Amberg - Nachrichten 28.06.2012, 15:33 Uhr

Tausende Jahre werden lebendig

Bei einer kulturhistorischen Wanderung von Neukirchen bis nach Hartmannshof erkundet der Historische Verein vor allem auch den Raum Ermhof.

Noch wird letzte Hand an die historische Informations- und Gedenkstätte in Ermhof angelegt, die am Tag des offenen Denkmals, am 9. September, eingeweiht werden soll. Foto: G. Schuhmann

Noch wird letzte Hand an die historische Informations- und Gedenkstätte in Ermhof angelegt, die am Tag des offenen Denkmals, am 9. September, eingeweiht werden soll. Foto: G. Schuhmann

Landkreis. Zu einer großen, heimatkundlichen Wanderung von Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg bis nach Hartmannshof lädt der Historische Verein Amberg für Samstag, 7. Juli, ein. Treffpunkt ist um 13.10 Uhr am Bahnhof in Amberg am Fahrkartenautomaten. Wegen der beschränkten Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung unter (09621) 74465 bis 5. Juli erforderlich.

Die Wanderung bietet ausreichend Gelegenheit, die Natur und die Kultur im oberpfälzisch-fränkischen Grenzgebiet kennenzulernen. Erste Station ist nach einer Mitteilung des Vereins die neu geschaffene, historische Informations- und Dokumentationsstätte am Standort der frühmittelalterlichen Martinskirche in Ermhof bei Neukirchen. Mehr als 1000 Jahre lang – vom Ende des 8. bis herauf in den Beginn des 19.Jahrhunderts – war diese Kirche ein echter Kristallisationspunkt religiösen Lebens in der Region.

Die auf Überresten einer karolingischen „Eigenkirche“ rekonstruierten Fundamente künden von einem bedeutenden Gotteshaus, das vom Ausgang des Mittelalters bis ins 18. Jahrhundert Wallfahrer anzog und im Gebet vereinte, wie es auch ein in Rom ausgestellter Ablassbrief bezeugt.

Die archäologischen Untersuchungen in Ermhof in den Jahren 2006 bis 2008 unter Leitung von Dr. Mathias Hensch brachten auch für die Fachwelt erstaunliche Erkenntnisse zutage.

Demnach gehen die Anfänge dieses wahrhaftig ländlichen Gotteshauses bis an die Schnittstelle zwischen dem Heidentum und dem Christentum zurück. Zahlreiche frei gelegte Gräber wiesen auf heidnische Begräbnisriten wie Steinsetzung oder Fesselung hin. Schließlich konnte das Forscherteam neben der ursprünglichen Holzkirche insgesamt drei Steinbauphasen nachweisen und dokumentieren. Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass Karl der Große in Ermhof weilte oder an der Kirchengründung beteiligt war. Ermhof lag zu jener Zeit inmitten des fränkischen Einflussgebietes – zwischen dem Burgzentrum Sulzbach sowie den fränkischen Königsgütern Lauterhofen und Velden im Pegnitztal. Über den Grat des Buchenbergs mit seinem noch in den Mauer- und Geländespuren erkennbaren Burgstall führt die Wanderung über die hoch gelegenen Juradörfer Erkelsdorf und Ernhüll unmittelbar nach Breitenthal am Steilabfall ins romantische Lehental. Zuvor steht noch die von den Anfängen her uralte St.-Margareten-Kirche in Ernhüll auf dem Besuchsprogramm. Ziel- und Endpunkt der abwechslungsreichen Tour in der östlichen Frankenalb ist der im Vorjahr eingeweihte Urzeitbahnhof Hartmannshof mit dem faszinierenden Vorgeschichtsmuseum.

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