Idyllische Orte wie hier an der Vils gibt es zuhauf im Naturpark Hirschwald. Foto: ajp
Von Josef Popp
Vilstal. Ausgedehnte Wälder, heckenreiche Hügel, buchenbestandene Dolomitkuppen, wundervolle Wacholderheiden sowie viele seltene Pflanzen und Tiere: Bayerns zweitjüngster Naturpark, der Naturpark Hirschwald im Landkreis Amberg-Sulzbach, ist eine ökologischen Perle Deutschlands. Eine einzigartige Natur erleben – das ist in einer der wertvollsten Naturlandschaften Bayerns möglich. So stellt sich der Naturpark Hirschwald dar und ist dabei auf dem besten Weg, sich selbst neu zu sehen, vielleicht sich auch neu zu definieren.
Seltene Pflanzen und Tiere
Doch was steckt hinter diesem Naturpark? Zunächst und vor allem einmal viel Natur. Denn die Natur – weithin noch verhältnismäßig naturbelassen und von großagrarischen Projekten verschont – ist das Kapital des südlichen Landkreises. Immerhin liegt beim Begriff Naturpark die Betonung auf Natur(-Park). Es ist wohl eines der interessantesten Großprojekte in der Geschichte des Landkreises Amberg-Sulzbach. Es gilt, die Sensibilität für die einzigartige Natur herauszuformen und zugleich die Kreativität der Bürger zu entwickeln. Dies geht zunächst nur, wenn man die Stärken der Region kennt. Und da gehören nun einmal „Land und Leute“ dazu.
Der Naturpark Hirschwald im Herzen des Naturraums „Mittlere Frankenalb“ erstreckt sich von den Erzberghöhen in Amberg bis Schmidmühlen und vom Lauterachtal bis zum Tal der Vils im südlichen Landkreis Amberg-Sulzbach. Das Herzstück des Naturparks ist zugleich der Namensgeber: der Hirschwald. Das ehemalige Kurfürstliche Jagdgebiet vor den Toren der Stadt Amberg ist einer der traditionsreichsten Forste in Bayern. Er hat heute noch das Privileg, ein Rotwildgebiet zu sein.
Zwei Flüsse gehören zum Naturpark dazu: die Vils und die Lauterach. Das Lauterachtal entspricht dem Urbild eines oberpfälzer Jurabaches. Es ist eine echte ökologische Perle; nimmt man die drei geschichtsträchtigen Lauterachtalgemeinden Schmidmühlen, Hohenburg und Kastl dazu, könnte man auch von einer Perlenkette sprechen.
Mittendrin im Naturpark: der Ort Hirschwald Foto: MZ-Archiv
An den Südhängen dieses einmaligen Tales zeigen sich wundervolle zusammenhängende Wacholderheiden mit einer außergewöhnlichen Flora und Fauna. So findet man hier den Kreuzenzian oder die Küchenschelle, ebenso seltene Orchideen wie das Brandknabenkraut oder das rote Waldvögelein. An heißen Sommertagen gaukelt der Segelfalter an den Hängen auf der Suche nach Nektar und einem Platz zur Eiablage.
Flüsse ökologisch interessant
Die Lauterach selbst ist ein noch weitgehend unberührter Bach und als attraktives Salmonidengewässer weithin bekannt. Im klaren Wasser tummeln sich Bachforellen und Äschen. Abends kann man am Ufer der Lauterach viele verschiedene Fledermausarten nach Insekten jagen sehen. Wer aufmerksam in der Gegend von Ursensollen bis Hohenburg unterwegs ist, kann hier die beeindruckendste heimische Orchidee, den Frauenschuh, entdecken.
Genauso ökologisch interessant ist das Vilstal. Behäbig fließt der kleine Fluss in Richtung Naab und Donau. Im gesamten Unterlauf der Vils gibt es eine interessante und reichhaltige Vogelwelt, z.B. mit Eisvogel, Wasseramsel, Reiher. Seit vielen Jahren hinterlässt auch der Biber seine Spuren.
Doch mit dem dichter besiedelten Vilstal rückt schon eher der „Kultur-Raum Hirschwald“ in den Vordergrund. Die Vils – sie begrenzt den Naturpark im Osten – war im Mittelalter die Lebensader der mittleren Oberpfalz. Bis weit in das 19. Jahrhundert war der Fluss eine bedeutende Schifffahrtsstraße für Eisenerz und Salz und brachte Wohlstand in die Region.
Von dieser Blütezeit zeugen noch heute viele Schlösser und Klöster. Eines der beeindruckendsten Bauwerke ist das Salesianerkloster Ensdorf. Es beheimatet seit einigen Jahren eine Umweltstation und ist eine feste Station für Pilger auf dem Jakobusweg.
Doch jede der Vilstalgemeinden hat ihre Trumpfkarte: Schmidmühlen seine drei Schlösser und ein ausgereiften Kulturprogramm, Rieden sein Reitsportzentrum in Kreuth mit internationalen Flair, Kümmersbruck das Kultur-Schloss in Theuern, einen Anziehungspunkt mit anspruchsvollem Veranstaltungsniveau.
Viele Facetten zeichnen die Naturparkregion aus - vor allem auch die Kultur, wie beispielsweise beim Erasmus-Grasser-Festspiel Schmidmühlen. Foto: Michaela Fichtner
Ein großes Zukunftsprojekt
Der Naturpark Hirschwald wäre nicht komplett ohne die Gemeinde Ursensollen, die zwar keinem dieser beiden Täler zugeordnet werden kann, aber als Tor zum Naturpark aus Richtung Nürnberg mit vielen reizvollen kleinen Ortschaften den Reiz einer urigen oberpfälzer Landschaft repräsentiert.
Und schließlich die Stadt Amberg. Mit ihrer eindrucksvollen historischen Kulisse präsentiert sich die Stadt im 21. Jahrhundert mit breit gefächertem Kulturangebot. Fast vollständig umgeben von einer Stadtmauer mit Türmen und Toren sowie einem einzigartigen Wassertorbau beherbergt sie viele herausragende Bauwerke. Das gotische Rathaus, Kirchen, Bürgerhäuser und Klosteranlagen liegen in der von der Vils durchflossenen Altstadt.
Der Naturpark Hirschwald – es ist noch ein fast unbeschriebenes weißes und leeres Blatt Papier, auf dem nun seit einigen Jahren die ersten Schriftzüge gesetzt werden. Die Denker und Macher dieses Projektes sind schon an der Arbeit – es braucht seine Zeit. „Gut Ding braucht gut Weil“, heißt es ja auch in einem alten Sprichwort. Der Naturpark Hirschwald: eine Symbiose von Natur und Kultur, von Land und Leuten – ein ökologisches wie ökonomisches Zukunftsprojekt im Amberg-Sulzbacher Land mit guten Erfolgsaussichten.