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Montag, 23. Oktober 2017 7

Kundgebung

Drohnenkrieg ist unmenschlichste Form

Friedensaktivisten mahnen in Amberg, die Ursachen für Kriege nicht länger totzuschweigen, und prangern vor allem die USA an.
Von Christina Röttenbacher

Dargestellt wurden in einer Performance die „Geburtshelfer“ des Krieges. Foto: Röttenbacher

Amberg.Konflikte, militärische Auseinandersetzungen, Kämpfe um Bodenschätze, Bomben, Not und Elend scheinen immer mehr zuzunehmen, auch wenn Friedensforscher festgestellt haben wollen, dass genau das Gegenteil der Fall sei. Medienberichte suggerieren etwas anderes. Und die Konflikte rücken immer näher an Europa – siehe Türkei, Ukraine. Es bilden sich Machtblöcke, besetzt mit aufeinander gerichteten Atomwaffen, die auch in Deutschland stationiert sind. Das Szenario der Konfliktherde hat für die Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegnerinnen“ (DFG-VK) ein gemeinsames Feindbild: der Machtblock USA.

Am Samstag hatte der DFG-VK zu einer Friedenskundgebung auf dem Multifunktionsplatz am Bahnhof mit anschließender Friedensradtour aufgerufen. Viele waren gekommen: Passanten, die spontan inne hielten, Friedensaktivisten mit dem Rad aus der gesamten Oberpfalz, Politiker von SPD, Grünen und Linken, Menschen von Bürgerinitiativen gegen Kampfdrohnen.

Radtour führte zum Übungsplatz

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen zu den Kriegsauslösern Geld und Ressourcen, zu Menschenrechtsverletzungen, zu Toten und Vertriebenen – das drückte die Performance zum Auftakt der Kundgebung aus.

Jedes Jahr unternimmt der DFG-VK Radtouren zu militärischen Standorten und der Rüstungsindustrie. In diesem Jahr stand der Truppenübungsplatz Grafenwöhr, größter militärischer Standort der US-Armee in Europa, auf dem Programm. Nicht ohne Grund: Hier werden Soldaten zu Drohnenpiloten ausgebildet, für die Friedensaktivisten die unmenschlichste Form der Kriegsführung.

Thomas Rödl vom DFG-VK Bayern (links) und MdL Franz Schindler (rechts) betonten die Anstrengungen für den Frieden.

Warum Drohnenkrieg die Souveränität der Staaten verletzt, machte Thomas Rödl vom DFG-VK Bayern deutlich. Er verwies er auf die kriegstreiberische Politik, nicht nur der USA und Europas, am Beispiel der gegenseitigen Bedrohung zwischen der NATO und Russland mit „Tausenden von Atomwaffen, die von Europa nach Osten gerichtet sind“. Der jüngste Krisenherd, die Türkei, bedrohe nun auch Europa. „Die Flüchtlingsströme, ausgelöst durch Kriege, haben wir unterstützt – vom Truppenübungsplatz Grafenwöhr“, so Rödl, der einen militärhistorischen Blick auf den „Kalten Krieg“ warf und Grafenwöhr als aktuelles Aufmarschgebiet der Amerikaner bezeichnete.

Rüstungsexporte verbieten

Dem pflichtete Heidi Kaschner von der regionalen BI gegen Kampfdrohen bei. Sie berichtete, dass die US-Armee weitere 800 Kampfpanzer auf dem Übungsplatz Grafenwöhr stationieren und den Übungsbetrieb weiter ausbauen wolle.

Den Positionen der Deutschen Friedensgesellschaft hat sich MdL Franz Schindler (SPD) weitgehend angeschlossen und auf die Rolle der Bundeswehr in Krisengebieten verwiesen. Die Bundeswehr tauge schon lange nicht mehr für Friedensmissionen, so seine Einschätzung. Um Konflikte zu rechtfertigen, würden propagandistische Kriegsvorbereitungen gegen den IS getroffen; der Drohnenkrieg am Display sei entmenschlicht und Europa baue sich zu einer Festung aus. „Wir haben andere Aufgaben als die Aufrüstung. Es darf nicht sein, dass an jedem Konfliktherd deutsche Waffen zu finden sind“, setzte er sich für ein Verbot des Rüstungsexports ein.

MdB Harald Weinberg (Die Linke) machte deutlich: „Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich, und wenn wir Waffen liefern, werden wir Flüchtlinge ernten.“ Dann machten sich die Friedensradler auf den Weg nach Vilseck, um vor der Wache zum Truppenübungsplatz eine Mahnwache abzuhalten. Die letzte Station soll ein Waffenproduzent in Rheinland-Pfalz sein.

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