Ein imposantes und farbenprächtiges Bild bot beim Gemeinschaftschor der rund 650 Musiker und Musikerinnen der restlos überfüllte Marktplatz östlich des historischen Rathauses. Foto: asn
Landkreis. Für einen Nachmittag avancierte die Stadt Hirschau am vergangenen Sonntag zur „Blasmusikhauptstadt der Oberpfalz“. Auf Einladung des Bezirksverbandes des Nordbayerischen Musikbundes (NBMB) trafen sich 16 Spielmanns- und Fanfarenzüge bzw. Blasorchester mit mehr als 600 Musikern und Musikerinnen in der Kaolinmetropole zum Bundesbezirksmusikfest. Der Festzug und der abschließende Gemeinschaftschor wurden zum absoluten Höhe- und Schlusspunkt des „38. Hirschauer Marktplatzfestes“. Mit ihm feierte der Musikzug zwei Tage lang sein 60-jähriges Bestehen.
Pünktlich um 14 Uhr machte sich der von Annette Pruy dirigierte Musikzug mit seinen Baton schwingenden Majoretten vom Schloss-Hotel aus auf den mehr als einen Kilometer langen Weg, um die einzelnen Blaskapellen einzusammeln. Diese hatten bereits eine halbe Stunde vorher an den ihnen zugewiesenen Standorten entlang der Festzugstrecke Posten bezogen und mit ihren Standkonzerten begonnen.
Derweil drängten sich entlang der Hauptstraße, auf dem Marktplatz und den angrenzenden Bürgersteigen längst wahre Menschenmassen. Die vorbereiteten 2000 Sitzplätze reichten bei weitem nicht aus, Hunderte mussten mit Stehplätzen vorlieb nehmen. Mit Landrat Richard Reisinger, seinem Stellvertreter Richard Gaßner, Bezirksrat Alois Seegerer sowie den Bürgermeistern Hans Drexler und Alfred Härtl hatte sich auf der Bühne neben Festzug-Moderator Werner Schulz reichlich politische Prominenz eingefunden. Letzterer hatte größte Mühe, die für den Gemeinschaftschor der Musiker reservierte südliche und nördliche Hauptstraße vom Publikumsverkehr freizuhalten.
Gemeinschaftschor war Erlebnis
Tosender Beifall brandete auf, als der Musikzug unter den Marschklängen von „Schloss Leuchtenburg“ als erste Kapelle auf der südlichen Hauptstraße am Marktplatz eintraf. An der Spitze marschierte als Standartenträger Werner Stein. Ihm gratulierte Werner Schulz von der Bühne aus zum 25. Jubiläum als Musikzugvorsitzender.
Riesenbeifall der die Hauptstraße säumenden Zuschauer begleitete den Musikzug, der von Vorsitzendem Werner Stein als Standartenträger angeführt wurde, auf seinem Festzugweg durch die Innenstadt zum Marktplatz. Foto: asn
Nicht weniger lautstark fiel der Applaus für die Stadtkapelle Neunburg vorm Wald aus, die den Marktplatz über die nördliche Hauptstraße erreichte. Angeführt wurden die Neunburger vom in Hirschau bestens bekannten Dirigenten Anton Lottner. Dieser hatte von 1987 bis 2002 selbst 15 Jahre lang den Hirschauer Musikzug dirigiert. Schlag auf Schlag ging es weiter mit den Ankünften der Orchester. Sie wurden jeweils kurz von Werner Schulz vorgestellt. Als die Hahnbacher Marktbläser ihren Platz eingenommen hatten, bot der beidseitig von den Orchestern gesäumte Marktplatz ein imposantes Bild.
Landrat Reisinger und Bürgermeister Drexler hielten sich kurz bei ihren Ansprachen. Sie gratulierten dem Musikzug zum Jubiläum und lobten das Engagement und die Leistungen des Jubelvereins sowie der Musikvereine schlechthin. Bürgermeister Drexler unterstrich die Bedeutung des Musikzugs für das kulturelle Leben der Stadt.
Der völkerverbindende Charakter der Musik wurde für Musiker und Zuschauer gleichermaßen erfahrbar, als das 650-köpfige Orchester zunächst den von Matthias Fenk dirigierten Marsch „In Harmonie vereint“, dann unter Stabführung von Annette Pruy den „Glück-auf-Marsch“ intonierte.
Emotionsgeladene Höhepunkte des Gemeinschaftschores, zu denen sich das Publikum von den Plätzen erhob, waren die Bayernhymne, dirigiert vom Kreisdirigenten Gerhard Böller, und das Deutschlandlied. Bei ihm schwang Bezirksdirigent Michael Schäfer den Taktstock. Auf Aufforderung von Werner Stein beendeten die Musiker ihre Darbietungen mit dem Musikantengruß.
Geschenke für den Musikzug
Für eine gelungene Überraschung sorgten die Hahnbacher Marktbläser. Sie brachten als Patengeschenk eine Zillenfahrt nach Kümmersbuch mit, samt Einkehr der beiden Kapellen und Rückfahrt. In Anspielung auf das von den Hirschauer beim Patenbitten vergessene Bierfass überreichten sie an Werner Stein ein leeres Fass mit der Bitte, die „Luft raus zu lassen“. Auch das Patenkind des Musikzugs, der Musikverein RVE Straßbessenbach, der wegen der Urlaubszeit nicht spielfähig, aber mit einer zwölfköpfigen Delegation vertreten war, war nicht mit leeren Händen gekommen. Als Geschenk gab es neben fränkischem Wein das Musikstück „Spessartmarsch“ zur Vorbereitung auf das nächste Zusammentreffen. (asn)