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Amberg
Sonntag, 23. Juli 2017 22° 6

Historie

700 Jahre Geschichte auf über 300 Seiten

Im Amberger Stadttheater stellt Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl das neue Buch zur „Oberpfälzer Klosterlandschaft“ vor.
Von Christian Danzer

Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl, Bürgermeister Martin Preuß, Bezirkstagspräsident Franz Löffler, Dr. Johannes Laschinger (oben, von links) mit Verleger Friedrich Pustet (vorne, rechts) und den Autoren des Sammelbands

Amberg.Das Buch „Oberpfälzer Klosterlandschaft“ von Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl wurde am Freitagnachmittag in einem passenden Rahmen vorgestellt. Im Oberen Foyer des Amberger Stadttheaters, das ja selbst bis zum Jahre 1803 ein Franziskanerkloster war, hatten sich zahlreiche Gäste aus Politik, Kirche, Heimatpflege und dem Kulturbereich versammelt. Auf 328 Seiten wird im neuen Band der Reihe „Beiträge zur Geschichte und Kultur der Oberpfalz“ die Geschichte der Klöster vorgestellt.

Unter den Gästen war auch Bezirkstagspräsident Franz Löffler, der zum neuen Werk gratulierte. „Im Mai 2016 hatten wir ja bereits den ersten Band der Reihe mit ,Tracht im Blick – die Oberpfalz packt aus’ präsentieren können“, erinnerte er. Appl dankte dem Streichquartett vom Max Reger Gymnasium und den Gästen, die sich „Zeit genommen haben.“ Mit der Veranstaltung könne vielleicht ein bewusster Kontrapunkt zur hektischen Adventszeit gesetzt werden. Denn Klöster und klassische Musik würden ja schon immer als Garanten für die oft beschworene, aber selten gelebte Entschleunigung gelten.

Appl stellte die Inhalte des Buches mit seinen drei Kapiteln vor. Den räumlichen und zeitlichen Rahmen bilde das Fürstentum der Oberen Pfalz von seiner Entstehung 1329 bis zur Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts. „Kapitel eins bildet die Epoche der Klostergründungen der alten Prälatenorden, also der Benediktiner-, Zisterzienser- und Prämonstratenserklöster.“ Im zweiten Kapitel steht die Zeit des Spätmittelalters im Fokus, in der sich die Bettelorden der Dominikanerinnen (Schwarzhofen und Engelthal), der Augustiner-Eremiten (Schönthal) und der Franziskaner (Amberg und Möninger Berg) sowie in Gnadenberg die Birgitten aus Schweden niederließen. „Im dritten Kapitel werden schließlich die Reformorden aus der Frühen Neuzeit behandelt.“ Zu dieser Zeit habe vor allem die damalige Hauptstadt der Oberpfalz, Amberg, eine besondere Bedeutung besessen. In unmittelbarer Nähe zueinander lebten und beteten Jesuiten, Franziskaner, Paulaner, Kapuziner und Salesianerinnen.

In der Oberpfalz setzten, im Vergleich zum restlichen Altbayern, die Klostergründungen erst relativ spät ein, nämlich im 11. und 12. Jahrhundert. Benediktiner ließen sich in Weißenohe, Kastl, Reichenbach, Michelfeld und Ensdorf nieder. „Durch die Klostergründungen ergaben sich auch Aufgaben wie Erschließung, Rodung und Grenz- und Herrschafssicherung“, so Appl. Noch heute bildeten Klöster wie Waldsassen, Steinhart oder Plankstetten den spirituell-religiösen, baulichen, kulturellen, wirtschaftlichen oder touristischen Mittelpunkt einzelner Gegenden der Oberpfalz.

Diese Beispiele zeigten, welch große Rolle die Klöster bei der Entwicklung der Oberpfalz gehabt hätten, so Appl weiter. Doch sollte bei aller weltlichen Bedeutung „niemals vergessen werden, dass stets das Religiös-Geistlich-Spirituelle den Kern jeder klösterlichen Gemeinschaft bildete.“ Im 13. Jahrhundert habe in ganz Europa eine Gründungswelle der Bettelordensklöster eingesetzt. „Interessanterweise wurden die ersten Niederlassungen in der Oberpfalz nicht in Städten, sondern auf dem Land wie zum Beispiel in Engelthal, Schönthal oder Schwarzhofen eröffnet.“ Bereits im 16. Jahrhundert hätten die Klöster dann ihr Ende gefunden, da sich die Pfälzer Kurfürsten zuerst der Reformationsbewegung und dann der calvinischen Konfession anschlossen. Im Dreißigjährigen Krieg ging die Obere Pfalz wieder an das katholische Bayern, so dass im Jahr 1669 die Kloster wiederbegründet wurden. Durch die schwächere rechtliche Stellung aus jener Zeit erfolgte bereits im Jahr 1802 die Säkularisation.

Ein Buch mit einem so umfassenden Ansatz kann natürlich nicht ein Historiker alleine schreiben. Appl dankte deshalb allen Autoren, seinem Herausgeber Manfred Knedlik und dem Verleger Fritz Pustet. Laut Appl ist es das Ziel des Buches, die von der Forschung oftmals übersehene Klosterlandschaft der Oberen Pfalz nicht nur deutlicher in den Fokus der wissenschaftlichen Fachwelt zu rücken. Man hoffe darüber hinaus, „dass eine breite interessierte Öffentlichkeit der Klosterlandschaft die Beachtung und Aufmerksamkeit schenkt, die ihr in unseren Augen zusteht.“

Autoren und andere Beteiligte

  • Autoren

    Dr. Manuela Daschner, Dr. Sandra Frauenknecht, Dr. Katja Putzer, Josef Bauer, Dr. Stefan Benz, Dr. Matthias Binder, Bernhard Fuchs M.A., Dr. Johann Gruber, Prof. Dr. Karl Hausberger, Dominik Kaufner M.A., Dr. Johannes Laschinger, Christian Maler M.A., Prof. Martin Ott, Dr. Frank Präger, Prof. Alois Schmid, Dr. Georg Schrott, Erwin Stoiber, Prof. Dr. Klaus Unterburger und Wolfgang Lorenz Zellner.

  • Fotograf

    Mario Kick.

  • Lektor

    Willibald Butz.

  • Vertreter der Archive und Bibliotheken

    Siglinde Kurz, Leiterin der Provinzialbibliothek Amberg, Dr. Maria Rita Segstetter, Leiterin des Staatsarchivs Amberg, Sabine Tausch, Museen der Stadt Regensburg.

  • Musiker

    Magdalena Urban, Constanze Frauendorfer, Franz Schottenheim, David Galperin. (kcd)

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