mz_logo

Region Amberg
Montag, 25. September 2017 18° 5

Initiative

Vorreiter sein bei der Elektromobilität

Zwei bis vier Ladesäulen in jeder Amberg-Sulzbacher Gemeinde sollen Standard sein. Das E-Mobilitätskonzept nimmt Formen an.
Von Gerd Spies

Die Ladesäulen-Infrastruktur ist das zentrale Thema, um die Elektromobilität voranzubringen. Nach dem ausgearbeiteten Konzept sollte in jeder Gemeinde des Landkreises Amberg-Sulzbach künftig zwei bis vier Ladesäulen für Autos geben. Symbolfoto: dpa

Amberg. „Die heutige Veranstaltung ist der Beginn der Umsetzungsphase!“ So beschrieb Matthias Groher (Institut Neue Mobilität) den aktuellen Stand des Elektromobilitätskonzepts für den Landkreis. Die vergangenen drei Monaten standen im Zeichen der Entwicklung von Handlungskonzepten und Nutzungsmöglichkeiten der E-Mobilität im Raum Amberg-Sulzbach. Jetzt gelte es, die Konzepte in die Realität umzusetzen. Die beiden Fachleute, Matthias Groher und Hardy Barth aus Schwend, die das vom Bundesverkehrsministerium geförderte Projekt betreuen, stellten am Donnerstag ihre Ergebnisse vor.

Derzeit 86 E-Autos im Landkreis

Alle 27 Bürgermeister der Landkreisgemeinden, dazu Vertreter der verschiedenen Verbände und Organisationen, waren in den Senatssaal der Amberger OTH gekommen, um gemeinsam die Umsetzung des Projekts Elektro-Mobilität zu diskutieren. „E-Mobilität reicht vom Zweirad bis zum Bus“, beschrieb Groher die Bandbreite dieser umweltfreundlichen Art der Fortbewegung.

Im Klimaschutzkonzept der Bundesregierung seien zehn Prozent aller Fahrzeuge als Ziel festgezurrt, das seien bei 10 000 Fahrzeugen im Landkreis 1000 Elektrofahrzeuge, davon allein 7000 Pkw. Bei zurzeit gerade einmal 86 im Landkreis zugelassen Elektroautos werde sich daher auf dem Sektor viel tun, versprach Groher. Strom sei ja genügend da, die 7000 Autos würden nur drei Prozent des vorhandenen Stroms beanspruchen.

Ladesäulen sind ein Standortvorteil

Matthias Groher (rechts) stellte den Kommunalpolitikern das Elektromobilitätskonzept vor; links sitzend Hardy Barth. Foto: Spies

Das Kernthema werde dabei die Ladeinfrastruktur sein. Zwei bis vier Ladesäulen in jeder Gemeinde, rechnet Groher vor, sollten Standard sein. Zapfsäulen für Strom würden nicht nur für den Tourismus, sondern auch für den Handel zum Standortvorteil. Handelsriesen wie Aldi oder Lidl planten bereits die Ausstattung ihrer Großparkplätze mit Ladestationen. Bei der Frage, wer Betreiber dieser Ladesäulen in den Gemeinden sein soll, riet Groher, auf einen regionalen Anbieter zurückzugreifen, der die Betriebsführung im gesamten Landkreis koordiniert.

Hardy Barth, dessen Unternehmen sich inzwischen neben Solaranlagen auch auf Ladeinfrastruktur spezialisiert hat, stellte als Ergebnis der Bedarfsanalyse in den vergangenen Monaten eine interaktive Landkreis-Karte vor, auf der alle potenziellen Standorte mit Ladestationen eingezeichnet sind. Insgesamt 25 sogenannte „präferierte“ Standorte mit besten Voraussetzungen habe man ausgewählt, dazu technische Details an jedem Standort eingetragen.

Dem Nutzer der Ladesäulen etwas „bieten“

Wichtig sei dabei zum Beispiel, dass schon ein Stromanschluss bestehe und keine zusätzlichen Kosten entstehen würden. Ebenso sollte man darauf achten, dass es sich um Standorte handle, an denen dem Nutzer auch etwas „geboten“ werde: dass er sich etwas anschauen oder einen Kaffee trinken könne, während das Fahrzeug geladen wird, nannte Hardy Barth als Beispiel. In die Auswahl präferierter Standorte seien auch Ergebnisse einer Online-Umfrage eingeflossen.

In Schmidmühlen würde sich beispielsweise der Parkplatz Mühlwiese anbieten – mit der Einkaufsmöglichkeit nebenan und einem kurzen Fußweg in den Ortskern, während das Auto geladen wird. Die Gemeinde Kümmersbruck hat laut Barth sogar schon einen Förderantrag gestellt für eine Ladestation am Parkplatz neben der Raiffeisenbank. Gute Lösungen wäre auch der Parkplatz nahe dem Aktivbad KA 2 und der Kirche sowie beim Rathaus, nannte Barth gegenüber unserem Medienhaus weitere Beispiele.

„Diese Karte lebt, da sie ständig aktualisiert wird“, ergänzte Groher. Ziel sei es nun, diese Karte im Internet für jeden Nutzer per Mausklick bereitzustellen.

E-Carsharing

  • Idee

    Extra aus Wien war Martin Mai, der Geschäftsführer von „greenmove GmbH“, angereist, um den Kommunalpolitikern die innovative „E-Car-Business-Lösung“ seines Unternehmens vorzustellen. Die Firma „greenmove“ bietet den Kommunen Elektro-Autos an, die auf fest angemieteten Parkplätzen stehen und von Kunden genutzt werden können.

  • Vorteile

    Für die Gemeinden ergebe sich durch dieses Vermietungs-System weniger Verkehrsaufkommen und damit weniger Parkplatzbedarf, außerdem weniger CO-Ausstoß. Die Nutzer könnten sich durch dieses Mietsystem in der Regel das Zweitfahrzeug sparen. (age)

Beispiel: Sozialstationen der Caritas

Richard Sellmeyer, Geschäftsführer der beiden Caritas-Sozialstationen in Amberg und Hirschau, stellte die Nutzung von Elektrofahrzeugen vor. Foto: Spies

Dass das vorgestellte Konzept der E-Mobilität keine ferne Zukunftsmusik, sondern schon Realität sein kann, zeigte Richard Sellmeyer, Geschäftsführer der beiden Caritas-Sozialstationen in Amberg und Hirschau. 13 Elektro-Fahrzeuge umfasst der Fuhrpark der Organisation, 380 000 Kilometer fahren die Caritas-Mitarbeiterinnen jährlich auf den Straßen von Amberg und Hirschau.

Sellmeyer rechnete den Kommunalpolitikern sein Erfolgsmodell vor: 20 000 Euro Sprit-Kosten würden eingespart, stattdessen würden gerade mal 3000 Euro Kosten für Strom anfallen, den aber die eigene Photovoltaik-Anlage produziert. Von den geringeren Kosten für Kundendienst und Verschleiß an den Fahrzeugen ganz zu schweigen. „Es lohnt sich, dieses Auto zu fahren“, lautete das Resümee des Geschäftsführers.

Noch in diesem Sommer soll die Entscheidung fallen, wer der Betreiber der Ladeinfrastruktur im Landkreis Amberg-Sulzbach sein soll. Außerdem werden verschiedene Maßnahmen zur Akzeptanz-Förderung der E-Mobilität durchgeführt. So waren sich alle einig: Die Elektro-Mobilität im Landkreis nimmt Fahrt auf!

Unterstützt wird das Konzept für die E-Mobilität auch mit Fördergeldern des Bundes.

Mehr aus der Region Amberg-Sulzbach/Amberg finden Sie hier!

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht