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Amberg

Meldung vom 20.11.2009, 18:00 Uhr

Früher wurden die Toten mitten im Ort bestattet

Mit dem Totensonntag endet eine Reihe von Gedenktagen im Kirchenjahr, bei denen man die Verstorbenen in die Erinnerung ruft. Eng verbunden mit diesen Totengedenktagen sind die Friedhöfe. Ortsheimatpfleger Michael Koller erforschte in den vergangenen Monaten die Geschichte des Schmidmühlener Friedhofs. Der jetzige Friedhof dürfte im 16. Jahrhundert angelegt worden sein, da die Friedhofskirche St. Georg auch aus dieser Zeit stammt.

Die Historie des kleinen Kirchleins ist höchst interessant. So war das Gebäude wohl zunächst keine Kirche, sondern eher eine Halle mit zwei seitlichen Portalen, die man bei den Sanierungsarbeiten nachgewiesen hat. Fragmente eines Engels wurden freigelegt, mit ziemlicher Sicherheit der Erzengel Michael, der ja der „Seelenwäger“ war. Alles spricht dafür, dass die Georgskirche ein Eingangsportal in den Friedhof war, „die Pforte in den Himmel“. Dies zeigt, wie wichtig den Generationen früherer Jahrhunderte der Umgang mit dem Tod und dem christlichen Glauben war.

Der erste Friedhof lag im Zentrum rund um die Pfarrkirche St. Ägidius. Als das Umfeld der Kirche neu gestaltet bzw. die Kirche erweitert wurde, kamen bei Baggerarbeiten noch viele dieser Gebeine zum Vorschein. Warum der Friedhof verlegt wurde, kann nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden. Ob es eine Seuche war oder ob der Friedhof schließlich zu klein wurde oder ob der Platz anderweitig benötigt wurde bleibt offen. Alle Möglichkeiten können in ihrer Gesamtheit oder auch singulär den Ausschlag gegeben haben. Zumindest lag der „neue“ Friedhof außerhalb des Ortes.

Der jetzige Friedhof besteht aus einem alten und einem neuen Teil. 1926 wurde der alte Teil des Friedhofs durch BGR Hermann Härtle erweitert und ein Leichenhaus mit Wohnung für den Friedhofwärter, der auch Totengräber war, angebaut. Das Leichenhaus ist Eigentum der Gemeinde, der Friedhof gehört der Kirche.

Die ersten Toten, die 1926 im neuen Teil bestattet wurden, waren die Gebrüder Ludwig, die in München studierten und auf der Heimfahrt bei einem Eisenbahnunglück tragisch ums Leben kamen. Sie liegen in dem freien Platz vor dem Priestergrab in Zinnsärgen begraben. An diesem Ort wird auch keine weitere Bestattung stattfinden können, es sei denn, die Zinnsärge würden exhumiert.



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