizite

    Laut der Untersuchung weist das Angebot an Abstellplätzen für Fahrräder in Amberg erhebliche Defizite bei Qualität und Quantität auf. Überdachte Abstellflächen mit Rahmenhalter seien besonders empfehlenswert. (age)

Erste Maßnahmen schon 2018

Auch wenn auf Vorschlag von OB Michael Cerny das vorgestellte Radverkehrskonzept lediglich als „Leitfaden“ beschlossen wurde: Die Stadträte sind sich darin einig, dass 2018 bereits mit ersten konkreten Maßnahmen begonnen werden muss. 250 000 Euro sind im Haushalt 2018 hierfür vorgesehen. CSU-Fraktionschef Dieter Mußemann verlangt einen Masterplan, was sofort umzusetzen sei. SPD-Stadtrat Dieter Amann hofft, dass nach 20 Jahren Diskussion über das Radwegekonzept jetzt endlich Taten folgen.

Hans-Jürgen Bumes (Die Grünen) fasste die Stimmung im Stadtrat am Ende so zusammen: „Es gibt viel zu tun, wir müssen es jetzt anpacken!“. Zehn Millionen Euro Investition in zehn Jahren – das müsse laut Bumes der Stadt das Fahrradfahren wert sein. Genauso wichtig dürfte aber die Überzeugungsarbeit bei den Bürgern sein.

Ein Thema bei der jüngsten Stadtratssitzung war auch die Verabschiedung von Mitglied Ismail Ertug.

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  • RR
    Rolf-Dieter Reichert
    20.12.2017 21:35

    Die SPD fordert ein Radwegekonzept schon seit Jahren. Diese Studie, die sich jetzt die CSU auf die Fahnen schreiben wird, ist doch wiedermal nur Hinhaltetaktik nach dem Motto: Wenn ich (die CSU) nicht mehr weiter weiß, bilde ich ganz schnell einen Arbeitskreis (damit der Rest des Magistrates beschäftigt ist).

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